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ACTION ACTION - Don’t cut your fabric to this year’s fashion

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Artist ACTION ACTION
Title Don’t cut your fabric to this year’s fashion
Homepage ACTION ACTION
Label VICTORY RECORDS
Leserbewertung
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Wie soll man denn jetzt bitteschön diesen Titel verstehen. Da bringen ACTION ACTION ein Album heraus, das sich so eng an das dies- (und letzt-)jährige 80’er Jahre-Revival anschmiegt, dass es schon nicht mehr feierlich ist und dann versucht man sich augenscheinlich, mit einem cleveren Spruch wieder aus der Affäre zu ziehen. Die doppelte Ironie war einmal ein geeignetes Mittel, um der Kritik zu entkommen und sich unantastbar zu geben, doch möchte man diese neunmalklugen Affen mitsamt ihrer hölzernen Eleganz direkt durch das schäumende Klobecken anmaßender Großkotzigkeit spülen. Sollte man aber in diesem Fall nicht. „Don’t cut your fabric“ ist nämlich stellenweise famos und auch gar nicht verkopft, sondern im Gegenteil pflegeleicht und ganz einfach zu bedienen: Einfach immer den grünen Pfeilen folgen.

Ohnehin wird es dem einigermaßen aufmerksamen Musikkonsumenten nicht schwer fallen, in dieses Album einzusteigen. An die Mischung aus quetschenden und quietschenden Synthies und Indie-Rock haben sich schließlich bereits einige Kollegen herangewagt, und TRANS AM waren davon nicht einmal die ersten. Man fühlt sich immer wieder an die ersten Gehversuche des Genres erinnert und meint gar gelegentlich, GARY NUMANs Begleitband habe sich mit neuem Sänger noch einmal zusammengerauft. Und genauso wie bei dem alten Enigmatiker (oder, je nach Laune, wirren Schrat) liegen Gut und Böse hier sehr nah beieinander. Die Kritik zuerst: Frei nach dem Motto, man solle keinem Zitat glauben, welches man nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen habe, plündern sich ACTION ACTION derart durch die Musikgeschichte der vergangenen Dekaden, dass es einem John Silver Angst und Bange würde. Schon die Farben des Booklets sind ein Verweis auf die niederländischen Kollegen von DOE MAAR, ein unterbewusster vielleicht. Im aktiven Hirnzentrum lagen aber gewiss das RADIOHEAD-Plagiat „Four Peace Jigsaw Puzzle“ sowie die Anspielungen auf „New Year’s Day“ (in „Let’s never go to sleep“) und „Golden Brown“ (in „Broke“) und das sind lediglich die offensichtlichsten. Was wie ein munteres Rätselraten beginnt, endet streckenweise in Langeweile: Diese Tracks wollen schlauer sein, als sie sind und so keck integriert die Paraphrasen auch sein mögen, mehr als ein Puzzlespiel kommt nicht dabei heraus. Dabei kann die Band doch ganz anders, wie sie oft genug beweist. Schon der Opener „This Year’s Fashion“ treibt die Spannung mit einem ewig verzögerten Schlagzeugeinsatz auf die Spitze, „Drug Like“ ist die Nummer mit dem dicken Analog und dem sanften Refrain und „Don’t cut your fabric“ mitreißender Electro Rock n Roll. Der Höhepunkt aber lässt bis zum Schluss auf sich warten: „The short weekend begins with a longing“ begeistert mit Computerspielbegleitung und extatischem Refrain.

Die Produktion ist eindeutig auf hohe Lautstärken ausgerichtet, weswegen das Album in den heimischen Wänden eher wenig, im Club aber bestimmt um so doller knallt. Es ist auch ganz angenehm, neben zweistündigen Konzeptalben mit beigelegter Landkarte und einem zugehörigen Beglaubigungsschreiben eines Philosophieprofessors mal wieder Musik zu hören, die nicht seicht ist und sich dennoch schon beim ersten Hören erschließt. Ich nehme alles zurück. Von mir aus dürfen ACTION ACTION ihren Stoff verdammt noch mal so schneiden, wie es ihnen passt.

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