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ARCHITECTS - The Here and Now

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Architects-The-Here-And-Now.jpg
Artist ARCHITECTS
Title The Here and Now
Homepage ARCHITECTS
Label CENTURY MEDIA
Veröffentlichung 21.01.2011
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Ihr habt gehört, dass Metalcore bis zum Tode geschunden wurde und nun sechs Fuß in der Tiefe kläglich von Dannen siecht?! Die ARCHITECTS aber sag(t)en euch: Es ist noch nicht vorbei! Zwei Jahre ist’s nun her, da man mit dem mächtigen „Hollow Crown“ reformierte Chaos-Kunst direkt in das vor Stagnation erblindete Volk hinein predigte und schlagartig eine Schar sehender Jünger um sich versammeln konnte. Nun ist Sam Carter ja nicht Jesus Christus, den die Römer für seine beharrliche Linientreue ans Kreuz schlugen, und zieht es daher vor, bis zu seinem Lebensende noch ein paar Alben mit seinen Architekten einzuzimmern. Dem Tode entrinnend, präsentiert der Nachfolger „The Here and Now“ daher die zeitgemäße Flucht nach Vorn aus den metallischen Folterkammern.

Gewarnt vor dieser vergleichsweise krassen Entwicklung hin zur Melodei hatte man bereits mit der letztes Jahr veröffentlichten Single „Day In Day Out“, die nun erwartungsgemäß das Album eröffnet. Dass anstatt einer stählernen Mißhandlung, wie sie „Early Grave“ auf „Hollow Crown“ noch markierte, so ein unsperriges, ja fast konventionelles Stück in die Welt der Architekten einführt, erscheint zunächst absolut ungewöhnlich und in Anbetracht des bisherigen Schaffens beinahe unmöglich. Doch nur naive Puristen werden an dieser Stelle nicht erkennen, was für ein schönes Werk die Briten bereits an dieser Stelle vorlegen können. Während Drummer Dan Searle mit Leichtigkeit gewohnt anspruchsvoll und versiert seine Felle bearbeitet, umschmiert sein Zwillingsbruder Tom die Kniegelenke mit gemuteten Riffs und rhythmischem Balsam. Und dann fällt die Kinnlade komplett nach unten: „The years I’ve put into this“ schreit Shouter Sam Carter zu Beginn, doch erst mit Einsetzen des Refrains offenbart diese Zeile auch in Bezug auf seine eigene Entwicklung ihre volle Bedeutung. Ich mag mich irren, doch momentan gibt es wenige hauptamtliche Core-Sänger, die neben druckvollen Schrei-Vocals auch eine so starke klare Stimme an den Tag legen. Aus seiner Kehle sprechen zeitgleich Freud und Leid, Liebe und Hass, Wehmut und Optimismus. Und wir sprechen hier von ehrlichen Emotionen, in die man sich dank der schönen, ausdrucksstarken Texte ohne Peinlichkeit hinein fallen lassen kann! Das folgende „Learn to Live“ glänzt als melodisch fein ausgearbeitete, dennoch pushende Nummer, die gerade durch die plötzliche Steigerung von einem vereinenden Marsch der tausend Stimmen hin zu einem furiosen Final-Ausbruch brilliert. Live unverzichtbar! Leiden muss die Qualität also keinesfalls unter der Härtereduktion. Ganz im Gegenteil: man hat im Gegenzug den kompositorischen Gehalt mal eben maximiert – wohl auch, da man sich vermehrt an artfremden Ideen bedient hat. Dass popige Orientierung in diesem Zusammenhang nicht gleich mit Trivialität gleichzusetzen ist, zeigt das großartig träumerische, von einem leichten Beat getragene „An Open Letter to Myself“. Um den nun sicher laut werdenden Stimmen der von Ausverkauf und Verweichlichung sprechenden Alt-Anhänger entgegenzuwirken – der kompositorische Glanz überträgt sich natürlich auch auf die brettigen Stücke, die trotz der einherrauschenden Melodieflut noch immer in die Vollen prügeln. An die Kollegen BRING ME THE HORIZON scheint man beispielsweise mit dem Anfangsriff von „BTN“ gedacht zu haben, während die derbe Rotzfahne „The Blues“ und das wieder mit der altbewährten Grundvertracktheit spielende „Delete, Rewind“ melodischen Hardcore der Marke COMEBACK KID in den Pit klatschen. Passenderweise konnte man sich deren Sänger Andrew Neufeld für das einzige nicht mit cleaner Stimme versehene, äußerst straighte und mit experimentellen Breakdowns spannend gehaltene „Stay Young Forever“ an Bord holen. Für den zweiten Gast hat man sich abschließend dann wieder etwas Ausgefalleneres einfallen lassen. Im Duett mit THE DILLINGER ESCAPE PLANs Greg Puciato, der ja von Haus aus eh auf abgedrehte Sachen stehen muss, bellt sich der auf voller Albumlänge überragend gute Sam Carter durch die siebenminütige Turbulenz „Year In Year Out“ und befriedigt mit dem einladend nostalgischen Hidden Track „Up and Away“ auch noch den allerletzten Nerv.

Hatte ich nach „Hollow Crown“ im Stillen noch mit einer chaotischen Steigerung gerechnet, so beweisen mir die ARCHITECTS nun, dass sie den Mathcore-Kinderschuhen längst entwachsen sind und sich die anfängliche Hoffnung auf etwas wirklich Großes bewahrheitet hat. Mit „The Here and Now“ haben sie den mutigen Schritt zur Neuorientierung genau zum richtigen Zeitpunkt gewagt, der Szene ein weiteres Mal den dicken Gelben ins Gesicht gespuckt und ad hoc aus der eigentlich begrenzten Vorlage ein eingängiges, ausgewogenes und zugleich tiefgehendes, ehrliches, letztendlich – und das ist das Wichtigste – ziemlich eigenständiges Pflichtwerk gesponnen, das sich wohl am besten einfach nur mit dem Wort „schön“ bezeichnen lässt. Vierzig Minuten erscheinen da wie ein einziger, unvergleichlicher Moment, den man mit diesem Soundtrack im Ohr einfach nur genießen sollte!

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Architects 'The Here and Now' Tracklist
1. Day In Day Out Button MP3 bestellen
2. Learn To Live Button MP3 bestellen
3. Delete, Rewind Button MP3 bestellen
4. Btn Button MP3 bestellen
5. An Open Letter To Myself Button MP3 bestellen
6. The Blues Button MP3 bestellen
7. Red Eyes Button MP3 bestellen
8. Stay Young Forever Button MP3 bestellen
9. Heartburn Button MP3 bestellen
10. Year In Year Out / Up And Away Button MP3 bestellen
11. Day In Day Out (Big Chocolate Remix)
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