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YOUNG CHINESE DOGS

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Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 10.10.2015

Heuer standen in der Kleinen Freiheit Löwen, Wölfe und junge chinesische Hunde auf dem Programm. Wohlgemerkt: auf dem Programm und nicht auf der Speisekarte! Essen wird in der ehemaligen Bahnkantine am alten Osnabrücker Güterbahnhof ja auch seit geraumer Zeit nicht mehr serviert. Stattdessen finden in der Kleinen Freiheit neben dem Disco-Betrieb jede Menge Konzerte statt und heute gab es Besuch aus München und von der Isle of Wight. Auf dem südenglischen Eiland ist Thomas George – Mastermind von THE LION AND THE WOLF zuhause, der mit Begleitung an die Hase gekommen war, um den Abend für YOUNG CHINESE DOGS zu eröffnen. Leider konnte ich nicht dabei sein, um den melancholischen Melodien des hochgewachsenen Musikers zu lauschen, weil parallel mein nunmehr vierjähriger Neffe seinen Geburtstag feierte.

Glücklicherweise musste der junge Mann aber so zeitig ins Bett, dass ich immerhin pünktlich zum Hauptact in der Freiheit war. Die Location hätte durchaus noch ein paar mehr Besucher vertragen und immerhin hat es das zweite Album „Great Lake State“ der Folk-Pop-Formation YOUNG CHINESE DOGS bis auf Position 87 der deutschen Charts geschafft und da hätte ich schon mit etwas mehr Interesse gerechnet. So hatten sich rund 50 Besucher mit dem üblichen Sicherheitsabstand vor der kleinen Bühne versammelt, auf der Birte Hanusrichter (Gesang, Akkordeon & Kinderklavier), Nick Reitmeier (Gesang, Ukulele & Akustikgitarre), Oliver Anders Hendriksson (Akustikgitarre) sowie die Live-Unterstützung Marc Boysen (Drums & Percussion) und Frank Porzky (Bass) zu den Intro-Klängen des „Der dritte Mann“-Themas Aufstellung nahmen, um mit „Dirty Little Girls“ vom aktuellen Silberling beschwingt loszulegen. Weiter ging’s mit dem heiteren „Phone Call“, ehe „Please Don’t Go“ vom 2013er Erstling „Farewell To Fate“ keinesfalls als drängende Bitte an die Zuschauerschaft verstanden werden musste. Die hing nämlich längst an den Lippen der Kapelle, die den nächsten Track „Devil’s Cup“ ihrem Hardcoree-Fan Tim verehrte, der wohl bei allen Gigs mit von der Partie ist, sich aber in Osnabrück nicht zu erkennen gab. Nach dem bislang eher lebhaften Vortrag, wurde es mit „Long Way From Home“ ein wenig getragener, was auch für das nachfolgende „Save The Date“ galt. Bei dieser Gelegenheit legten Birte und Nick ihre Instrumente zur Seite und sorgten auf der in rotes Licht getauchten Stage vermittels gefühlvollen Zwiegesangs für große Emotionen. Mit groovigem Tiefgang schloss sich „Young At Heart“ an, bevor „Heart Full of Home“ mit seinen Laut-Leise-Passagen zum Klatschen animierte und Frau Hanusrichter gestand, auf Tour zu viel Schokolade zu essen und zu viel Bier zu trinken. Stundenlang bemühe sie sich um Zurückhaltung und dann sei der Kick doch zu stark, „der Moment, wenn’s kippt“ – wie sie es nannte. Den verortete sie auch bei Liebeleien, die außerhalb der eigentlichen Beziehung stattfinden und genau davon erzählte das rhythmusbetonte „Turn The Lights Down Low“, ehe sich die Band in der Tradition ihrer Wohnzimmer-Konzerte unters Volk mischte und ein paar Songs unter einer kleinen Funzel in der Mitte der Konzert-Venue spielte. Als „offical Chart-Act“ müssen YOUNG CHINESE DOGS jetzt auch an ihrer Performance feilen, weshalb man wochenlang Tanzunterricht genommen hatte und die beiden Fronter zu „Shouldn’t Be Missing“ eine gewagte Pirouette aufs Parkett legten. Die Nummer ging aber auch wie der Vorgänger „The Road I’m On“ wirklich ins Bein und regte zu kräftigen Akklamationen an. Mit „It’s The Morning Light That Is Taking You From Me” war die Stunde von Oliver “The Marlboro Man” Anders Hendriksson gekommen, der dieses Stück gemeinsam mit Birte performte, um am Ende wieder von der gesamten Mannschaft begleitet zu werden. Damit kehrte der Fünfer wieder auf die Bühne zurück und sorgte mit „Don’t Talk About“ für knackige Sounds, bevor es mit „Lost Generation“ druckvoll weiterging. Beim temperamentvollen „Bottoms Up And Drink It Down” hatte eine Zuschauerin den Songtitel wohl falsch erstanden, als sie ihr Glas zerdepperte, das tat der hervorragenden Stimmung jedoch keinen Abbruch und mit der Ankündigung des letzten Liedes wunderte man sich allenthalben, wo die Zeit geblieben war. Dank des wunderbaren „Sweet Little Lies“ ging’s erneut in die Vollen und auch für ein paar Publikumsgesänge war Gelegenheit.

