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ZURÜCK ZUHAUSE FESTIVAL 2016 – TAG 2

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Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 17.12.2016

Nach dem grandiosen Finale des ersten Festivaltages von ROOSEVELT gaben YASSIN & AUDIO 88 den Startschuss für den zweiten Tag. Das Hip-Hop Duo aus Berlin kam der Einladung von CASPER nach und machte einen Stop in Bielefeld, um ihr aktuelles Album „Halleluja“ vorzustellen. Die Bühne des großen Saals des Ringlokschuppens verwandelte sich mit zwei Kanzeln, einem Altar und zwei Kirchenfenstern in den Innenbereich einer Kirche. Dann erschien die Crew auf die Bühne: der DJ als Papst, Yassin als Kardinal und Audio 88 als Pfarrer kostümiert. Sie legten mit dem Titelsong „Halleluja“ los, inklusiver fetter Bässe, die das Dach des Schuppens scheppern liessen. Nach ein paar Songs legten die drei ihre Kostüme ab – wird wohl langsam warm darunter geworden sein. Die größtenteils sozialkritischen Texte schienen dem Publikum zu gefallen, denn schon beim zweiten Lied wird gepogt was das Zeug hält und beim nächsten gibt es den ersten „Circle of Death“ des Abends. Mit zwei gut gestalteten Mitsing-Aktionen nehmen sie alle, die auf Hip-Hop stehen mit. Nachdem das Publikum das gut hinbekommen hat, bezeichnet Audio 88 den Veranstaltungsort als Stabilefeld. Zum Abschluss gab es noch einen Anti-Nazi-Song, die Bude bebt und der erste Act des Tages war nach 30 min. Geschichte.

Setlist YASSIN & AUDIO 88 (ohne Gewähr)
Halleluja
Schmutzige Rapper
Asia Box
Gnade
K.R.A.U.M.H.
Weshalb Ich Menschen Nicht Mag
Schellen

Mit DRANGSAL wurde es rockiger in der Halle. Schon zu Beginn des Sets merkte Max Gruber, der Kopf hinter dem Projekt, an, dass beim Soundcheck der Bass kaputtgegangen sei. Aber man habe sich Ersatz bei der CASPER-Crew leihen können und somit konnte dem Auftritt des Vierers jetzt nichts mehr im Wege stehen. Die legten mit „Der Ingrimm“ vom Debütalbum „Hariescheim“ los und auch das Publikum war sofort bei der Sache, obwohl der wavige 80´er Sound dieser Band so gar nicht in das restliche Line Up zu passen schien. Weit gefehlt, denn in den ersten Reihen befanden sich nicht wenige Fans mit einem DRANGSAL-Shirt. Kein Wunder, denn die Wahlberliner waren der Support von CASPERs „Lang Lebe Der Tod“-Tour 2016. Da wird man den einen oder anderen für sich begeistert haben. Aber auch die vorderen Platzierungen des Albums und einiger darauf enthaltenen Songs in vielen Jahrespolls, wie z.b. in der INTRO werden ein Übriges dazu beigetragen haben. Beim zweiten Song „Hinterkaifeck“ lief mir, wie immer wenn ich diesen Track höre, ein kalter Schauer über den Rücken. Markiert dieser Ort doch ein abscheuliches Verbrechen, an dem im Jahre 1922 sechs Menschen vom Greis bis zum Kleinkind erschlagen wurden. Dieser Mehrfachmord ist bis heute nicht aufgeklärt und bleibt ein Mysterium. Mich würde interessieren, warum Herr Gruber diesen Song so einen Namen gab, inhaltlich hat er nichts mit den Ereignissen zu tun. Zwei dieser Opfer tragen den gleichen Nachnamen wie Max, das sind die einzigen Berührungspunkte.

Bei „Wolpertinger“ verabschiedete sich dann auch noch der AMP vom Basser Sam – der das Pech für diesen Abend gepachtet zu haben schien – für einen kurzen Moment, so dass dieser Track zum zweiten Male angestimmt werden musste. „Zu hart gerockt“, so der leicht entnervte Kommentar des Sängers, und dem musste ich auch schmunzelnd zustimmen. So etwas kann unter Live-Bedingungen passieren und das macht irgendwie auch sympathisch. Zum Abschluß wurden die beiden bekanntesten Songs von DRANGSAL „Love Me Or Leave Me Alone“ und „Allan Align“ präsentiert, bevor sie die Bühne für den nächsten Künstler freigaben.

Setlist DRANGSAL (ohne Gewähr)
Der Ingrimm
Hinterkaifeck
Will Ich Nur Dich
Wolpertinger
Love Me Or Leave Me Alone
Allan Align

SSIO, der in Bonn aufgewachsene Rapper mit afghanischen Wurzeln, ist mit seinem zweiten Album „0,9“, das Anfang 2016 erschien, zu Besuch bei CASPER. Die Bühne ist mit Großstadt-Flair dekoriert: ein „Grünbiesmobil“, auf dem sich der DJ sein Mischpult eingerichtet hat, eine überquellende Mülltonne, eine Bank, Hochhäuser im Hintergrund, eine Steinmauer inklusive Kellerschacht, auf dem der Schlagzeuger Platz genommen hat und überall sitzen die Ratten der Lüfte – eine schöne Kulisse für Hip-Hop. Begonnen wird mit „Halb Mensch, Halb Nase, bei dem das Publikum schon mitsingt, bei „Ich Fibicke jeden“ wird die Typische Armbewegung zelebriert, er weiß wie er das Publikum mitreißt; bei „Kein Bock“ teilt er das Publikum und lässt es auf sein Stichwort aufeinander losgehen. Da auf seinen Konzerten sonst hauptsächlich Männer sind, nutzt er die Gelegenheit und holt sich drei Mädels auf die Bühne, um sie als Bühnentänzerinnen zu nutzen. SSIO heizt dem Publikum gut ein in seinen 30 Min., für den Act, auf den alle gewartet haben.

