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YOUNG REBEL SET – YOUNG CHINESE DOGS

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Ort: Münster – Sputnikhalle

Datum: 03.10.2013

War das ein Feiertag! Tagsüber Sonne bis zum Abwinken und abends ein wahres Verwöhnprogramm in Sachen Folk-Rock. So konnte man sich den Tag der Wiedervereinigung gefallen lassen, wenngleich die Sputnikhalle nicht ganz so voll war, wie ich dies beim YOUNG REBEL SET und ihrem Support YOUNG CHINESE DOGS erwartet hätte. Sollte da die Parties in den 03. Oktober hier und da doch zu ausschweifend ausgefallen sein? Zumindest die Vorband des heutigen Konzertdoppels hatte diesbezüglich Ausfälle zu verzeichnen, denn Schlagzeuger Marc Boysen war irgendwie am Vorabend in Bremen unter die Räder gekommen und nicht mehr aufzufinden. Tja, mit Engländern vom Schlage der YRS-Members sollte man vielleicht nicht saufen, da könnte die hohe Schlagzahl ganz offensichtlich verheerende Folgen haben…

Aber die Münchner wussten sich zu helfen und stellten kurzerhand ihren Bassmann Martin Berger an die Trommel. Dem Hörgenuss tat diese Umbesetzung keinen Abbruch, denn die Bajuwaren, die auf der Flucht vor der schwarzen Pest (CSU) und dem Oktoberfest waren, lieferten wunderbare 45 Minuten mit feinstem Indie-Folk-Pop ab. Mit am Start waren die bezaubernde Sängerin Birte Hanusrichter, die das kleinste Klavier bearbeitete, das mir je untergekommen ist, wenn sie nicht die Quetschkommode schwang; sowie Sänger und Gitarrist Nick Reitmeier mit unverkennbar süddeutschem Zungenschlag und Oliver Anders Hendriksson am zweiten Sechssaiter, der genauso strohblond war, wie sein Name erwarten lässt. Der sympathische Vierer startete pünktlich um 20.00 Uhr mit dem Song „This Town Is Killing Me“ vom Debüt „Farewell To Fate“, das am 11. Oktober in die Plattenläden kommt. Nun ist der Titel dieses Stückes ja nicht unbedingt dazu geeignet, sich in der jeweiligen Stadt direkt mal Freunde zu machen, aber aufgrund ihrer schlichtweg herzlichen Art und der einnehmenden Musik, waren die Westfalen für ihre Verhältnisse richtiggehend zutraulich, wenngleich der Sicherheitsabstand zur Bühne natürlich gewährleistet blieb. Mit „Don’t Talk About“ wollten YCD ein wenig Rock’n’Roll-Feeling ins alte Industriegemäuer bringen, doch die Anwesenden waren wohl doch noch ein bisschen zu müde, deshalb verlegte man sich im folgenden auf das leise Rührstück „It’s The Morning Light That Is Taking You From“, für das Oliver das Mikro übernahm. Siehe da: Akklamationen bekam das Auditorium tatsächlich noch hin und so wurde die wirklich schöne Nummer mit reichlich Applaus belohnt. Ebenfalls sehr gefühlvoll und gleichzeitig absolut kitschfrei schloss sich „Long Way From Home“ an, bei dem Birtes Schifferklavier abermals für besondere Akzente sorgte, bevor das Trinklied „Bottoms Up“ ins Bein ging. Offensichtlich schmeckte auf der Stage der Gerstensaft auch schon wieder, wenngleich die Bayern zu bedenken gaben, dass das allererste Bier immer das schwierigste sei. Da sprachen ganz offensichtlich Experten… Inzwischen waren auch die Münsteraner auf Betriebstemperatur und beteiligten sich bei der schwungvollen Singleauskopplung „Sweet Little Lies“ mit ausdauernden „Ohoho“-Gesängen, ehe „Lost Generation“ am Ende nochmals Gas gab. Wer wollte, konnte sich im Anschluss mit kostenlosen Aufklebern eindecken, die den Schriftzug „This…. is killing me“ trugen – zum praktischen Selbstbefüllen des Platzhalters und auch die Platte war bereits am Merch zu haben. Was sollen sich die jungen Menschen auch ewig mit den schweren Kartons rumplagen? Dann doch lieber schon mal den einen oder anderen Silberling vor dem offiziellen VÖ-Termin raushauen!

