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CHAMBER – L´ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR - Solitude

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Artist CHAMBER – L´ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR
Title Solitude
Homepage CHAMBER – L´ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR
Label FEELKLANG / TMP
Veröffentlichung 25.10.2004
Leserbewertung
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7.7/10 (6 Bewertungen)

„Solitude“ ist nach „Pleasure and Pain“ (2000), „L´orchestre de chambre noir“ (2002), „Ghost Stories & Fairy-Tales“ (2003) und „Miles Away“ (25.5.2004) das fünfte Album der Gruppe des Dunkelorchesters um den charismatischen Wiener Marcus Testory, der, wie man bei Liveauftritten erleben kann, viel netter ist als er aussieht. Daß der Charmebolzen auch eine wunderbare Stimme hat, ist live ein netter Nebeneffekt.

Die ersten CDs verkauften sich so gut, daß hoher Erwartungsdruck auf der achtköpfigen Formation lastete: Würden sie sich beweisen; würden sie in der Lage sein, wieder eine qualitativ hochwertige und zugleich kommerziell erfolgreiche Platte auf den Markt zu werfen? Vielleicht waren sie sich selber des erneuten Erfolges unsicher. Jedenfalls ließ die Band zunächst einen Testballon starten und veröffentlichte vorab ein limitiertes Fanpaket und eine limitierte 2-CD-Digipack der „Solitude“. Beides war bereits vor dem Veröffentlichungstermin von „Solitude“, dem 25. Oktober, schon so gut wie vergriffen. Das kann als gutes Omen für die Verkaufszahlen von „Solitude“ gedeutet werden. Doch rechtfertigt die musikalische Darbietung diese offensichtlich zunehmende CHAMBER-Euphorie? Um es schon an dieser Stelle ganz deutlich auszusprechen: Ja. Meiner bescheidenen Meinung nach ist es eine Schande, daß L´ÂME IMMORTELLE in den Charts sind und CHAMBER nicht. Das zeigt, was von den deutschen Charts zu halten ist.

„Solitude“ startet gelassen, fast meditativ mit „The Morning After“. Elegische Violinen begleiten Testory und Ralf Hübner, die in sich gekehrt den Text zelebrieren. Gegen Ende des Songs wird die Melodieführung fast poppig und Testory läßt zum ersten Mal auf diesem Album erahnen, welche Kraft seine tiefe, angenehme Stimme hat. Ein selbstbewußter Einstieg. Es folgt das bereits vom vorherigen Album bekannte „Miles Away“, das zunächst dunklere Klänge anschlägt. Doch das ist nicht alles, was den Song ausmacht: Die Bridge zum Refrain und auch der Refrain selber sind wunderbare Grenzgänge zwischen Pop, Rock und subtilem Pathos, das ich nur ungerne der weltschmerzverliebten Goth-Ecke zuordnen möchte. Dazu ist dieser Song eigentlich zu echt, zu wenig aufgesetzt, zu druckvoll, zu wenig verkitscht. Melancholisch, ja, aber ohne Selbstmitleids-Modus. Der dritte Track, „Torn“, ist ein unkonventionell gestricktes Stückchen, sich nur langsam entfaltend. Nach einem gefährlich stillen Einstieg rockt es überraschend heftig los. Testorys Gesang erinnert fast an die „Red Hot Chilli Peppers“. Doch hier kommen die nachdrücklich den Song vorantreibenden Violinen im Refrain sowie die feinen, auch vorsichtigen Gitarrenparts in der Strophe hinzu. Kein Song zum Mitgröhlen, dennoch ein intelligent inszeniertes Zeugnis großer Inspiration. Danach wird es mit „Desire + Ruin“ wieder kuscheliger. Ich muß gestehen, daß mir dieses Stück nach zwanzig Runden auf meinem Plattenteller nun etwas zu langsam und auch für das dargebotene Material zu lang ist. Beim ersten Anhören hat es mich noch gefesselt. Aber mir gefällt Track 5 trotzdem besser: „I Hate falling in love“ hat ein elfenhaftes Intro, das unvermittelt in einen böse groovenden, abgehackten Rhythmus umkippt. Hier klingt „Chamber“ nun metallisch und Testory zeigt, daß er auch glaubhaft den näselnden Punk geben kann. Echt „iwäll“.

Ein absolutes Highlight folgt mit „Violets for a dead girl“ direkt auf dem Fuße. Bluesig, hochmelodiös, traurig, suggestiv, schön. Dazu könnte man glatt tanzen lernen. „Moonchild“, das siebte Stück, klingt mir dagegen zu verwechselbar. Der Song ist nicht langsam, nicht schnell, nicht rockig, nicht poppig, nicht goth, nicht punk, sondern irgendwas von allem und doch ganz anders. Vielleicht lieben andere Leute diese genüßliche Ambivalenz, diese Ungreifbarkeit, ich nicht. Außerdem erinnert mich der Refrainbeginn „She´s my precious“ doch irgendwie zu sehr an einen gewissen fischessenden Filmhelden. Der einzige Lichtblick bei diesem Song ist das zum Weinen schöne Geigensolo im hinteren Teil. Die beiden nächsten Stücke, „Sweet, sweet Sleep“ und „Amorous“, sind schlicht und leidenschaftlich, stolz und gelungen, Gute-Laune-Lieder, ohne simpel zu sein. Hier werden CHAMBERs Neofolk-Einflüße deutlich. Besonders „Sweet, sweet Sleep“ könnte ich mir gut als gemeinsame Live-Performanz mit FIDDLERS GREEN vorstellen. Anschließend glänzt „Set me free“ vor allem mit einem sehnsüchtigen Mitsing-Refrain und schmerzhaft ehrlichem Text über, man hat es schon geahnt, das Ende einer Beziehung. CHAMBER behandeln das Thema unverkrampft und klischeelos. Darum gelingt der Song, darum langweilt das schon so häufig bemühte Sujet nicht.

Nach dem namensgebenden Track „Solitude“ an elfter Stelle schließt „Solitude“ traumhaft mit „Wasting my day“. Dieser Song kann schnell zum Lieblingslied werden. Testory am Meer, Möwengeschrei, Wellenplatschen, ein Klavier…. zweistimmiger Gesang im Refrain: Hach. Diese Version trägt den Nebentitel „very relaxed“ nicht unverdient. Der Blutdruck sinkt nach dem wiederholten Verabreichen von „Wasting my day“ garantiert. Überhaupt: Das ganze Album sollte es auf Rezept geben.

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Chamber - l'Orchestre de Chambre Noir 'Solitude' Tracklist
1. The morning after
2. Miles away (Album Version)
3. Torn
4. Desire and ruin
5. I hate falling in love
6. Violets for a dead girl
7. Moonchild
8. Sleep, sweet sleep
9. Amorous
10. Set me free
11. Solitude
12. Wasting my day (...very relaxed)
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