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DEMENZ DURCH ALLTAG - Virtual Relations

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Artist DEMENZ DURCH ALLTAG
Title Virtual Relations
Homepage DEMENZ DURCH ALLTAG
Label EIGENPRODUKTION
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Vielleicht muss man solche Musik machen, wenn man in der Salvator Allende-Straße wohnt? Der gute Mann wurde ja am 11. September (sic!) ermordet und damit brutalst möglich von seinem Amt als chilenischer Präsident entbunden. Mit dem Begriff „brutal“ kann man dann auch eine schöne Überleitung stricken, die uns nach Bremen führt, in den Kosmos eines Duos namens DEMENZ DURCH ALLTAG. Was wäre meine Welt doch eine kleine, wenn man nicht diese vielen interessanten Projekte im Internet entdecken würde? Leider haben die Herren Rohlfs (auch bei REVERSAL PENETRATIONS) und Knake keine eigene Page, so weit ich das eruieren konnte. Jedenfalls veröffentlichte man bereits 1997 ein erstes Demo, gefolgt von 2 Eigenproduktionen, die mir freundlicherweise gleich beide zur Verfügung gestellt wurden. In dieser Rezi möchte ich mich auf das aktuellere Werk „Virtual Relations“ aus dem Jahre 2002 konzentrieren, welches uns 8 Tracks bei einer Spielzeit von knapp über 30 Minuten bietet.

„Brachial-Noise-Pop“ nennen es die Protagonisten selber, die ersten beiden Teilbegriffe kann ich unterschreiben, Pop ist hier allerdings nicht enthalten. Es regiert eine Mischung aus DAF-Gestus, Hardcore und solchen Kapellen wie PITCHSHIFTER oder SKINNY PUPPY. 2 Bässe, Gesang und Samples, mehr braucht es nicht, um der Welt ihre Hässlichkeit zu zeigen. Zu den verzerrten, meistenteils gebrüllten Vocals gesellen sich tonnenschwere Bassläufe, welche an Maschinen erinnern, die schwermütig ihren immergleichen Dienst erfüllen. Monotonie im Alltag gekreuzt mit Aggression und Gesellschaftskritik, wenn etwa gegen Tierversuche angegangen wird. Die einzelnen Stücke unterscheiden sich nicht sonderlich, hier zählt eher das molochartige Gesamtkonzept, welche den paarungswilligen Hörer locker in seinen Bann ziehen kann. Wenngleich nicht atonal oder unrhythmisch möchte ich diesen Sound allerdings auch nicht den ganzen Tag um die Ohren haben, dafür ist er zu aufwühlend. Neben den Eigenkreationen ist übrigens auch eine gelungene Interpretation eines Dirk Ivens-Klassikers enthalten: „Eye of the Past“ von dessen Projekt DIVE.

Der VR-Vorgänger „Mind Mixing Machine“ – 1999/ 4 Stücke – besitzt keine grundlegend andere Herangehensweise, ist vielleicht nur noch etwas roher, was sich an dem wahnwitzigen Geschrei ablesen lässt. Man sollte aber in jedem Fall auch noch auf die visuelle Seite von DEMENZ DURCH ALLTAG eingehen, denn für ein Projekt dieser Größenordnung wurden hier doch enorme Anstrengungen unternommen. Viele Stücke werden nämlich von Quick Time-Video Clips begleitet, welche bei Livedarbietungen den optischen Hintergrund bilden. Ganz im Geiste der Songs verstörend bis enervierend.

Ein interessantes, innovatives und aggressives Projekt, welches ich sehr gerne mal live erleben möchte und von dem ich hoffe, dass in den vergangenen Jahren schon neues Material entstanden ist, welche die künstlerischen Ambitionen vielleicht noch einen Tick mehr auf den Punkt bringt. Vielleicht muss man solche Musik machen, weil die Gesellschaft es verlangt?

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