Setlist SSIO (ohne Gewähr):
Halb Mensch, Halb Nase
Ich Fibicke Jeden
Vorspiel
Pibissstrahlen Auf 808 Bässen
Kein Bock
Bonn 17
SIM Karte
Der Kanalreiniger 0,9
Big King XXL
Nuttööö
Illegal, Legal, Egal

Unter tosendem Applaus und Gekreische erlosch zum letzten Mal an diesem Abend die Saalbeleuchtung und CASPER plus Band betraten endlich die Bühne. Von diesem Moment an bekamen die Ordner, die vor der Bühne postiert waren, einiges zu tun. Fast im Sekundentakt mussten sie dehydrierte und völlig entkräftete Teenies aus dem Publikum ziehen und diese anschließend an die Sanitäter übergeben. Vor einem neuem Backdrop, welches stark an Metalbands erinnerte, begannen Benjamin Griffey – so der bürgerliche Name des Rappers – und seine Band mit „Im Ascheregen“ ihre Show. Springend, hüpfend und laufend fegt der Fronter über die in diesem Jahr etwas spärlicher beleuchteten Bühne. Weiter ging es mit „Auf Und Davon“, “Letzte Gang Der Stadt“ und „Casper Bumayè“ bevor bei „Ganz Schön Okay“ mit dem befreundeten Felix Brummer von KRAFTKLUB der erste Gast des Abends mit CASPER zusammen auf der Bühne stand. Mit dem genialen Riff des BILDERBUCH-Krachers „Machin“ performte die Band das MARTERIA-Cover „Alles Verboten“. Mit TIMI HENDRIX (u.a. aktiv bei TRAILERPARK und PIMPULSIV) stand ein weiterer Rapper aus Bielefeld mit dem Wahlberliner auf der Stage und sie geben mit „Stampf Ihn Ein“ und „Komm Ma Ran“ zwei richtige Smasher zum Besten. Das gefiel der Menge und mit „Mittelfinger Hoch“ wurde die prächtige Stimmung weiter gehalten. Das diesjährige Lebenszeichen „Lang Lebe Der Tod“ vom gleichnamigen Album, dessen Veröffentlichungstermin vorläufig auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist, strotzt nur so vor Energie und fügte sich nahtlos in die Discografie der Band ein. Mit dem CASPER-Part der BEATSTEAKS-Kollaboration „Make A Wish Vs. The Krauts”, das hier und heute mit dem KENDRICK LAMAR-Sample aus „Backseat Freestyle“ unterlegt wurde, ging`s ins Finale des diesjährigen Zurück Zuhause Festivals, das mit „Hinterland“ endete.

Die lautstark geforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten und auch hier erschien ein weiterer Gast auf der Bühne, der Stunden zuvor zusammen mit seiner Band DRANGSAL auf eben dieser rockte. Die Herren Griffey und Gruber performten den neuen Song „Keine Angst“, bevor die Fans mit „Jambalaya“ zum Ende hin noch einmal richtig durchdrehen durften.

Setlist CASPER (ohne Gewähr)
Im Ascheregen
Auf Und Davon
Letzte Gang Der Stadt
Casper Bumayè
Ganz Schön Okay (feat. Felix)
Ariel
Machin/Alles Verboten (Materia Cover)
Stampf Ihn Ein (feat. Timi Hendrix)
Komm Ma Ran (feat. Timi Hendrix)
Mittelfinger Hoch
Lang Lebe Der Tod
Hin Zur Sonne
Kreis
Der Druck Steigt (Die Vergessenen Pt.1)
Blut Sehen (Die Vergessenen Pt.2)
Make A Wish Vs. The Krauts (BEATSTEAKS Kollaboration)
Halbe Mille
Alles Endet (Aber Nie Die Musik)
20 qm
Hinterland

Keine Angst (feat. DRANGSAL)
Jambalaya

Das ZZF ist mittlerweile eine schöne Tradition, die der CASPER da aus der Taufe gehoben hat, und auch für ihn nach der ausverkauften Tour sicher ein schöner Jahresabschluß. „Lang Lebe Der Tod“, der Vorbote von dem im vergangenen Herbst geplanten Album, kündigt was Großes an. Soundtechnisch kommt der Track in die Nähe von NINE INCH NAILS und mit von der Partie ist der Sänger der EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN Blixa Bargeld, genauso wie DAGOBERT und SIZARR. Und evt. ist das auch der Knackpunkt, warum CASPER die Veröffentlichung des Albums verschoben hat, weil er laut eigener Aussage nicht zufrieden mit der bisherigen Arbeit ist. Ich hoffe nur nicht, daß es überarbeitet wird, weil „Lang Lebe Der Tod“ viel zu sperrig für das deutsche Formatradio ist und nicht auf Heavy Rotation läuft. Das wäre bitter, denn ich liebe den Sound dieses Tracks und dementsprechend freue mich aufs neue Album.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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