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COPILOT - Kleinstadtgeschichten

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Copilot-Kleinstadtgeschichten.jpg
Artist COPILOT
Title Kleinstadtgeschichten
Homepage COPILOT
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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8.1/10 (7 Bewertungen)

Guten Tag und herzlich willkommen an Bord des Terrorverlags. Mein Name steht recht weit unten auf dieser Seite und ich bin heute ihr Rezensent. Unterstützt werde ich dabei von Christoph (Gitarre), Kevin (Gitarre und Gesang), Tim (Bass) und Nico (Schlagzeug) in ihrer Funktion als COPILOTen. Bringen Sie nun bitte ihre Sitze in eine aufrechte Position und drehen sie ihre Musikboxen auf, so dass wir direkt mit unserer Reise durch die „Kleinstadtgeschichten“ starten können. Ich wünsche ihnen ein angenehmes Lesen. Die Notausgänge befinden sich übrigens erst am Ende der Rezension.

COPILOT führen einen mit „Zufallsgedicht“ zum Start auf die Rollbahn, dessen Indie-Gitarren direkt für den nötigen Auftrieb sorgen, um dank der Punk-Schubkraft den Boden zu verlassen. Doch locker-leicht dahinschweben und den Ernst des Lebens zurücklassen ist nicht – dafür sorgt der im Sprachgesang vorgetragene deutsche Text über Verzweiflung und Unsicherheit. Damit haben wir dann auch schon die grundlegenden Charakteristika vom Sound der COPILOTen zusammengetragen: ein stabiles Punkgerüst, was mit gelegentlichen Indie-Riffs und gefühlvollen Melodien aufgelockert wird, deutscher Sprachgesang und Texte aus dem (nicht immer leichten) Leben. Letzteres überrascht vor allem dadurch positiv, dass sie erstaunlich reif wirken und man nicht einfach wie so oft irgendwelche hohlen Parolen nachblökt oder sich oberflächlich über Staat und Schule beschwert, wie man es von vier Siebzehnjährigen vielleicht befürchtet könnte. Denn genau so jung ist das Quartett aus Enger (nähe Bielefeld), dem man allerdings weder das Alter noch das bis jetzt gerade mal gut einjährige Bandbestehen negativ anmerkt. Denn auch beim zweiten Titel „Ankunft: Ostbahnhof“ wirken Sound, Struktur und Text sehr durchdacht und selbstbewusst – Merkmale dafür, dass die Jungs hier mit Überzeugung dabei sind. Überzeugend ist auch das Talent, eine wirklich träumerische Klangwirkung zu erzielen, so wie unter anderem bei dem schönen Gitarrenparts in „Zuhause, deine Front“, dabei aber gleichzeitig durch die oft gesellschaftskritischen Texte aufzurütteln. Ebenso hat man aber auch nicht im geringsten Schwierigkeiten damit, das kleine Punk-Einmaleins vorwärts und rückwärts runter zu rattern, wie nicht nur „das Hinckley Motiv“ beweist und so auch eine Affinität zum Tanzbaren offenbart. Besonders gut gelingt die Fusion von den genannten Punkten bei „3000 km“, dem noch zwei weitere Kompositionen folgen, die das Leistungsniveau während der Gesamtspielzeit von 20 Minuten auch weiterhin auf gutem Kurs halten. Einen Absturz findet man hier bei keinem der sieben vom COPILOTen kontrollierten Klangwerke. Allein der Sprachgesang ist dabei eventuell nicht jedermanns Sache. Stimmlich manchmal leicht im Ansatz an Campino erinnernd wirkt es oft so, als würde ein Text zu einem bereits fertigen Song lediglich vorgelesen; beides verschmilzt nicht wirklich völlig miteinander. Doch nach einer kleinen Gewöhnungsphase trägt es immer mehr zum Charme des Liedgutes bei und sorgt außerdem für die gewisse Rotzigkeit, die es einfach für ordentlichen Punk bedarf.

Den liefern die vier Engeraner auf „Kleinstadtgeschichten“ ohne Frage – und das mit wirklich angenehm anspruchsvollen deutschen Texten, schönen Melodien und einem rundum souveränen Auftreten. Auch wenn man das Steuer nun erst seit gut einem Jahr gemeinsam in die Hand genommen hat, strahlt der COPILOT absolute Sicherheit aus und lässt keine Zweifel über sein Können aufkommen. Der Silberling kommt in einer liebevoll gestalteten Aufmachung daher und ist auch wegen seiner guten Produktion an alle Passagiere in der Punk-Class auf den ernsthafteren Plätzen zu empfehlen. Darum möchte ich mich auch an dieser Stelle nun verabschieden. Vielen Dank, dass Sie diese Rezension gelesen haben, wir hoffen, Sie schon möglichst bald wieder an Bord des Terrorverlags begrüßen zu dürfen. Ich übergebe hiermit an den COPILOTen.

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