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CHANGES/ ALLERSEELEN - Men among the Ruins

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Artist CHANGES/ ALLERSEELEN
Title Men among the Ruins
Homepage CHANGES/ ALLERSEELEN
Label EWERS TONKUNST
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Die Splitveröffentlichung der beiden Neofolk-Szenegrößen aus Österreich und den USA liegt bereits ein paar Wochen zurück, sie verdient dennoch eine Würdigung. CHANGES dürfen mit ihrem charakteristischen Folk das Splitalbum beginnen. „We went to find the sun“ ist eine großartige Folkperle, in einem Anflug von Übermut würde ich glatt behaupten, dass es nichts weniger als der beste Song dieser wahren Gentlemen ist! In ihm entfaltet sich alles, was dieses Projekt ausmacht: Punktuell zweistimmiger Gesang, spartanische, aber virtuose Gitarrenbegleitung, eine starke Melodie, wunderbare Poesie und zur Mitte hin setzen dezent Streicher ein, was für CHANGES eher ungewöhnlich ist. Absolut perfekt, das Lied ist 4:20 Minuten lang und allein dafür lohnt sich der Kauf!

Wirklich großartig auch „Don Quichotte“, ein Instrumentalstück – Nicholas Tesluk zeigt uns, was für ein superber Gitarrist er ist. „The Poet“ bietet dann abermals KEINE Überraschung, und wir danken es ihnen! Langsam dürfte der CHANGES-Fan etwas ins Strudeln geraten, all ihre recht ähnlich aufgebauten Songs auseinander zu halten, sie sollten einmal live das Publikum raten lassen, was sie soeben gespielt haben. Es würden sicher lustige Ergebnisse dabei rauskommen. Nichtsdestotrotz: „The Poet“ hat das Potenzial eines „Stimmungshits“ mit einem ebenfalls schönen Text über die Einsamkeit des Dichters.

CHANGES präsentieren sich, nachdem für mein Empfinden „Orphan In The Storm“ ein bisschen zu “modern” war, momentan in absoluter Topform. Ihre drei Stücke hier sind alle ein Muss für Freunde des Projekts. Man kann sich nur darüber wundern, dass die Amerikaner immer noch recht unbekannt sind. Vielleicht bestehen da einige Berührungsängste aufgrund der ereignisreichen Vita des alten Haudegens Robert N. Taylor oder es liegt an den Labels, die aufgrund ihrer Größe nicht die weitreichendsten Verbreitungsmöglichkeiten haben. Am CHANGES-Folk liegt es definitiv nicht. Betrachtet man dieses alterwürdige Folk-Genre insgesamt, angefangen beim Folk-Rock Revival in England über die Hippie-Zeit bis heute, CHANGES wären immer noch ein Projekt mit ganz großer Strahlkraft, und man kann nur hoffen, dass sich diese Erkenntnis irgendwann einmal wird durchsetzen können.

So… und nun folgt ALLERSEELEN, Eingeweihte reiben sich die Hände, denn zugleich bedeutet es, dass nun der „unterhaltsame“ Teil des Splitalbums anfängt: ALLERSEELEN, das heißt seit einigen Jahren eine an DAF angelehnte, “tanzbare” Rhythmik und allerlei Loops, die verbunden werden mit einem sinnlich rituellen oder archaischen Flair, welches die intellektuellen Interessen und die „Magickal Mystery Tours“ ihres Schöpfers Gerhard widerspiegelt (nachzulesen in den eine “Neofolk-Generation” prägenden AORTA-Heftchen). Früher, als ALLERSEELEN noch völlig anders klangen, nannte der Schöpfer seine Musik „Technosophische Tonkunst“, der Begriff sollte den hermetischen Punkt, auf dem sich Archaik und Moderne treffen, widerspiegeln, und eigentlich trifft dies auf heutige ALLERSEELEN nach wie vor zu, obgleich der Schöpfer derzeit eigentlich ebenso treffende Bezeichnungen wie „Krautpop“ vorzieht. Ein bisschen sind ALLERSEELEN so etwas wie eine Antwort auf PSYCHIC TV, geboren aus einem Konservativ-Revolutionären Geist heraus. So eine Charakterisierung wäre aber unvollständig, würde man nicht auf den beträchtlich hohen „Nerd-Faktor“ (zu deutsch: intellektuelle, verschrobene Einzelkämpfer und Sonderlinge), der in seiner Musik zum Tragen kommt, hinweisen. Dieser „Nerd-Faktor“ ist immer Stärke und Schwäche von ALLERSEELEN zugleich: Stärke, weil die Musik so unvergleichlich anderen gegenüber ist und weil sie so ungeheuer authentisch wirkt. Tatsächlich ist dem Musikpfad neuerer ALLERSEELEN bisher niemand gefolgt, GERHARD ist ganz allein und er schreitet, zwar vielleicht manchmal so, dass man sich hervorragend drüber lustig machen kann, aber immer mit der “Sehnsucht Adlertrotz” und voller Liebe, “Blut und Geist” (AIN SOPH) voran. ALLERSEELENs „Schwäche“ ergibt sich ebenso zwingend, man kann das nur in einem Bild beschreiben: Die Musik ist tanzbar, aber Nerds können ja gar nicht tanzen! Das macht ALLERSEELEN so skurril und immer ehrlich, auf fast schon exhibitionistische Weise.

