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ALL THAT REMAINS - For We Are Many

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Artist ALL THAT REMAINS
Title For We Are Many
Homepage ALL THAT REMAINS
Label RAZOR & TIE
Veröffentlichung 22.10.2010
Leserbewertung
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8.2/10 (5 Bewertungen)

“Setzen Sie folgende Reihe fort: 2002, 2004, 2006, 2008…” Richtig, die Lösung ist: “Neues ALL THAT REMAINS Album”! Systematisch dem Takt folgend veröffentlichen die Springfielder nun brav ihr fünftes Werk und beweisen damit wieder ihre Zuverlässigkeit. Jene Verlässlichkeit erlitt in meinen Augen bzw. Ohren nämlich durch ihre letzte Veröffentlichung “Overcome” einen schweren Dämpfer – nicht hinsichtlich ihrer Pünktlichkeit, sondern viel schwer wiegender, in Sachen Qualität. Hat man zuvor stets solides bis starkes Liedgut präsentieren können, klingt das 2008er-Werk (allerdings entgegen vielerlei Meinungen) schlicht langweilig und unmotiviert und gehörte so, sicher auch aufgrund enttäuschter persönlicher Erwartungen, zu meinen großen Flops des betreffenden Jahres. Viel zu gewollt, zu gezähmt und uninspiriert geht man darauf zu Werke, so dass man allenfalls noch bei den Live-Shows das Bild ein wenig im Rahmen halten konnte. Ebenfalls ein Glück, dass man nun zwei Jahre später mit “For We Are Many” ein Album in den Händen hält, welches den Vorgänger etwas aus dem Gedächtnis bläst.

“Now let them tremple”, so der Name des Intros, stanzt dabei dröhnend und donnernd den Weg frei für die sich gegen Ende erhebenden Shouts von Mr. Philip Labonte, der bereits hier durch seine endlich auch wieder authentisch fiesen Vocals selbst die hartnäckigste Skepsis in die Flucht schlägt. Fließend wird zum Titelsong übergleitet, wo man sich im herrlichsten Metalcore-Gewitter zwischen nieder hagelnden Drums und peitschenden Riffs wiederfindet. Wie ein Sturm reißen einen die geschrienen Lyrics mit sich, bis fantastisch derbe Growls den Rezipienten unter sich begraben wie einstürzende Häuserwände. Kein Zweifel, ALL THAT REMAINS sind wieder mit dem Herzen bei der Sache und zeigen, dass sie ihre “böse” Seite immer noch in sich tragen. Von diesem Beginn schwer beglückt kann dann auch ruhig das folgende “The last time” kommen. Die deutlich mildere Nummer fährt dann wieder jene gedoppelten Vocals auf, bei denen der gute Phil seinen cleanen Gesang gleichzeitig mit Shouts unterlegt und mich damit auf “Overcome” noch fast zur Weißglut getrieben hatte. Das eine oder andere Mal kann man ja gern darauf zurück greifen, doch auf Dauer ist es einfach nur nervig und nicht zuletzt unnötig. Zwar sagt Labonte auch selber über sich, nicht gerade der beste Sänger der Welt zu sein, doch ist sein Cleangesang allemal gut genug, um ihn auch einfach mal so wirken zu lassen (was ja spätestens durch den Überhit “This Calling” klar sein dürfte). Bei “Aggressive Opposition” erhält er neben einem himmlisch-reinrassigen Metal-Gitarrensolo genau dazu mal die Chance, allerdings matscht man dort dann wieder so viel elektronische Nachhilfe-Filter rein, dass er fast schon nach FOZZY-Sänger und WWE-Star Chris Jericho klingt. Sei’s drum, das erwähnte “The last time” besticht ansonsten durch schönen Drive und eingängiges Riffing. Oli Herbert und Mike Martin an den Gitarren beweisen wie selbstverständlich auch hier, dass sie im Metalcore-Genre zur Speerspitze gehören – ein Rank, den die ganze Band verdient und auf den sie mit dieser Scheibe hörbar Anspruch erheben will. Ein weiterer Beweis dafür ist auch “Won’t go quietly”, eine metallische Midtempo-Komposition, bei der man einmal mehr nicht drum herum kommt, herauszustellen, dass Phil Labonte mit Abstand zu den größten Stimmkünstlern seiner Zunft gehört. Nur wenige können mit einer so großen Varianz und Technik aufwarten wie der ex-SHADOWS FALL- und beinahe KILLSWITCH ENGAGE-Schreihals, der den Song durch mehrere Intensitäts-Stufen jagt und so ein tolles Klangwerk entstehen lässt, welches am Ende sogar gitarrentechnisch im Besten BON JOVI-Stil abschließt (wobei wir ja nicht vergessen wollen, dass auch die einmal für wirklich gute (!) Musik standen). Neben der ordentlichen Süßholz-Liebesschmerzballade “The Waiting One” lassen ALL THAT REMAINS aber stellenweise auch wieder die Sau raus. “Dead Wrong” ist da zum Beispiel wieder so ein niederträchtiger, kompromissloser Hassbatzen wie einst “Empty Inside” vom “The Fall Of Ideals”-Silberling, doch auch das starke und schmetternde “Some Of The People, All Of The Time” lässt den Metalcore-Kadaver in seinem Genre-Grab noch einmal fröhlich rotieren. Highlights sind hier die abschließenden und einfach nicht mehr als menschlich zu bezeichnenden Growls von Labonte, bei denen man sich fast nur noch schnell in Embryo-Stellung unter dem Tisch verstecken will.

