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ADARO - Schlaraffenland

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Artist ADARO
Title Schlaraffenland
Homepage ADARO
Label TEMPUS FUGIT
Veröffentlichung 22.03.2004
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Die Mittelalterwelle rollt mit Macht und nichts kann sie aufhalten. Sie reißt begeisterungsfähige Musikfreunde mit und begräbt auch schon hin- und wieder mal Genregrenzen unter sich, indem sie zum Beispiel Rock- und Synthesizer-Elemente in die mittelalterlichen Klänge integriert. Manchmal gelingt das, und es entsteht ein seltsam anrührender, zeitloser Klang mit der Kraft von Mythen, Märchen und Melodien. Das war vor allem bei den frühen In Extremo der Fall. Doch es geschieht auch, daß ein Mix aus Mittelaltermusik und neuen Strömungen in unverbindliches Geplänkel mündet – wer jedem gefallen will, läuft Gefahr, beliebig zu klingen. Und manchmal, wie im Fall der neuesten CD von „Adaro“, zerstört diese musikalische Modeerscheinung das, was sie zu würdigen meint: die Faszination für das Mittelalter, den geheimnisvollen Flair der wissenschaftlich noch lange nicht konsensfähig erschlossenen Liedtexte, die Rätsel um die ursprünglichen Melodien sowohl zu epischen Texten als auch zu Gedichten. Diese Veröffentlichung von „Adaro“ aus Esslingen bringt mich dazu, trotz meiner eigenen Mittelaltereuphorie, resigniert den CD-Player auszustellen. Schade eigentlich: Wer halbwegs authentische Mittelaltermusik glaubhaft umsetzen kann, sollte doch dabei bleiben, anstatt verkrampft den vermeintlich so notwendigen Anschluß an „neue Zeiten“ zu suchen.

Allerdings muß eines zugestanden werden: Was an „Schlaraffenland“ ärgert, ist nicht wirklich die musikalische Seite, die technisch versiert, wenn auch nicht unterhaltsam daherkommt. Der Umgang mit den alten Texten strapaziert mir viel eher den germanistischen Nerv. Jürgen Treyz hat die altertümlichen Texte in ein nur schwer ertragbares, archaisierendes Neuhochdeutsch übertragen; ein Zwischending. Weder korrektes Original noch gute Übersetzung. Dazu kommt, daß Christoph Pelgen als Sänger schon beim Titelsong „Schlaraffenland“ mitnichten eine unverwechselbare Stimme präsentiert, sondern sich durch die Spruchdichtung Hans Sachs´ säuselt – alles das vor dem Hintergrund einer komisch an Countrymucke erinnernden Klangkulisse. Als namensgebender Song für ein ganzes Album ist dieses nichtssagende Stück wirklich eine Fehlbesetzung. Und leider ist Pelgens langweilige Stimme fast in jedem Stück dominant zu hören. Das klingt nach einem Reinhard Mey im Kettenhemd… Das zweite Stück „Wer alten Weibern traut“ erinnert ganz fatal, bis in die Gitarrenriffs, an Subway to Sally. Hat man also alles schon einmal gehört, nur besser. Aber zumindest demonstrieren die fünf „Spylleyt“ hier, daß sie auch vor einem verschachtelt komplizierten Rhythmus nicht zurückschrecken. Richtig schön und daher aus dem Rahmen fallend beginnt dagegen „Nu ruh mit Sorgen“. Ohne zuviel instrumentales Gedöns darf zu Beginn des Songs Konstanze Kulinsky gesanglich glänzen – sie sollte ihren Kollegen wirklich viel öfter vom Mikrofon verdrängen, denn sie singt einfühlsam, klar und sehr, sehr lieblich. Schade ist nur, daß die uninspirierten Gitarrenparts (Treyz) hier wieder viel von der anfänglich so zarten Stimmung stören. Erst, als der Song wieder auf akustischem Niveau ankommt, von einer Flöte sanft beendet wird, ist das Stück wieder anhörbar.

Doch damit ist der Ausflug in die mittelalterlich angehauchte Melodik wieder vorbei. „Lieg still“ ist erneut so eine krude Mixtur aus Pop, Rock und Mittelalter-Schlager. „Herr, wer hat sie begossen“ rockt zu Beginn sehr annehmbar los, verliert aber rasch an Dynamik. Einziges Highlight dieses Songs: Konstanze darf wieder singen – leider viel zu kurz. Nun kommt das definitiv gelungenste Stück, denn Konstanze singt allein und Christoph Pelgen hält den Mund: „Es ist ein Schnee gefallen“, eine sinnliche Ballade, die allerdings von „Dulamans Vröudenton“ schon authentischer interpretiert worden ist (vor allem textlich). Nach diesem Stück schreckt der Hörer vor dem krachig startenden „Minne ist ein süßer Nam“ wieder ziemlich zurück. Die quakenden Electro-Songeffekte im Refrain irritieren. Schnell weitergeklickt zu Nummer 8: „Komm her zu mir“. Das soll wohl experimentell rockig klingen und ist formell ja auch schlau konstruiert – aber ins Ohr schmeichelt sich hier nichts. Ich schalte zum neunten Song. „Der Edelfalk“ beginnt ruhig und weich. Doch nun kommt eine ganz „reizende“ Idee: Man präsentiert die Strophen nun in einer Art Sprechgesang, die Refrains werden wieder gesungen. Wer sich das ausgedacht hat, gehört doch stark gerügt. „Wohl dem Leibe“ fährt danach wieder folkig an, bleibt lieblich und schlicht. Dieser Song ist schon sehr viel besser als die meisten anderen auf „Schlaraffenland“ dazu geeignet, bei einem Konzert für gute Stimmung unter den Anwesenden zu sorgen. Schnell und fröhlich hopst „Adaro“ dann in den vorletzten Song: „Frau, du sollst unvergessen sein“, an dem außer Pelgens Gesangsdarbietung nichts zu kritisieren ist. Das Album endet schließlich besinnlich mit „Psalm XIII“, fast ein Gute-Nacht-Lied.

Ich kann nur wiederholen: Schade, schade, schade. Diese Gruppe kann technisch so viel, zeigt so viel musikalische Fähigkeiten. Warum muß so verkrampft alles auf originell statt original getrimmt werden? Dadurch verliert die ganze CD an Durchschlagskraft. Und bleibt zumeist trotzdem klanglich sehr konventionell. Alles umsonst.

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Adaro 'Schlaraffenland' Tracklist
1. Schlaraffenland
2. Wer alten Weibern traut
3. Nu ruh mit Sorgen
4. Lieg still
5. Herr, wer hat sie begossen
6. Es ist ein Schnee gefallen
7. Minne ist ein süßer Name
8. Komm her zu mir
9. Der Edelfalk
10. Wohl dem Leibe
11. Frau, Du sollst vergessen sein
12. Psalm XIII
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