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AALFANG MIT PFERDEKOPF - Mezethakia Mukabalatt

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Artist AALFANG MIT PFERDEKOPF
Title Mezethakia Mukabalatt
Homepage AALFANG MIT PFERDEKOPF
Label EIGENPRODUKTION
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Es ist das Jahr des Aals: Kaum war „Im Schlachthaus blühen die Blumen“ aus dem Spieler raus, legte man schon die Split mit ROSTIGES RIESENRAD nach, die einen über siebzigminütigen Krater in das Ohr schlug. Und noch bevor der Weihnachtsmann samt Sack durch den Kamin gepoltert kommt, gibt es schon ein neues Päckchen von Mirko „Pferdekopf“ Uhlig. Der hat nun gedroht, in diesem Jahr kein weiteres Material mehr auf die Menschheit loszulassen, was es all denen, die in den Genuss eines der großartigsten Alben von 2004 gekommen sind, zumindest erlaubt, das Gebotene endlich zu verdauen. A propos Verdauung -da wären wir auch schon beim Thema: Uhlig selbst bezeichnet seinen neusten Streich gerne als „Geschmeidigen Ritt auf den Wellen der Kunstkacke – mit Kussmund“ und tatsächlich wird konzeptuell zumindest andeutungsweise das Thema Ernährung angeschnitten.

Lauter „kleine Mahlzeiten“ werden dem Hörer geboten, möglichst unaussprechlich betitelt, mit mehr Pünktchen über dem „o“ und „u“, als in einem Finnisch-Wörterbuch stehen. Immerhin verzichtete man auf das Sampeln von Mampf- und Schmatzgeräuschen und ließ Natur und Technik sprechen oder das, was nach intensiven Sitzungen am Rechner und Mischpult von ihnen übrig blieb. „Mezethakia Mukabalatt“ ist eine Hommage an das Mysterium der Großstadt, fährt Field Recordings und Drones auf, ohne sich im reinen Klang zu verirren. Eine Geduldprobe auch, denn nach dem einleitenden „Geschwärzte Milch“, welches mit aufgeschäumten Gitarrenharmonien über mokkabraunem Blubbern und einem fernen, zartbittren Hauchen eine Art auralen Willkommenstrunk markiert, gehören die restlichen 46 Minuten dem Titelstück. Dass diese aber keineswegs müde oder monoton ausfallen, liegt zum einen an dem ursprünglichen Konzept des Albums als Sammlung kurzer, ineinander fließender Miniaturen und zum zweiten an dem unerschöpflichen Findungsreichtum des Protagonisten. Geräusche wie von einer Comicausgabe eines Bootmotors, angeschlagene Saiten, das Scheppern von Kochtopfdeckeln, Glitches und Kratzen, besoffener Ameisenfunk, das Dröhnen eines Raumtransporters auf Vega 17 und das sanfte Mitwippen eines aus kybernetischen Knochen geformten Mobiles im staubigen Astralwind. All das kannte man bereits von der besagten Split, auf der AALFANG ein wenig zerfahren wirkten, doch diesmal verzieht sich der Dunst recht bald: Die Geräusche werden zunächst dumpfer, als lausche man ihnen von hinter einer Straßenecke, dann treten sie gänzlich zurück, ein dunkles Schweben bleibt, angedeutete Melodien. Ganze Passagen werden nach oben transponiert, entschwinden durch ein Loch in der Decke. Diese meditative Stimmung durchläuft in der Folge verschiedene Mutationen, wird mit Zikadenzwitschern durchsetzt, landet in einem tropischen Garten mit Standgeiger. Die Assoziationen werden so zahlreich, dass sie sich schließlich auf sich selbst zu beziehen beginnen.

Die letzten Minuten gehören dem Flüstern – da sind die TANGERINE DREAM von „Alpha Centauri“ nicht fern. Mit den letzten beiden Veröffentlichungen hat Mirko Uhlig das Projekt immer weiter weg von der Trance zum Traum bewegt, zur intuitiven Logik und zu Metaphern. Dorthin werden ihm nicht alle folgen können. Doch das Licht am Ende des Tunnels meint man schon sehen zu können.

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