Diese lockten das Quintett auch nach einem kurzen Abgang ganz schnell wieder aus dem Off zurück und so wurden alsbald die kraftvoll-verträumten Melodien von „This Town Is Killing Me“ zum besten gegeben, wobei die Bajuwaren extra betonten, dass dies keinesfalls für Osnabrück galt, wo sie im Übrigen erstmals gespielt haben. Beschwingt übernahm „You Can’t Find Love In The Summertime”, bei dem abermals das Kinderklavier zum Einsatz kam, um es mit „Dirty Little Boys“ folkig krachen zu lassen und mitsamt Mundharmonika und Schellenkranz bei „When The Rain Set In“ für ein flottes Finale zu sorgen.

Damit endete ein großartiges Live-Erlebnis nach kurzweiligen 90 Minuten und ich spreche wohl fürs gesamte Auditorium, wenn ich schreibe, dass ich gern noch ein bisschen mehr von den YOUNG CHINESE DOGS gehört und gesehen hätte, denn die Spielfreude und Ausstrahlung der Combo war wirklich sensationell und so hoffe ich, dass die Münchner zwar zum ersten, aber keinesfalls letzten Mal in der Stadt des Westfälischen Friedens Halt gemacht haben. In der zweiten Metropole, die sich mit diesem Titel schmückt, habe ich sie ja schon mal erleben dürfen: als Support für YOUNG REBEL SET. Das war vor ziemlich genau zwei Jahren, das Wetter war genauso schön wie an diesem Samstag und Marc Boysen war tags zuvor in Bremen unter die Räder gekommen, weshalb mit leicht verkleinerter Besetzung gespielt wurde. Damals war schon abzusehen, dass wir von den YOUNG CHINESE DOGS noch mehr Gutes zu hören bekommen würden und die Fans wurden definitiv weder mit der Konservenkost noch mit dem Live-Vortrag enttäuscht! Nur schade, dass ich für THE LION AND THE WOLF zu spät dran war…

Setlist
Dirty Little Girls
Phone Call
Please Don’t Go
Devil’s Cup
Long Way From Home
Save The Date
Young At Heart
Heart Full of Hope
Turn The Lights Down Low
Angel From Montgomery
The Road I’m On
Shouldn’t Be Missing
It’s The Morning Light That Is Taking You From Me
Don’t Talk About
Lost Generation
Bottoms Up And Drink It Down
Sweet Little Lies

This Town Is Killing Me
You Can’t Find Love In The Summertime
Dirty Little Boys
When The Rain Set In

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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