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BLEEDING HEARTS - The Merchants of Propaganda

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Artist BLEEDING HEARTS
Title The Merchants of Propaganda
Homepage BLEEDING HEARTS
Label EIGENPRODUKTION
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Die BLEEDING HEARTS haben gerade eine kostenlose EP mit dem Titel “Böse Liebe” ins Netz gestellt und das passt. Natürlich schon deswegen, weil blutende Herzen die Folge gemeiner Mädchen sind (die fiesen Jungs lassen wir mal außer Betracht). Aber auch die Wahl der deutschen Sprache für den Titel macht Sinn im Rahmen einer Band, die wie für den deutschen Markt geschaffen scheint.

Denn neben dem irisch-englischen Heimland gibt es wohl nirgendwo sonst auf der Welt ein derart fanatisches und treues Publikum für diese Art von punkigem Folkrock. PADDY GOES TO HOLYHEAD waren eine dieser Formationen, die originaler als die Originale waren, bundesweit die Konzertsäle mit beeindruckender Regelmäßigkeit ausverkauften und so geradlinig wie rechtschaffen waren. Gerade den politischen Aspekt wird man auch bei den BLEEDING HEARTS wiederfinden und das rückt sie in noch nähere Verwandtschaft zu den LEVELLERS, mit denen sie bereits zusammen auf Tour waren. Nach den Songs von „The Merchants of Propaganda“ zu urteilen, werden sie dort wohl eher das Vorprogramm bestritten haben. In Ansätzen kann man hier zwar bereits die Vorstufe zu Größerem vermuten, doch an ihre Vorbilder reicht die Band bei weitem noch nicht heran. „Third Eye“ ist vital und frisch, legt zwischendurch einen Slow-Ska ein und spielt gekonnt mit Tempo und Dynamik, „Glad 2B alive“ beginnt als tumber Rocker, steigert sich dann zu einer wahren Hymne mit rauchender Hammond-Orgel und in den Höhepunkten „Propaganda“ und „Black Country Bomb“ laufen die Flüsse in einem kraftvollen Delta zusammen: Militaristische Blechtrommeln, zackige Fiddelstriche, rollende Riffs und, im letztgenannten Song, schöne Backingvocals. Da spürt man den jugendlichen Elan und die kompromisslose Begeisterung, diese „taking on the world“-Attitüde. In Titeln wie „Brand new state“ nähert man sich dann der NEW MODEL ARMY, allerdings ohne deren krachende Rotznäsigkeit, stupende Arroganz oder enges Zusammenspiel zu erreichen. Gerade der Beat hinkt leider etwas zu oft hinterher, verschleppt, wo es doch fließen sollte. Und einige der Stücke verharren in leidlicher Gefälligkeit. Schlimmer noch sind die Texte, die von einlullender Betroffenheitslyrik über ewige Klischees bis hin zu platten Parolen wenig Anständiges zu bieten haben. Und wenn man einen Lied wie „Wishing the World away“ wirklich im Zusammenhang mit 9/11 sehen muss, haben die Jungs freundlich gesagt einen Dachschaden („I’m in an aeroplane but I’m not here on holiday“).

Das hat der politische Ansatz im Rock natürlich immer gegen sich: Für neue Erkenntnisse eignet er sich nicht und die ollen Kamellen will man natürlich auch nicht immer wieder aufgetischt bekommen. Darum scheint es eine gute Idee zu sein, dass sich die Band auf der obengenannten EP der Sehnsucht und dem Zwischenmenschlichen zuwendet. Liebe ist schließlich auch ein Politikum.

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