Keinen Grund zum Verstecken haben allerdings ALL THAT REMAINS. Mit “For We Are Many” kriegt das Quintett nach dem an sich schwachen aber dennoch trotzdem erfolgreichen Vorgänger die Kurve und biegen so wieder in Richtung von Werken wie “The Fall Of Ideals” ein; ein Kurs, der ihnen weitaus besser steht. Über 43 Minuten bietet man seinen Anhängern mit den zwölf Kompositionen all das, was diese sich erhoffen: Moderne, groovige Nummern wie die aktuelle Single “Hold on” im Wechsel mit melodischen Stücken à la “Keepers of Fellow Man” und fiesen, kernigen Kleinkriegen wie “Dead Wrong” oder dem Titelsong, wobei letztere Sparte dabei leider einen ziemlich geringen Anteil in Anspruch nimmt. Dazwischen bleibt leider nicht viel außer “Pflichtprogramm”. Immerhin hat KILLSWITCH ENGAGE-Gitarrenspieler Adam Dutkiewicz seine geschickten Finger wieder bei der Produktion mit im Spiel gehabt. Trotzdem muss man auch hier wieder feststellen, dass man insgesamt seinem enormen Potential einmal mehr nicht gerecht wird. ALL THAT REMAINS können nichts dafür, dass unzählige Mitläuferbands das Genre mit billigen Abklatschen dahin gerafft haben, doch wäre es immer noch ein leichtes für Labonte, Oli Herbert, Mike Martin & Co, den alten Glanz wieder hervorzulocken – wenn, ja wenn man denn einfach mehr aus seinen Möglichkeiten machen würde. “FWAM” ist kein Album, dass mit Hit an Hit um sich schmeißt und für Leute, die dem Metalcore-Genre abgeschworen haben, wohl eh nicht mehr als ein weiterer Vorwand für hohles Geläster, doch befinden sich ATR damit wieder im Aufwind, so dass man darauf hoffen kann, dass in zwei Jahren vielleicht wieder eine vollends überzeugende Scheibe erscheint. Oder man durchbricht sein Muster einfach mal und hängt vielleicht mal ein weiteres Jahr dran, um sich für die Dinge Zeit zu nehmen. Für den Moment allerdings kann man hiermit schon mal zufrieden sein.

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All That Remains 'For We Are Many' Tracklist
1. Now let them tremble...
2. For we are many
3. The last time
4. Some of the people, all of the time
5. Won't go quietly
6. Agressive Opposition
7. From the outside
8. Dead wrong
9. Faithless
10. Hold on Button MP3 bestellen
11. Keepers of fellow man
12. The waiting one
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