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Faust-Rausch” kommt am 12. November

Goethes „Faust“ als modernes Hörspiel. Ein zeitgemäßer Trip durch eine zeitlose Geschichte um Gut und Böse. Das jüngste Independent-Projekt von dem chauspieler Felix Isenbügel verbindet die Kraft des Wortes mit dem Sog elektronischer Musik. Berauschend!

„Zur Tür hinaus, wer sich entzweit!
Mit offner Brust singt Runda, sauft und schreit!
Auf! Holla! Ho! …
Wenn das Gewölbe wiederschallt,
fühlt man erst recht des Basses Grundgewalt!”
(Faust I, Auerbachs Keller, Zeche lustiger Gesellen)

Faust-Rausch, was ist das? Nüchtern betrachtet ist Faust-Rausch ein Hörspiel, eine akustische Inszenierung von Goethes Tragödie „Faust“. Eine, die den ewig aktuellen Konflikt zwischen Faust und Mephisto modern und pointiert transportiert. Aber Faust-Rausch ist mehr als ein Hörbuch, denn da gibt es noch die Komponente Musik. Das Miteinander von gesprochenem Wort und elektronischer Musik sowie deren Verschmelzung zum rauschhaften Hörerlebnis – das war es, worum es dem Berliner Theater- und Fernsehschauspieler Felix Isenbügel bei seinem jüngsten Independent-Projekt ging.

„Ich hab schon ganz lange den Wunsch, Texte elektronisch zu vertonen“, sagt der wandelbare 24-Jährige, den einige als Carsten Reimann aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ kennen (2008 bis 2010), andere aus dem Kinofilm „Kabale und Liebe Unplugged“ (2009). „Elektronische Musik hat eine unglaubliche Kraft. Sie ist kaum mehr wegzudenken aus der modernen Zeit. Ich liebe elektronische Musik.“ Und so ist Faust-Rausch auch ein Trip. Ein zeitgemäßer Trip durch eine zeitlose Geschichte um Gut und Böse.

Eine Kunstform ist hier entstanden, die ein gewaltiges Stück Weltliteratur spielend leicht ins 21. Jahrhundert überführt und zugänglich macht für junge Hörer. Der Sog, den das knapp einstündige Hörspiel entwickelt, ist unausweichlich. Angetrieben von den wabernden Elektro-Beats, die der Berliner Pianist, Komponist und Produzent Christopher Noodt (Ohrbooten, Dendemann) dezent unter die kraftvollen Dialoge legt, schraubt sich die Inszenierung zu einem intensiven Erlebnis hoch.

Auf eigene Faust: Idee und Entstehung

Faust-Rausch war ein Herzenswunsch von Felix Isenbügel. Es ist „sein Baby“, wie der gefeierte Bühnen- und Fernsehschauspieler sagt, der auch Drehbücher und
Theaterstücke schreibt und nicht auf sein Engagement bei GZSZ reduziert werden möchte, das im September dieses Jahres endete. „Es mag ein kleiner Schritt sein, mich von GZSZ zu emanzipieren“, räumt er ein, „aber nicht direkt, denn ich bin immer schon vielseitig gewesen und habe neue Herausforderungen gesucht.“

Eine Herausforderung war Faust-Rausch allemal. „Ein Mammutprojekt“, wie Felix Isenbügel meint. Ein Jahr lang hat er daran gearbeitet. Er spricht den Mephisto, zeichnet verantwortlich für die Textbearbeitung und schultert als Produzent die finanziellen Vorleistung. Von Anfang an habe ich an dieses Projekt geglaubt“, bekräftigt er.

Dass es Goethes „Faust“ werden würde, ergab sich zufällig. „In der Schule war es eher eine Qual, ihn zu lesen“, gibt der 24-Jährige zu. Die Erhellung geschah viele Jahre später in Wien, wo es ihn 2009 mit dem Theater des Ostens hinverschlug. „Ich stand im Burgtheater in der letzten Reihe und sah mir ,Faust’ an – drei Stunden lang“, erzählt Felix. „Mir taten die Füße weh und ich konnte kaum etwas sehen. Aber die Kraft der Worte hat mich so mitgerissen, dass ich die Bilder dazu nicht unbedingt gebraucht hab.“ Von da an wusste er, welches Stück er vertonen wollte. „,Faust’ ist eine klassische Geschichte zwischen Gut und Böse. Die Verlockung des Bösen ist zeitlos. Das ist perfekt!“

Gemeinsam mit seinem Tour-Kollegen Otto Strecker („Ein starkes Team“, „Die Wache“), der den Faust spricht und Regie führte, reduzierte er Goethes „Faust“-Stoff auf wenige zentrale Rollen und markante Textstellen. „Das Hauptaugenmerk liegt auf Faust. Der erlebt einen Rausch, den er selbst eingegangen ist und der von Mephisto geführt wird“, erklärt Felix Isenbügel sein Vorgehen. „Auch Gretchen spielt eine große Rolle. Jeder dieser drei Personen durchlebt seinen Rausch. Die anderen Personen braucht es gar nicht. Das ist in sich schlüssig.“

Hand in Hand: Team und Ziele

Neben dem erfahrenen Schauspieler und Hörbuch-Experten Otto Strecker schlossen sich Jana Kozewa (Gretchen), Helmut Krauß (Gott) und Lara Eustermann (Hexe) dem Sprecherteam an. Die fertigen Sprachaufnahmen verwebte Christopher Noodt mit der Musik, die passgenau darauf zugeschnitten wurde. „Mir war es ganz wichtig, dass Musik und Text gleichgewichtig sind“, sagt Felix. „Die Musik sollte keine Hintergrundmusik sein, und der Text sollte von der Musik nicht überspielt werden.“ Also bastelte der erfahrene Musiker Beats, Melodien und Geräusche, um aus dem gesprochenen Wort und seinen Klängen das gewünschte rauschhafte Miteinander zu komponieren.

Nun ist der multimediale Rausch fertig, die CD erschienen. Doch der Trip geht weiter: Für 2011 sind Live-Aufführungen geplant. Faust-Rausch, die Show. Als szenische Lesung mit Live-Musik. Klingt berauschend …

„Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor …“ (Faust I)

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