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CULT OF LUNA & JULIE CHRISTMAS - Mariner

VN:F [1.9.22_1171]
Cult of Luna
Artist CULT OF LUNA & JULIE CHRISTMAS
Title Mariner
Homepage CULT OF LUNA & JULIE CHRISTMAS
Label INDIE RECORDINGS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

Die Schweden CULT OF LUNA muss ich wohl an dieser Stelle niemandem mehr vorstellen. Etwas anders verhält es sich möglicherweise mit der New Yorkerin JULIE CHRISTMAS, die, abgesehen von zwei Soloalben, ihre Stimme zuvor schon Bands wie MADE OUT OF BABIES oder BATTLE OF MICE geliehen und sich dadurch in einschlägigen Kreisen einen Namen gemacht hat. Mit dieser Dame nun haben sich die Post-Metal-Götter aus Umea für ihr mittlerweile achtes Album „Mariner“ zusammen getan.

Tatsächlich fällt es schwer, die passenden Worte für die atmosphärische Dichte und die Breite im Sound zu finden, in denen diese Kollaboration resultiert. „Mariner“ verknüpft die harsche Ästhetik des Post Hardcore mit oftmals beinahe poppig anmutendem Wohlklang und erzeugt dadurch eine verstörende, mitunter hysterische Spannung. Der geneigte Hörer wird auf eine Reise in die Weiten des Universums geschickt, die ihn mit einer derartigen Fülle an Eindrücken erfüllt, dass sämtliche Sinne unter der Last zusammen zu brechen drohen (und das ist ausschließlich positiv gemeint). „Maybe the answer is to be found above“ sagt die Band selbst über das Album und das Gefühl der Leere nach dem betont schroffen und sperrigen Vorgänger „Vertikal“. Der Opener „A Greater Call“ handelt von diesem Gefühl und der Suche nach neuen Ufern, jenseits von Raum, Zeit und den ausgetretenen Pfaden. JULIE CHRISTMAS ist wohl eines dieser neuen Ufer, wie sie diesen im Grunde relativ typischen CULT OF LUNA-Track (langsamer, einlullender Beginn, wie aus dem Nichts empor schießende Riffwände, roher Schreigesang) mit ihrer Stimme und einer angenehm zurückgenommenen Melodie veredelt und die scharfen Kanten des Songs dadurch in gewisser Weise abrundet. CULT OF LUNA wären jedoch nicht sie selbst, wenn sie sich mit einem solchen, dann doch relativ durchsichtigen, Klangkonzept zufrieden gäben. Und so zeigt sich in der Folge, dass die klassische Rollenverteilung im Kosmos von „Mariner“ nicht gilt. Wenn der weibliche Gesang in ein heiseres Kreischen übergeht und seinerseits das Wahnhafte der Musik ins schier Unendliche steigert, wie in „The Wreck of S.S. Needle“, ist es oft gerade die Monotonie einer brutalen Doom-Gitarrenwand, die für Beruhigung sorgt. Diese Flexibilität in der Wahl der Mittel und die Variablität der Stimme von Mrs. Christmas zwischen Trip-Hop-Melodie und Noise-Geschrei gibt der Band selbst die Möglichkeit, ihre instrumentalen Elegien, die (wie immer) wunderbar subtil auf der zweiten bis drölften Wahrnehmungsebene stattfinden, noch konsequenter, und damit gleichzeitig songdienlicher, auszuleben. Der letzte Song „Cygnus“ ist das beste Beispiel dafür und vereint alle Elemente des Albums in sich.

Das sich bis ins schier Unfassbare hinein steigernde Schlussriff dieses Epos mag dann auch als Gesamtfazit zu „Mariner“ dienen, einem Album, das dich wahlweise umarmt oder erwürgt. Oder beides gleichzeitig, ganz nach Bedarf. Wahrhaft große Kunst.

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