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CREATING.PARADISE - Killing Dreams

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Artist CREATING.PARADISE
Title Killing Dreams
Homepage CREATING.PARADISE
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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5.0/10 (6 Bewertungen)

Ehrlich gesagt finde ich es verdammt mutig und selbstbewusst von Björn Mühlnickel und Björn Honert, dem Schreiber dieses Artikels noch mal eine ihrer CDs zum Rezensieren zuzusenden. Seine Kritik zu ihrer letzten Promo „Selected Paradise 2“ war doch nicht ganz so freundlich ausgefallen. Um so erfreulicher ist es, dass das neueste Werk des „Hamburgisch-Bremischen“ Duos, bestehend eben aus den beiden Björns, wesentlich besser ausgefallen ist. In punkto Melodien, Arrangements, Samples, Musikalität, Rhythmik, Programmierung und Abwechslung hat sich einiges zum Positiven gewendet. Auch die gesamte Präsentation ist professionell und sogar besser als bei manch etabliertem Label, Vertrieb oder Promoter. Die CD kommt mit edlem, schlichtem Artwork in einem Jewelcase daher. Der Rundling selbst ist bis auf den Aufdruck komplett in schwarz gehalten (auch die Rückseite), so etwas gab es bisher nur bei der genialen „Futureperfect“ von VNV zu sehen.

Das Projekt besteht in seiner heutigen Form seit 1997. Björn Honert ist für Gesang, Texte sowie Editing zuständig und Mastermind Björn Mühlnickel für die Programmierung und Texte. Bisher haben sie 6 (!) Promos, Alben und MCDs in Eigenproduktion aufgenommen und konnten mit einem passablen 47. Platz beim Battle of the Bands vom SONIC SEDUCER schon einen kleinen Erfolg einfahren. Musikalisch lassen sich C.P irgendwo zwischen ruhigem EBM und Synthie-Elektropop verorten.

Die erste Hälfte des 7 Tracks umfassenden Minialbums „Killing Dreams“ ist leider immer noch etwas langweilig ausgefallen, wobei die Songstrukturen bei weitem nicht mehr so verfrickelt und verschachtelt sind wie beim Promo-Vorgänger „Creating Paradise 2“ (der König der elektronischen Frickelei Daniel Myer lässt schön Grüßen). Insgesamt sind diese Tracks aber wesentlich besser, eingängiger und spannender als das ältere Material. In der zweiten Hälfte der Scheibe zeigen dann die beiden Björns, dass sie auch richtig gute Songs produzieren können. Als Erstes fallen da die beiden Schlussnummern „All the time in the world“ und „Sleeping in concrete“ ins Auge bzw. Ohr des Hörers. Beide sehr ruhig und entspannend geschrieben, zeichnen sie sich durch sehr schöne Melodien und passablen, melancholischen Gesang von Herrn Honert aus (er hat anscheinend sehr an seiner Stimme gearbeitet!).

Das beste Stück Elektronik ist aber die 5. Nummer namens „Legaslov“. Ein Instrumental mit zahlreichen Soundsamples aus Dokumentationen über die Katastrophe von Chernobyl. 1986 explodierte in der Ukrainischen Sowjet Republik (damals Teil der UdSSR) ein Atomreaktor und löste den bis dahin „Größten Anzunehmenden Unfall“ (GAU) in der Geschichte der zivil genutzten Atomkraft aus. Durch die unkontrollierte Fusion wurde massive Strahlung freigesetzt, die sich über halb Europa verbreitet, weite Teile der Ukraine auf Jahrtausende unbewohnbar verseuchte und tausende Menschen einem fürchterlichen, langsamen und quälenden Strahlentod aussetzte. Dieser sehr tanzbare und cluborientierte Track „Legaslov“ ist gespickt mit Sprachsamples aus der ZDF-Reihe „100 Deutsche Jahre“ des Historikers Dr. Guido Knopp, der sich in dem Beitrag zum Jahr 1986 mit dem Thema auseinandersetzt. Populär-Geschichte der besseren Sorte, die man mehrmals jährlich auf Phönix in Wiederholungen sehen kann.

CREATING.PARADISE sind mit ihrer neuesten Veröffentlichung „Killing Dreams“ auf dem richtigen Weg. Insgesamt handelt es sich um hörenswertes Material mit einem richtigen Hit. Was will man mehr? Weitere Informationen zum Projekt und den beiden Björns bekommt ihr auf ihrer Homepage. Erscheinen wird die CD am 22. November 2004 und man kann sie ebenfalls über die HP der Hanseaten beziehen. Da bleibt dem Schreiber dieser Zeilen nur noch auszurufen: Weiter so Jungs!

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