Setlist YOUNG CHINESE DOGS
This Town Is Killing Me
Please Don’t Go
You Can’t Find Love In The Summertime
Don’t Talk About
It’s The Morning Light That Is Taking You From
Long Way From Home
Bottoms Up
Sweet Little Lies
Lost Generation

Nun wurde auch gar nicht lang gefackelt und in Windeseile das Equipment für die sechs Jungs aus dem nordenglischen Stockton-on-Tees in Stellung gebracht. Kurz nach 21.00 Uhr konnte es auf diese Weise bereits mit einem Song vom nagelneuen Longplayer „Crocodile“ weitergehen: „The Lash of The Whip“ versprühte ebenso wie „Another Time, Another Place“ gute Laune und mit „Lion’s Mouth“ stand auch schon ein echtes Band-Highlight auf dem Programm, das gehörig abgefeiert wurde. Dieser treibende Ohrwurm ist wie das knackige „Walk On“ Teil des 2011er Erstlings, dem die Briten jetzt mit „Crocodile“ einen würdigen Nachfolger verpassen. Selbiges stellte das abwechslungsreiche und bestens zum Mitgrölen geeignete „One Law“ ebenso unter Beweis wie das gleichsam sentimentale wie druckvolle „Berlin Nights“. Derweil hielt eine junge Dame im Auditorium tapfer ein Schild hoch, in dem sie Gitarrist Andrew Parmley ihre Liebe gestand. Irgendwann wurde die Botschaft auch auf der Bühne zur Kenntnis gekommen und es huschte gar ein schüchternes Lächeln über das Gesicht des Angesprochenen; ob sich da später noch was ergeben hat, ist jedoch nicht überliefert. Stattdessen kann ich vermelden, dass die Herren vom britischen Eiland mit ihrem „Precious Day“ zum Tanze luden und auch „Borders“ und „Reap The Whirlwind“ machten ordentlich Laune. Mit „Red Bricks“ schlug der Sechser zunächst leise Töne an, besann sich dann jedoch wieder des rhythmusbetonten Midtempos, um „Yesca & The Fear“ mit ebenso viel Schmackes wie Herz folgen zu lassen. Nach dem flotten „Strangers“ sah die Setlist mit „Where Have I Been Going?“ Pianoklänge vor, für dessen perfekte Entfaltung die Anwesenden zur Ruhe gemahnt wurden. Während Bassist Chris Parmley ja als einziger irgendwie nie singen darf, bekam der Rechtsaußen an der Klampfe, Mark Evans, beim finalen „Show Your Feathers & Run“ die Aufgabe, den Refrain zum Besten zu geben.

Wie im Zeitraffer war eine absolut kurzweilige Stunde vergangen und natürlich wurden die Damen und Herren Fans in der Stadt des Westfälischen Friedens nicht ohne einen Nachschlag in die noch junge Nacht entlassen. Für den ersten Teil des Zugabenblocks kamen Sänger und Gitarrist Matty Chipchase und Drummer Luke Evans ins Rampenlicht zurück, um zu zweit das herzergreifende „Unforgiven“ zu performen. Der Mann an den Fellen übrigens auf Socken – Schlagzeuger entledigen sich ja gern einmal beim Spielen ihres Schuhwerkes. Für den kraftvollen Schmachter „The Girl From the 51“ versammelte sich wieder die gesamte Mannschaft auf der Bühne und sprach bei der Gelegenheit gleich noch eine Einladung aus, nach dem Gig doch gemeinsam zu reden und zu trinken. Vorher wurden zwei weitere musikalische Leckerbissen serviert: „If I Was“ und „Measure of A Man“ – zweifellos die beiden Songs, die zu Recht den Siegeszug des YOUNG REBEL SET in Gang gebracht haben.

Inzwischen hatten die sonst so zurückhaltenden Westfalen auch den „natürlichen Fotograben“ aufgegeben und tummelten sich ausgelassen tanzend am Bühnenrand. Ohne Schnickschnack, dafür mit viel Spielfreude, Herzblut und absolut hörenswertem Indie-Folk-Rock haben sowohl YOUNG REBEL SET als auch YOUNG CHINESE DOGS ihren Gästen einen äußerst gelungenen Ausklang des Einheits-Tages bereitet. Wenn gewünscht, bieten wir beiden Kapellen natürlich in unseren norddeutschen Gefilden jederzeit gern Asyl. Auch wenn es inzwischen auch in unseren Breitengeraden in jedem Dorf eines dieser unsäglichen Oktoberfeste gibt…

Setlist YOUNG REBEL SET
The Lash of The Whip
Another Time, Another Place
Lion’s Mouth
Walk On
One Law
Berlin Nights
Precious Days
Borders
Reap The Whirlwind
Red Bricks
Yesca & The Fear
Won’t Get Up Again
Strangers
Where Have I Been Going?
Show Your Feathers & Run

Unforgiven
The Girl From The 51
If I Was
Measure of A Man

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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