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ATRORUM - Himmelsstürmer

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Atrorum-Himmelsstuermer.jpg
Artist ATRORUM
Title Himmelsstürmer
Homepage ATRORUM
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Warum denn nicht! Als Fabian und Jasper bei ihrer alten Band mit ihren Vorschlägen nur auf kopfschüttelndes Unverständnis stießen, beschlossen sie die Gründung einer neuen, grenzenlosen Kapelle – Alles sollte von nun an möglich sein. In ihren Köpfen stieß Furcht erregendes Gekeife auf lässigen Rock, Opernhaft-Theatralisches auf ordentlichen Tumult und kurze Songs auf ausufernde Epen. Ihr erster Auftrag: Das Verfassen der Musik für ein modernes Bühnenstück. Warum auch nicht?

Aus den gemeinsamen Stunden bei Kerzenlicht und Rotburgunder entstand eine Fülle an Material, die es DEICIDE erlauben würde, bis ins Jahr 2050 Alben zu veröffentlichen und dessen komplexes Konzept selbst Arjan Lucassen verzweifeln ließe. Obwohl: Es ist ja eigentlich kein Konzept, sondern vielmehr eine durch einen klaren roten Faden verbundene emotionale und inhaltliche Entwicklung. Diese auch nur ansatzweise zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, doch muss immerhin gesagt sein, dass das textliche Niveau ausnahmsweise mal mit den schönen Bildchen im beigelegten DIN A4-Ordner (!) Schritt halten kann. Gleiches gilt sicherlich auch für die Musik, auch wenn die Gedanken von völliger Freiheit und Chaos-Strukturen dann doch nicht eins zu eins abgebildet wurden. Stattdessen präsentieren ATRORUM einen schratigen Prog-Metal, der viel zu vertrackt und widerspenstig für die Freunde norwegischen Okkultismus daherkommt, aber ebenso die Energie von Vorfahren und Natur anzapft, sich an den Wald und seine Wesen wendet. Primitiv und progressiv zugleich schlängeln sich die Klänge wie ein schmutziger Fluss durch Stromschnellen und stille Wässer, entlang an idyllischen Orten und dunklen Oasen. In einem Moment scheuern die Gitarren und kreischt ein Dämon, dann wieder tänzeln leichtfüßig harmonische Stimmen ums prasselnde Lagerfeuer. So gekonnt all dies miteinander verknüpft wird, fehlt dem Album jedoch trotzdem der Fokus. In einem unendlichen Universum kann jede Koordinate der Mittelpunkt sein, nicht aber in einer Galaxie aus 70 Minuten. Auch das – pardon – himmelstürmende Finale „Jagdzeit“ kann trotz einiger monumentaler Momente nicht den Anschein von Kohärenz vermitteln und die losen Fäden zusammenlaufen lassen.

Dennoch eine bemerkenswerte Visitenkarte, welche hier abgegeben wird. Und gibt ja auch die, die fragen werden: Sollte man in einer zunehmend zersplitterten Welt nicht nach neuen Ordnungsprinzipien suchen? Wäre es nicht denkbar, dass dieses Werk durch bewusste Abschottung einen eigenen Kosmos bildet, der sich einen Sinnzusammenhang schafft, der nicht mit den Mitteln unser bisherigen logisch-deduktiven Methodik erschließbar ist? Wir meinen: Warum denn nicht?

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