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BUBEN - Furor Poetics

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Buben-Furor-Poetics.jpg
Artist BUBEN
Title Furor Poetics
Homepage BUBEN
Label NO ANGELS PROD.
Leserbewertung
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Die Veröffentlichungen des Hamburger Labels „Drone Records“ haben bereits mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass der so genannte „Osten“ in Sachen Soundscapes und Dark Ambient dabei ist, dem so genannten „Westen“ den Rang abzulaufen. Neben einer Welle an hungrigen, experimentierfreudigen und unkonventionell agierenden Künstlern entstehen parallel ebenso ambitionierte Plattenfirmen, deren Bedeutung und internationales Gewicht kontinuierlich wächst – oft zu Recht. Da darf es nicht weiter verwundern, wenn sich die beiden Entwicklungen, wie hier, gelegentlich kreuzen: Vladislav Buben, weißrussischer Radiomoderator, ehemaliges AMBASSADOR 21 Mitglied und umtriebiger Musiker trifft auf eine der profiliertesten polnischen Klangschmieden und heraus kommt dabei eines der ungewöhnlichsten Szene-Alben der letzten paar Monate.

Nein, das ist keine der üblichen journalistischen Standardformeln, die immer dann herausgekramt werden, wenn einem die Vergleichsmöglichkeiten ausgehen, sondern vielmehr eine noch eher nüchtern ausgesprochene Feststellung angesichts eines Albums, das verwirrt, verwundert und – in seinen Besten Momenten – zugleich tiefes Unbehagen und intensive Eindrücke hinterlässt. In Gegenüberstellung mit den eher direkt und beinahe schon plakativ vorwärts marschierenden Tracks ehemaliger BUBEN-Projekte muten die auf dem programmatisch betitelten „Furor Poetics“ versammelten Kompositionen beinahe schon intellektuell, auf jeden Fall aber spannend-komplex verschachtelt und über einen längeren Zeitraum ausgereift an. Grundlage und Ausgangspunkt beinahe aller Stücke sind disharmonisch ineinander verschränkte Chor- und Synthieflächen, die rhythmisch bewegt oder verstörend starr durch irre, post-industrielle Landschaften, voller zischender und züngelnder Sounds sowie zerstückelter und zorniger Beats und Loopgerüsten geistern. Lediglich in zwei eher kurzen Songs darf die Bass Drum im Viervierteltakt pulsieren, doch hängt hinter ihr noch ein Schweif an tief im Hall versteckter HiHats an, der das generelle Gefühl an Unwirklichkeit und Fremdartigkeit noch verstärkt. Abgesehen davon ist Transformation das bestimmende Thema von „Furor Poetics“ und der Prozess der Veränderung sein eigentlicher Fokus. So ähnlich diese um die sieben Minuten langen Klangwelten auch beginnen und zu so gleichartig anmutenden Ergebnissen sie kommen mögen, so unterschiedlich sind doch die Pfade, die dazwischen beschritten und die Methoden die dazu eingesetzt werden – einmal landet die Musik in einem bizarren Acid-Bad voller Säureblasen und Pilzvisionen, ein andermal verschwimmen die Stimmen zu einem immens imposanten Teppich, der unruhig vor sich hin wabert und vibriert. So formenfreudig und anregend wahnwitzig das auch sein mag, so sehr droht das Werk doch immer wieder auch an ebendiesem musikalischen Drahtseilakt zu zerbrechen.

Was die Fäden gerade noch zusammenhält, ist die durchgängig kühle, albtraumhaft-verschwommene, surreal-übersteigerte Stimmung, die einen trotz der eigentlichen Nervosität des Materials in einen Zustand der inneren Stille und Nachdenklichkeit versetzt. In sofern ist die Charakterisierung des Albums mit dem Allerweltsbegriff „Ambient“ zwar paradox, aber zugleich irgendwo zutreffend – auch wenn „Furor Poetics“ rein gar nicht zum Chill Out oder Kuscheln taugt. Obwohl wahrscheinlich nur wenige hier wirklich emotional berührt werden, unterstreicht es noch einmal den Mut „osteuropäischer“ Musiker und Labels zu komplett eigenen Wegen. Ein sperriger, monolithischer Klotz, der provoziert, polarisiert und sich nachhaltig in die Gehörgänge fräst.

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