Auf „Men among the Ruins“ bieten ALLERSEELEN drei sehr kraftvolle, typische Lieder, zwei davon mit weiblicher Unterstützung einer Russin (oder Bulgarin?) namens DRYNWHYL, die auch bei SVARROGH und sogar bei KATATONIA beteiligt ist. Der Kenner weiß: ALLERSEELEN und ein zusätzliches, weibliches Element, das klappte in der Vergangenheit immer ganz gut, speziell auf der so besonderen „Canco De Somni“-Single. Hier, bei den beiden Stücken „Serdtse“ („Heart“) und „Svyatoe Vino“ („Sacred Wine“) funktioniert das ebenfalls, obgleich DRYNWHYL eher wie eine Nachrichtensprecherin (russisch) spricht als singt. Gibt es in Russland nicht diese Nachrichtensendung, bei der sich die Sprecherin während sie die Nachrichten abliest, auszieht? ALLERSEELEN könnten das gut musikalisch untermalen, aber vielleicht sind sie auch zu metaphysisch-tief und dionysisch für so eine abendliche Berieselung? Besonders „Serdtse“ überzeugt durch Geigen und Klavierloops und gesampelte (Black Metal?) E-Gitarren-Klänge. (Könnte bei BURZUM stibitzt sein, lässt sich aber nicht bestimmen.) Über all das ist dann ein simpler Elektro-Beat gelegt.

„Kapli Krasivogo Vremeni“ („Drops Of Beautiful Time“) ist ALLERSEELEN allein, typische Maschinengewehr-Rhythmik, geheimnisvolle Loops und Gerhard rapt einen wunderbaren Text auf alpendeutsch zum Thema „Zeit“ dazu, der von YUKIO MISHIMA inspiriert ist. Einfach liebenswert.

Nach dem Hören von „Men Among The Ruins“ ist man ganz euphorisch: CHANGES sind sowieso exzellent, und nachdem man ALLERSEELEN durchlebt hat, möchte man gen Wien rufen: Lass Dich nicht beirren, mach weiter in Deinem stillen Kämmerlein Deine seltsame Musik. Die nächsten tausend Jahre werden unsere sein! Die Veröffentlichung ist nur knapp eine halbe Stunde lang, aber das ist egal. Jede Sekunde lohnt sich. Absolut erwähnens- und lobenswert noch die Covergestaltung des Malers Harold Mcneill, der auch hinter dem interessanten, sehr alten „faschistischen“ Projekt REPUBLIC steckte (Die Single „Freedom Through Ability“ veröffentlichte bzw. restaurierte MICHAEL MOYNIHAN über sein STORM-Label Mitte der Neunziger) und auch “totalitäre Kunst” für den LAIBACH-NSK-Staat designte. Im famosen SHOCKTILT-Magazin wird er, seltsamerweise ohne dass der bürgerliche Name oder REPUBLIC genannt wird zu seinem anderen, sehr obskuren 80er Jahre Industrial Projekt HG. WELLS interviewt (sehr interessant).

Das auf dem Splitalbum benutzte Bild kennt man bereits als Cover der englischen, auch von MICHAEL MOYNIHAN verlegten, Ausgabe von JULIUS EVOLAs „Menschen inmitten von Ruinen“ (gemeint ist die Sonderedition auf DOMINION PRESS. Das Buch gibt es aber auch auf Deutsch), wodurch auch der Titel dieses, vom russischen Label EWERS TONKUNST verlegten Splitalbum geklärt sein dürfte.

Nach langer, langer Zeit mal wieder ein Album, das den Geist alter STORM- und CTHULHU-Veröffentlichungen atmet. Ein absolutes Muss für jeden Neofolker, der weiß, was er hört und der neben den beiden Projekten auch „Fan“ solcher Künstler wie BLOOD AXIS, MENTAL MEASURETECH, ACTUS, SCIVIAS, ANDREW KING oder TURBUND STURMWERK ist.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung von www.Nonpop.de

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