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AALFANG MIT PFERDEKOPF - Im Schlachthaus blühen die Blumen

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Artist AALFANG MIT PFERDEKOPF
Title Im Schlachthaus blühen die Blumen
Homepage AALFANG MIT PFERDEKOPF
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Am Anfang war das Wort, doch am Ende steht der Klang. Wenn irgendwann in der Zukunft einmal der Moment gekommen sein sollte, dass den Leuten aufgeht, dass es keine ungebrauchte Harmoniefolge mehr gibt, keine ungespielte Melodie, keinen ungeklatschten Groove und keinen ungesungenen Text, dass sich die Musik schon seit geraumer Zeit in einer Schleife aus Wiederholungen um sich selbst dreht, zuckend und sich vergeblich windend, dann wird man sich der Magie und der Endlosigkeit der Erforschung des sonischen Spektrums zuwenden. Dann ist der Moment von AALFANG MIT PFERDEKOPF gekommen.

Obwohl der Titel dieser Scheibe eine anstrengende Sitzung verspricht, macht es einem dieses Projekt denkbar einfach: Vergesst einfach beinahe sämtliche Industrial- und Ambientveröffentlichungen der letzten paar Monate, vergesst die Doktrin des unstrukturierten Dahintreibens, welche den meisten Veröffentlichungen des Genres anhaftet und vergesst vor allem den albernen Bandnamen! „Im Schlachthaus blühen die Blumen“ ersetzt einen ganzen Schrank voller plötzlich unbedeutender und auch noch aufgrund von schicker Limitierung und exklusiver Verpackung in Metall, Holz oder schwere Pappe verdammt teurer CDs, reduziert viele alte Helden zu Stümpern und Poseuren. Dabei ist der hier gewählte Ansatz alles andere als revolutionär, sondern besinnt sich auf das Wesentliche und das Ursprüngliche: Verfremdete Umgebungsgeräusche, die Ahnung von Ordnung sowie die Andeutung von Harmonie. Drei Stücke, zwischen fünfzehn und achtzehn Minuten lang, finden sich nur auf diesem Album, allesamt in sich geschlossene Mikrokosmen, allesamt stilistisch eine eigene Sprache sprechend, doch werden sie von der Vision ihre Schöpfer auf wundersame Weise zusammengehalten. „Yanonami“ ist eine Wanderung durch ein akustisches Spiegelkabinett voller fremder Töne und Stimmungen, die Bilder bleiben undeutlich bis auf einen einzelnen, kurzen Ausbruch von behutsamer Natur – eine Art Musique discrete. Das Titelstück hingegen lässt gleich zu Anfang knurrende Bässe von der Leine, derweil das rhythmische Knistern im Hintergrund sowohl an die im Öl brutzelnden Spiegeleier vom Sonntagmorgen oder POLEs beknackten Waldorf-Filter erinnert. Siedende Flächen und abgründiges Lachen, die Stimmung ist bedrohlich, doch statt zu explodieren bleibt der große Knall aus und brennt der Track stattdessen wie ein schmorendes Kabel langsam aus. Die sich ständig verschiebenden metallischen Beats des abschließenden „Panta Rhei“ setzen dem ganzen dann die Krone auf, spannen einen mystischen Resonanzraum auf, der von erhabener Majestät und gleichzeitig bedrückender Geschlossenheit ist.

Noch im Sommer soll das nächste, „Mezethakia Mukabalatt“ (fragt einfach bei der nächsten Saturn-Filiale danach!), betitelte Werk erscheinen und bis dahin hat der aufgeschlossene und experimentierfreudige Hörer genug Zeit, sich an der Tiefe und Formenvielfalt dieses Albums zu laben. Die letzten zwei Minuten allerdings haben dann nicht mehr die Klänge das Wort, sondern vielmehr die Stille, auf die kein versteckter Track oder ein alberner Witz folgen. Es ist ein erhebendes Geräusch und man wartet geduldig, bis es komplett erloschen ist. Erst wenn man damit Konzerte füllen kann, werden AALFANG MIT PFERDEKOPF irrelevant sein.

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