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AM’GANESHA’N - Somnia

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Artist AM’GANESHA’N
Title Somnia
Homepage AM’GANESHA’N
Label HOLY RECORDS
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Mein Arbeitskollege Ansgar hat so eine riesige Jumbotasse, in die ungefähr zwei Liter Kaffee auf einmal passen. Füllte man sie bis an den Rand mit Espresso, reichte die von diesem Getränk ausgehende Wirkung noch immer nicht, um meine müde gewordenen Augenlider um mehr als einen engen Spalt zu öffnen. AM’GANESHA’N haben immerhin Wort gehalten, denn der Titel ihres neuen Albums bedeutet übersetzt „Schlaf“ und dass bei Tracknamen wie „Gloria in excelsis“ und „Procella“ kein aufreibender Death-Metal auf dem Menü stand, war eigentlich auch von Anfang an klar.

Nachdem die Mischung aus kirchlichen und weltmusikorientierten Gesängen mit Popharmonien in den frühen 90’ern zu obersten Chartsnotierungen führte und sich die hoffnungslos überforderten Klassikeinzelhändler wunderten, warum sich alle diese pickligen Teenies um alles in der Welt „Canto Gregoriano“ neben die MARIAH CAREY-CD ins Regal stellen wollten, gehen Elektronik und himmlische Stimmen immer wieder gerne auf ein intimes Date. Auch wenn man natürlich lieber die schmollmundgelippte SANDRA „Je suis a toi“ säuseln hören möchte (um sich dabei vorzustellen, man selbst sei gemeint), gebührt die Krone und der Thron nicht ihrem inzwischen von gerechtfertigter und ungerechtfertigter Kritik verbitterten, ungefähr 200 Jahre älteren Ehemann Michel „Enigma“ Cretu, sondern den Profeten von DEAD CAN DANCE, deren Reise „toward the within“ dann leider früher zu Ende war, als man gehofft hatte. Mit diesen verbindet AM’GANESHA’N die Liebe zur Miniatur, denn statt sich durch minutenlange mantraartige Wiederholungen zu quälen, dauern die meisten Stücke auf „Somnia“ nur knappe drei Minuten, gehen zu Ende, wo die Meisten erst beginnen. Das ist leider aber eher ein Problem denn ein Segen, denn wo bei Lisa Gerrard und Brendan Perry die Zeit schon mal stehenblieb, rast sie hier unerbittlich weiter, ohne eine erkennbare Spur zu hinterlassen. Will sagen, dass diese Stücke selten als Kompositionen zu klassifizieren sind und sich meist in selbstgefälliger Klangmalerei erschöpfen – mal wird mit orientalischer Exotik gespielt, mal an die Motette erinnert, Frauenstimmen erheben sich und ein Mann intoniert mit solemner Stimme Messetexte – doch wozu das Ganze gut sein soll, wird nie so richtig klar. Das gar fünfminütige „Gashanda“ weiss zwar mit einem groovenden Bass und funky Handclaps genauso so überzeugen wie das merkwürdig rhythmisierte, doch mit hypnotischen Vokalrepetitionen versehene „Solstice“, aber insgesamt bleibt der Eindruck der Belanglosigkeit.

Und trotzdem lullt dieses Album nicht nur ein, sondern weiss einen mit seiner stimmungsvollen Monotonie dann irgendwie doch einzunehmen. Das ist dann ähnlich wie bei MOBY’s „Play“: Ein Haufen uninspirierter Songs, handwerklich miserabel umgesetzt, doch irgendwie charmant. Ich bleibe einfach in meinem bequemen Sessel sitzen, angenehm gewärmt wie von einem heissen Bad. Für Kaffee ist es ohnehin zu spät.

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