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CROSSFAITH - The Artificial Theory for the Dramatic Beauty

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Artist CROSSFAITH
Title The Artificial Theory for the Dramatic Beauty
Homepage CROSSFAITH
Label GAN-SHIN
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Trancecore aus Japan – ich muss gestehen: darauf habe ich persönlich insgeheim immer gewartet; kein Witz! Dass im Land der aufgehenden Sonne oft und gerne elektronische Musik fabriziert wird, dürfte nicht nur Anime-Fans bekannt sein. Doch längst wird es Zeit, dass man dort verstärkt den Beweis antritt, nicht nur Pokémon-Gedudel und Nintendo-Hymnen komponieren zu können. Formationen wie unter anderem DIR EN GREY gehen da in Sachen metallischer Musik mit gutem Beispiel voran; doch nun ist es auch Zeit, dass ein coriger Vertreter der Sonne über die großen Teiche folgt und auf unsere Lande strahlt. Als Support von CALIBAN oder RAGING SPEEDHORN dem einen oder anderen vielleicht schon begegnet, veröffentlichen CROSSFAITH aus Osaka nun auch bei uns ihr Debüt, welches seit 2009 bereits in ihrer Heimat zu kaufen ist.

Mit dem Intro “If you want to wake up?” beweist der Fünfer dann auch gleich, dass er das Handwerk des Tastendrückens und Reglerdrehens versteht. Es wummert träumerisch und kräftig synthetisch aus den Boxen, was auch zu Beginn des zweiten Songs “Mirror” noch kurz in ähnlicher Weise beibehalten wird. Dieser aber schlägt dann gehörig in handgemachte Musik um und drückt HEAVEN SHALL BURNsche Riffuntermalung mitsamt feinstem Schreigesang und Double Bass-Gewitter durchs Trommelfell. Dabei klingt man mal eben so gar nicht klischeehaft japanisch, sondern zielt deutlich in Richtung der (früheren) ENTER SHIKARIs oder HELIAs dieser Welt, baut noch nette Breakdowns und Crewshout-Parts ein und unterstreicht das ganze natürlich mit trancigen Elementen. Nicht neu, nicht originell, doch treibt und groovt wie Hölle. Beim folgenden “Blue” nutzt man die gleichen Rezeptur, drosselt allerdings etwas (!) das Tempo und baut dafür wirre Elektro-Passagen ein, die für manche Rezipienten bei den ersten Hördurchgängen vielleicht etwas schwerer zu verdauen sind, die japanischen Musikwurzeln aber herrlich mit einfließen lässt und die Truppe damit (natürlich nicht wesentlich aber zumindest ein wenig!) von ihren Genre-Mitstreitern abhebt. Das ganze wirkt dadurch hektisch und wild, wird aber durch knackige Breaks, fiese Growls, nettes Ein- bzw Ausfaden und soliden Instrumenten-Einsatz gekonnt gezähmt. Im Anschluss befindet sich mit “Fiction in hope” ein typischer Metalcore-Songs auf dem Rundling wieder, welcher zeigt, dass das Quintett nicht zwangsläufig mit den synthetischen Klängen abzulenken versucht. Hier dominieren der Saiten- und Schlagwerkeinsatz, wenngleich die programmierten Sounds selbstverständlich nicht ganz außen vorgelassen werden. Quasi als Gegenstück dazu gibt es ein entsprechend als “Interlude” betiteltes elektronisches Zwischenspiel, mit welchem man noch einmal Luft holt für “Voices”. Das Stück startet mit recht verspielten Klängen, legt dann aber abermals in astreiner Metalcore-Manier los und stellt vor allem die feinen kehligen Shouts von Vokalist Kenta Koie heraus, der ebenso mit ordentlichen Growls dienen kann. Der so erzeugte Facettenreichtum genügt, um auf cleane Vocals während der insgesamt acht Kompositionen eigentlich gut verzichten zu können, welcher das Liedgut dann auch schnell überladen könnte. Trotzdem greift man kurz vor Tores-Schluss bei “K” noch auf jenen Klargesang zurück. Mit Spracheinleitung geht es rein in eine Nummer, die von der Verbissenheit vor allem im Bereich der Shouts ein wenig an AS I LAY DYINGs “Frail Words Collapse”-Zeiten erinnert und zum Ende hin dann noch KILLSWITCH ENGAGE-Riffing oben drauf packt. In Sachen Gesang glänzt der gute Herr Koie dann nicht so wirklich, es reicht allerdings, um der Nummer den melancholischen Touch zu verpassen, den man beabsichtigt. Zum Abschluss bettet einen das wundervolle Instrumental “Chemicarium” noch in seichte Chillout-Klängen, die so auch aus der Feder von AMBITUS hätte stammen können.

So veröffentlichen CROSSFAITH nun also auch bei uns die 25einhalb Minuten ihres Debüts, das souverän alle Kriterien des Trancecore-Genres erfüllt. Manche lieben es, manche hassen es: für sich genommen ist es ein guter Erstling, der nichts Besonderes bietet, sich aber auch nicht zu verstecken braucht. Das Ding ist einfach, dass die Jungs mit ihrer – ich nenne es einfach mal “westlichen” – Interpretation” des Stils auf “The Artificial Theory for the Dramatic Beauty” im fernen Osten schwer angesagt sind, da man sie so dort eher weniger kennt. Nun veröffentlicht das Quintett aber sein Werk auch in den Ländern, in denen man diese Art und Weise des Trance- bzw. Metalcores schon kennt, das Ganze also nichts “außergewöhnliches” mehr ist. Hier gehen die Stücke der Jungs in der Masse leider wesentlich schneller unter. Lässt man bei dem Folgewerk noch ein wenig (!) mehr die japanische Elektrokultur durchscheinen, ohne dabei im Kitsch zu enden, dann könnten sich CROSSFAITH vielleicht in beiden Himmelsrichtung in ihrer Nische ziemlich breit machen.

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