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ASTROVAMPS - Amerikan Gothick

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Astrovamps-American-Gothick.jpg
Artist ASTROVAMPS
Title Amerikan Gothick
Homepage ASTROVAMPS
Label ALICE IN...
Veröffentlichung 26.04.2004
Leserbewertung
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Zurück von den Toten: so nennt man das wohl. Das amerikanische Quartett gab’s schon mal, und zwar von 1991 bis 1995. Auf Bitten zahlreicher Fans, so will es zumindest die im Internet verbreitete Legende, rauften sich die Ausnahmemusiker Daniel Ian, Eyajo Joseph, Toe Knee und Corwin 2001 wieder zusammen. Nach der im Februar vergangenen Jahres erschienenen EP “Manifesto” kam also jetzt mit “Amerikan Gothick” das langersehnte neue Album auf den Markt, das sich wesentlich härter als seine Vorgänger präsentiert.

„Amerikan Gothick“ ist vollgepackt mit wunderbar knalligen, sehr unterschiedlichen Songs, ganze 19 Stück an der Zahl. Nach einem sehr unterhaltsamen Intro, in dem eine psychotische Mutter/ Lehrerin (da bin ich unsicher) ihre Kinderlein mit der Peitsche dazu zwingt, für sie zu singen, geht’s mit „Alice in Gothland“ so richtig los: ein prägnantes Riff, das fatal an die guten alten „Smells like teen spirit“-Zeiten erinnert, garniert mit dem mindestens ebenso markanten Texteinstieg: „I feel darkness fuck me like a whore“! Was für eine Steilvorlage. Es geht, wie sagt man so schön auf Neudeutsch, „spooky“ weiter: Kinder dürfen in den Song hinein kreischen, die Gitarren dröhnen, die Drums toben: ein echter Kracher zum Aufwärmen. Das ist der ideale Soundtrack zur Halloweenparty. Daran hängen die Vamps eine balladenlastige Nummer mit schön melodischem Refrain: „Lay the flowers on the road/ for the day of the dead“. Gelungenes Stück, abwechslungsreich gespielt, ansprechender mehrstimmiger Gesang, der Stimmung macht, ohne ins Plakative zu geraten.

Überhaupt finden sich auf „Amerikan Gothick“ einige dieser erfreulich konsequent gebauten, kompromißlosen Gothrockstücken mit unverwechselbarem, geradlinigem Charakter. „Mardi Gras Masquerade“, ein Track mit leidenschaftlichen Punkanleihen, gehört auch in diese Kategorie. Da beginnt der Tanznerv durchaus zu zucken. Das fünfte Stück, „Vampire Circus“, klingt dagegen wieder etwas nach NIRVANA, aber im Refrain mit Anleihen bei LONDON AFTER MIDNIGHT… eine reizvolle Kombination, schaurig schön und auch für diejenigen unter uns geeignet, die gerne statt zu tanzen stark den Kopf schütteln, denn gegen Ende wird dieses Lied immer härter und schneller. Da die Aggressionen an dieser Stelle also so richtig toll hoch kochen durften, legt das Album nun eine weiche, dunkle Pause ein. Eine samtige Bridge leitet „Blue Melancholy Death“ ein, eine Hymne an das Selbstmitleid. Fast wäre ich ja versucht, ketzerisch zu behaupten, daß dieser Song fast ein bißchen nach U2 auf Drogen klingt… Doch damit der Hörer ja nicht vergißt, daß es sich hier um ein Gothic-Album handelt, legt „Lament of the Undead“ jetzt noch ein wenig „Hui Buh“-Feeling nach, Totenglocken und unheilverheißender Gesang inklusive. In die gleiche Kerbe haut „Transylvania“ mit, ich geb’s ja zu, nicht gerade originellem Text: „We want your blood/ we want your flesh“. Aber hey, Kiddies, was wollt ihr mehr: Wenn ihr Mama schocken wollt, müßt ihr nur dieses Booklet in eurem Zimmer herumliegen lassen – genau so etwas hat sie schon immer befürchtet. Der passende Backgroundsong für die folgende Aussprache liefert dann auch schon das MINISTRY-Coverstück „Everyday is Halloween“: Richtig dick aufgetragene Powerchords, gepaart mit aufmüpfigem Text: „Why can´t I live my life for me?“ Das gibt dem adoleszenten Aufstand erst den richtigen Pep!

Mit „Black Dahlia“ geht es im Grunde genauso weiter, und auch die extrem metallischen Prügel-Songs „Mr. Styx“ und „Vincent Price“ hören sich vor allem dann so richtig befriedigend, wenn man in „Ich hasse alle“-Stimmung ist. „Skull love“ bringt wieder mehr die humoristische, selbstironische Komponente mit ins Geschehen ein. Ich denke ohnehin, daß eigentlich alle Songs nur mit einer Menge Augenzwinkern zu verstehen sind.

Die ASTROVAMPS sind laut, sie sind schnell und sie sind lustig. Vor allem aber haben sie ihr Handwerk gelernt. Das zeigt sich besonders, wenn sie Klänge anschlagen, die der Rezipient nicht von ihnen erwartet, so wie in „Dead lover´s blues“ – hier kann man sich so richtig genüßlich in den schleppenden, bluesigen Rhythmus hineinfallen lassen. Das passende Gitarrensolo gibt’s natürlich auch dazu: Respekt. Ohnehin legt der Schluß des Albums noch mal so richtig Kohlen ins Feuer: „Paint in Black“ ist wieder ein relativ punkiges Coverstück, im Original von den Rolling Stones: Keyboards, mystisches Gesumme, sogar strapazierte Streicher. So umgestaltet, tobt es geradezu ins Ohr. Die Live-Version von „Lady Death“ schließlich rundet „Amerikan Gothick“ ab. Dieses Album an einem Stück zu hören strengt an, aber es hinterläßt ein gutes Gefühl: man ist ausgepowert wie nach einem Dauerlauf. Das müssen andere Bands den ASTROVAMPS erst einmal nachmachen.

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Astrovamps 'Amerikan Gothick' Tracklist
1. Sodom elementary (Monologue) Button MP3 bestellen
2. Alice in Gothland Button MP3 bestellen
3. Day of the dead Button MP3 bestellen
4. Mardi gras masquerade
5. Vampire circus Button MP3 bestellen
6. Blue melancholy death Button MP3 bestellen
7. Lament of the undead (Dark Bite Version) Button MP3 bestellen
8. Transylvania (Creepy Muse Version) Button MP3 bestellen
9. Everyday is Halloween Button MP3 bestellen
10. Black dahlia Button MP3 bestellen
11. Mr. styx Button MP3 bestellen
12. Vincent price Button MP3 bestellen
13. Skull love Button MP3 bestellen
14. Ghoul parlor Button MP3 bestellen
15. Ghost parade Button MP3 bestellen
16. Boris Karloff Button MP3 bestellen
17. Dead lover's blues Button MP3 bestellen
18. Paint it black Button MP3 bestellen
19. Lady death (Live in Los Angeles) Button MP3 bestellen
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