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BEYOND SENSORY EXPERIENCE - Korrelations

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Beyond-Sensory-Korrelations.jpg
Artist BEYOND SENSORY EXPERIENCE
Title Korrelations
Homepage BEYOND SENSORY EXPERIENCE
Label OLD EUROPA CAFÉ
Leserbewertung
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Das vorliegende Werk ist schon die vierte Veröffentlichung von BEYOND SENSORY EXPERIENCE, das gemeinsame Projekt vom MZ.412-Mitglied DRAKHON mit Künsler/ Wissenschaftler K. MEIZTER, auf dem kultigen italienischen Label OLD EUROPA CAFÉ. Eigentlich handelt es sich nicht um ein Album im herkömmlichen Sinne, sondern um eine Ergänzung der 2003 auf OEC erschienenen Trilogie „Tortuna“, „Urmula“ und „Ratan“. Auf „Korrelations“ sind nämlich eine Reihe von unveröffentlichten alternativen Versionen der bedeutendsten Stücke aus den drei Alben gesammelt, sowohl Remixe vom schwedischen Duo selbst, als auch neue Interpretationen anderer Künstler ihres Bekanntenkreises. Die CD kommt in einem schlichten, netten Digipack mit einem etwas rätselhaften, mit pseudo-wissenschaftlichen Skizzen und Diagrammen verzierten Booklet. Dabei wirken die merkwürdigen und irgendwie poetischen Bildunterschriften und Rauszieher in Englisch und Latein als potentielle Auslöser einer Reihe philosophisch-wissenschaftlicher Gedankengänge.

Ob „Korrelations“ die ausgesprochene Absicht, eine Aufklärung der Trilogie darzustellen, in Erfüllung bringt, kann ich leider nicht beurteilen, da ich die drei vorigen Alben nicht kenne. Allerdings scheint mir diese Vorkentniss keine Voraussetzung zu sein, um das neue Opus genießen zu können. „Korrelations“ ist ein eigenständiges Werk, das auch alleine sehr viel anzubieten hat. Erst einmal sei gesagt: diejenigen, die eine reine Dark Ambient CD erwarten, sollten sich auf ein paar Überraschungen gefasst machen. Zwar sind die gewohnten welträumigen, in Reverb versunkenen Tonflächen, wie man sie zum Beispiel von NORDVAGR/ DRAKH kennt, auch dabei. Aber hier stehen sie nicht im Vordergrund, sondern bilden die Basis für einen viel breiteren Experimentierbereich. „Korrelations“ ist ein Album für Geräusche-Liebhaber, und es würde den Rahmen einer Rezension sprengen, die vielen Ohr-Leckerbissen aufzulisten, die von den einleitenden Klaviernoten bis zu dem fantastischen, gehirnzerreissenden Krach-Glanzstück am Ende den Weg dieses Tonabenteuers säumen. Dabei ist jedes Stück ziemlich einzigartig, und wegen der Remixe ist die Veröffentlichung durch sehr verschiedene musikalische Einflüsse geprägt, was für das Genre mehr als ungewöhnlich klingen mag… Nach einem eher minimalistischen, meditativen Anfang wird das Album mit der DOSHASKAischen Version von “Urmula” (AUTECHRE goes India samt Schlangenbeschwörer-Melodie) und mit der Gitarre, der Violine und dem Break-Beat von “Yes Satan” gar groovig. Das nach meinem Geschmack beste Stück des Albums, “Inside Erasmus’s Bed”, bereitet mit seinem fantastischen dumpfen Pochen, beunruhigenden Geräuschen und seltsamen Sprachsamples den Übergang zu einer düstereren Klangwelt, wobei jedes Lied von unerwarteten Einsätzen geschmückt wird, so dass das Gefühl der Sonderbarkeit die Oberhand über das Unheimliche gewinnt. Hier ein Trommelwirbel, da gregorianische Chorfetzen, und immer wieder diese wunderbaren kleinen Sprachsamples, die aus jedem Stück etwas Besonderes machen, und nicht zuletzt zum Gesamteindruck von Unbegreifbarkeit und Diskrepanz beitragen.

In diesem Sinne passt die Musik ausgezeichnet zu den Skizzen des Booklets: uns wird eine angeblich höchstlogische wissenschaftliche Aufklärung geliefert, die aber vor unlogischen und verrückten Elemente nur so sprudelt. Als ob man seinen treuen Komputer sezieren und statt der vermuteten perfekten Einordnung elektronischer Schaltungen, ein Miasma fauler Pflanzen und ungeborener Insekten oder einfach ein schwarzes Loch entdecken würde. Anders ausgedruckt: wie würde der Film TRON aussehen, wenn Cronenberg Regie geführt hätte… In diesem Zusammenhang wird man durch BSE (deren Philosophie sich mit der Beziehung zwischen Zahlen, Musik und das Leben befasst) mit dem Paradox der reinen Mathematik konfrontiert, eine Wissenschaft, die ein Muster kalter Logik sein sollte, jedoch auf Begriffe des Unendlichen etwa oder der irrealen Zahlen basiert, die unsere Realität entschlüsseln sollten, aber unsere Fassungskraft übersteigen, und somit der Mathematik eine unheimliche Transzendenz verleihen. Durch die Vielfältigkeit der Töne gelangt die Musik der Schweden zu einer Art Abstraktion, die dem Satz im Booklet “A scientific voyage through silent landscapes” seinen vollständigen Sinn gibt. Wie es der Name des Projekts schon verrät, spricht BEYOND SENSORY EXPERIENCE (“jenseits des Sensorischen”) unseren Geist an. Auf dem Digipack heißt es auch: “I think this darkness stuff is all in my head. I’m not paranoid and I’m sure these voices and stuff will soon be gone”. Mit „Korrelations“ ist es tatsächlich schwer zu sagen, wo die Musik aufhört und die Vorstellungskraft des Hörers beginnt. Aber ein bisschen paranoid wird man dabei schon…

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