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ANTHEMON - Dystopia

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Anthemon-Dystopia.jpg
Artist ANTHEMON
Title Dystopia
Homepage ANTHEMON
Label THUNDERING RECORDS
Veröffentlichung 15.11.2004
Leserbewertung
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Alles hätte man erwartet, nur dies nicht! Mit ihrem vorigen Album hatten sich ANTHEMON im Feld des Opernmetals eine ganz eigene Nische erspielt, träumerische Landschaften im Grau-Orange der Abenddämmerung heraufbeschworen. Das war einigen zu ätherisch, anderen zu kitschig, dritten ein kleiner Schatz. Schon damals vermutete man hinter der geschliffenen Oberfläche ein unruhiges Herz, wurde durch Sylvain Begots irrsinnig-genialischen Soloausflug MONOLITHE misstrauisch. Doch ein Prophet sei der, welcher auf diesen Stimmungsumschwung gesetzt hätte.

Tatsächlich klingt die Band auf „Dystopia“ wie ausgetauscht – und ist es auch. Statt der bezaubernden Nathalie Bonnaud steht nun ein Mann hinter dem Mikro, David Verbecq ersetzte Nicolas Joyeux und stilistisch hat man sich so weit von den Parametern des Debüts entfernt, wie es nur eben ging: Ein räumlich tieferer Sound, bedeutend facettenreicheres Gitarrenspiel, eklektischere Keyboards und stark progressiv angehauchte Strukturen mit gelegentlich ausgedehnten Soloausflügen. Wer sich im Rausche der Stunde und von Taraja Turunens Stimme betört „Arcanes“ zugelegt hat, wird bitter schlucken und sich den Kauf besser zweimal überlegen müssen. Alle anderen haben hier die Gelegenheit, eine bedeutend gewachsene Formation mit höchsten Ansprüchen zu entdecken, welche die Grenzen der eigenen Fähigkeiten ununterbrochen zu überwinden sucht. Ein derart stahlharter Kracher wie „Chatter of the Tubes“ wäre ihnen vor ein bis zwei Jahren jedenfalls sicherlich nie im Leben eingefallen, geschweige denn geglückt. Sicherlich ist eine Menge des Materials völlig over-the-top und beinahe schon karikaturesk, doch gerade deswegen eben auch sehr fett und fulminant. Sogar die leicht schwülstige Stimme von Loic Malassagne (ob er wohl gern beim Italiener isst?) integriert sich formidabel in den Mix und macht in den druckvollen Momenten mächtig Dampf. Nachdem das Album in der Mitte mit unspektakulären und wenig griffigen Titeln die Kontrolle über die Aufmerksamkeit des Hörers kurzfristig verloren hat, ist er es auch, der „Dystopia“ am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht: „La chute de l’architect“, der einzige französischsprachige Track, ist ein großer Song und eine grandiose Gesangsleistung. Danach wird man mit der soundtrackorientierten Akkordik und den gespenstischen Grunts von „Serene Eyes“ allein in die Nacht entlassen: „We have Soma/ For feeding you lifelong coma“.

Was ANTHEMON nun noch von den Spitze trennt, ist ein insgesamt konstanteres Songwriting und eine organischere Dynamik: Während die Meister des Genres mühelos mehrere Gänge aus einmal hoch- und runterschalten, verharren die Franzosen zu oft auf dem selben Niveau. So ist auch dieses Album noch nicht der absolute Klassiker geworden, wenngleich ein imposantes Statement und eine mehr als nur überzeugende Leistung. Und das man bei dieser Band auch in der Zukunft mit großen Überraschungen rechnen sollte, dürfte inzwischen klar sein.

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Anthemon 'Dystopia' Tracklist
1. Above us
2. Foretell omega
3. Chatter of the tube
4. Recall the absence
5. Tuned to a dead channel
6. La chute de l'architecte
7. Manifold of ...
8. Serene eves
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