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ANTIFAMILY - s/t

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Antifamily-Antifamily.jpg
Artist ANTIFAMILY
Title s/t
Label DIFFICULT FUN
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Wer ist der eigentliche Star dieser Scheibe? Ist es David Panos, „Difficult Fun“-Labelchef und der Mann, dessen elastische Tom-Wirbel den Songs ein organisch-entspanntes Rückgrat verleihen? Oder gar die Plattenfirma selbst, die dank zweier formidabel aus der Reihe tanzender Sampler mit Post Rock und Post Punk, zufälligen Kassettenaufnahmen, kalkuliertem Wahnsinn und russischen Liedern über Wassermelonen sowie einiger unverbrauchter und unorthodoxer Produktionen aus dem Grenzgebiet zwischen Pop und Experiment gänzlich unbeabsichtigt zur Speerspitze all dessen, was als hip und cool gilt, geworden ist? Vielleicht.

Doch noch mehr als das spielt der pneumatische Gummigroove eine gewichtige Rolle, der sich wie ein roter Faden durch alle Songs der ANTIFAMILY zieht. Egal, ob es sich um den quängelnd-quietschigen Digi-Blues „Work Cheap“ handelt, um den feingliedrig-hypnotischen Piano-Trance von „The Shaft“ oder die lässigen Dubstrukturen des unverschämt eingängigen „Nation of Bastards“ – stets regen sie Kopf und Körper gleichzeitig an, verführen zum Tanzen im Geist und in der Garage. Darüber hinaus darf auch auf keinen Fall die Bedeutung der DIY-Mentalität, des puren Spaßhabens und der Improvisation unter Wert verkauft werden: Diese bunte und im ewigen Auflösungs- und Aufbauprozess begriffene offene Künstlerplattform hat ganz offenbar ihre Vorbilder in den 70ern und frühen 80ern, bei Bands wie JOY DIVISION (denen mit dem dunkel vor sich hin stolpernden „Prima Luce“ ein Denkmal gesetzt wird) oder dem songorientierten BRIAN ENO (die verkiffte Traumblase „Without Delay“) , doch spricht sie durchaus eine eigene Sprache. Die enthält viele elektronische Vokabeln, die verschlungenen Satzgeflechte der Flower Power, einprägsame Slogans und vor allem viel Abwechslung – mit der abschließenden, gerade einmal zweieinhalb-minütigen Miniatur ist sogar eine sanfte Ambientauslaufrille mit dabei. Doch all das ist nur Beiwerk, denn es verblasst hinter den hier beteiligten Sängerinnen. So wie sich Melanie Gilligan scharfzüngig und verführerisch eintönig durch die Zwei-Ton-Melodien des futuristischen Manifests “I of the Law” schlängelt, wie Agnese Trocchi gelangweilt und immer gerade am Ton vorbei und Rachel Baker wackelig ihre Parolen skandieren und wie die unwiderstehliche Juliette Savon sich in den schmutzigen Höhlen der Motown-Fantasy “J’avance” räkelt, das ist schlicht brutal betörend und einzigartig obendrein. Und dann ist da ja noch Asja auf Kapri Frontfrau Anja Kirschner, die man dank ihres abwechselnd druckvoll-dominanten und einschmeichelnd-entspannten Vortrags bereits von vorigen „Difficult Fun“-Veröffentlichungen kennt.

Es ist somit schwer, sich bei der Frage des entscheidenden Elements eindeutig festzulegen, doch wenn es denn sein muss, dann sollte man folgendes festhalten: Der wahre Star von „Antifamily“ ist diese Scheibe selbst, ihre ungezwungene Art, ihre Mischung aus Quasi-Kommerzialität und Querulantentum und ihre mitreißende Spontanietät. Auch wenn man sich außerdem noch an Anderem erfreuen kann: Das gibt es nicht jeden Tag.

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