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ANOREXIA NERVOSA - Redemption Process

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Anorexia-Nervosa-Redemption-Process.jpg
Artist ANOREXIA NERVOSA
Title Redemption Process
Homepage ANOREXIA NERVOSA
Label LISTENABLE
Veröffentlichung 01.01.2008
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Die ARTE-Dokumentation (bitte französisch aussprechen!), in der neben DEICIDE (angeblich in Florida der „Oberkult“) und ARKHON INFAUSTUS auch „Meister Stephan Bayle“ von ANOREXIA NERVOSA „wütet“, haben wir leider verpasst. Und damit die gewiss schockierenden Bilder von übel verführten Minderjährigen, von auf der Bühne abgeschlachteten Katzen und von allem, was Death-Metaller so übers Netz verbreiten: „Satanismus, Vampirismus, Aufrufe zum Chaos, es ist für jeden was dabei“ weiß das Magazin „Tracks“. Was es wahrscheinlich nicht weiß (oder wohlweislich verschweigt) ist die Tatsache, dass ANOREXIA NERVOSAs neuestes Album im Gegensatz zu dem zwischengeschobenen „Suicide is Sexy“ weder mit einem plakativen Titel, noch mit jugendgefährdenden Inhalten aufwartet. Was Erlösung sein mag, so die Botschaft, bleibt unaussprechlich, doch erreichbar ist sie für jeden.

Natürlich sollte man nun auf keinen Fall eine Sammlung von Kirchenmadrigalen oder eine gottesfürchtige Countryplatte erwarten. Alister Crowley bleibt als Inspiration und Identifikationsfigur wichtiger als Jesus. Doch deutet sowohl der musikalische Umschwung, als auch die visuelle Präsentation auf eine gewisse hinzugewonnene Besonnenheit. Es ist ein wenig, als sei sich die Gruppe ihrer Bedeutung gewahr geworden, der 15.000 Exemplare, welche sich vom Vorgänger „New Obscurantis Order“ verkauften, des Echos in den Medien. Das, was CRADLE OF FILTH und DIMMU BORGIR für den Untergrund nicht mehr sein können, nimmt sie nun auf ihre Schultern, die Verantwortung der Richtlinienkompetenz und des Taktgebers. „Redemption Process“ ist somit mehr als nur ein neues Album oder ein Neuanfang, es stellt das musikgewordene Akzeptieren der eigenen Vorreiterrolle dar. Darum wird man sich wohl in Zukunft nicht mehr an den Kompositionen derart reiben müssen wie in einstmals, werden die Aussagen philosophisch offener und weniger anstößig geraten, selbst wenn die Texte weiterhin anspruchsvoll und die Musik brutal geblieben ist. So brutal gar, dass der symphonische und wahnsinnig wütende Opener „The Shining“ nach derben drei Minuten erst verschnaufen muss, ehe er von Neuem ansetzt. Es fällt einem sofort diese birnendicksaftige Produktion auf. ANOREXIA NERVOSA errichten Kathedralen aus Krach, die stets auf einem soliden Fundament aus klaren und transparenten Harmonien fußen. Eine Spur wird über die nächste gelegt, die Zwischenräume säuberlich mit tonalem Teer zugekleistert, bis keine Ritze im Spektrum mehr offen ist. Das überwältigt einen zunächst gehörig, wie ein unversehener Hieb mit einer Flasche süßen Likörs, doch folgt ebenso prompt der Kater. Die stupende Energie überschattet regelmäßig die Substanz und verscherzt es sich auf Dauer mit sich selbst – die Dosis macht schließlich immer noch das Gift, bzw. die Medizin. Für Schlagzeuger und Keyboardfetischisten freilich bleibt „Redemption Process“ eine orale Orgie. Der gesamte Drive entfließt diesen Instrumentengruppen, die niemals zur Ruhe kommen und die sich von Gitarre und Bass lediglich minimale Motive zuschanzen lassen. In den starken Momenten ergeben sich Bilder üppiger Anarchie, in den schwächeren wirkt die Musik überladen und anstrengend. Assoziationen wird man auf jeden Fall keine vermissen. „Sister September“ kommt als vielschichtiges, progressives Meisterwerk überirdischer Dimensionen daher, „Codex Veritas“ eröffnet für Sekundenbruchteile mit einem 2001-Zitat und „The Sacrament“ bietet einen schön opernhaften Ausstieg.

Dort sehen sich ANOREXIA NERVOSA ohnehin am liebsten, fühlen sich Richard Wagner nahe, dem Schauspiel und den großen Bühnen. Vielleicht auch, dass ihnen derart an einer stimmigen Inszenierung gelegen ist: Bemerkenswert, wie sie diese arg vom Prinzip her arg repetitive Mixtur niemals langweilig werden lassen – da steckt offensichtlich doch mehr in den harmonischen Progressionen, als der Konzertpianist aufs erste Gehör vermuten dürfte. Zusammen mit dem Klassizismus auf dem Cover macht dann plötzlich auch der ARTE-Bericht wieder Sinn: Diese dunkle und in der Vergangenheit extrem weltabgewandte Musik ist zu Kunst geworden.

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Anorexia Nervosa 'Redemption Process' Tracklist
1. The shining Button MP3 bestellen
2. Antinferno Button MP3 bestellen
3. Sister September Button MP3 bestellen
4. Worship manifesto Button MP3 bestellen
5. Codex-veritas Button MP3 bestellen
6. An amen Button MP3 bestellen
7. The sacrament Button MP3 bestellen
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