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DER EREMIT - das

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Artist DER EREMIT
Title das
Homepage DER EREMIT
Label THUNDERDOME
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Das was? Für allzu eindeutige oder offensichtliche Botschaften waren DER EREMIT ja noch nie zu haben, gaben dem Hörer lieber etwas zu Denken als Parolen auf den Weg. An denen durften die Freunde der eidgenössischen Institution (die nächstes Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiern wird) dann geschlagene drei Jahre kauen, denn abgesehen von der auf diesen Seiten lobend besprochenen Remix-Zusammenstellung „Besserwisser“ blieb es um Gians Männer verdächtig ruhig. Immerhin drangen regelmäßig kurze Signale aus der Klausur: Man arbeitete hart an einem neuen Klang, an der Integration von akustischen Instrumenten, an einem weiteren Konzeptalbum.

Und wahrhaftig hat sich die Formation nicht im letzten Moment aus der Affäre zu ziehen versucht und den eingeschlagenen Pfad mutig bis zum Ziel verfolgt. „das“ beschäftigt sich mit „seelischen Ausnahmesituationen, seien sie spiritueller oder pathologischer natur“, fährt Cello, Tabla und Föte auf und gibt sich mit einem knochentrockenen und nackten Sound offen und verletzlich. Das mag neben der soundsovielsten ProgRock Inkarnation nicht unbedingt als eine neue Offenbarung oder der Gipfel der Ausgefallenheit gelten, doch muss man der Band absoluten Respekt ob der eigenwilligen Zusammenfügung der Komponenten und des entschlossenen Schritts vorwärts zollen. Zudem handelt es sich bei dem Werk um eines der wenigen Alben, bei denen Musik und Texte wirklich gleichberechtigt auf einer Ebene stehen – da dürfen MARILLION und YES-Fans noch so laut protestieren. Immer eine Ebene tiefer soll es gehen, in das Überdenken des Denkapparats. Schon „Sturmauge“ macht diesen Anspruch unmissverständlich klar: „All diese Dinge sind nur dazu da, zu versteh’n/ Und wurden Dir nicht Augen geschenkt um zu seh’n?“. Der Vortrag bewegt sich an der Grenze zur Hysterie, doch die Band rockt entspannt – ein durchaus ungewöhnlicher CrossOver. Sicherlich wird man eher unter Freunden der harten Töne zu Ansehen gelangen, doch in den warmen Bassläufen von „Neue Sonne“, den tiefgelegten Harmoniegesängen von „lu“ und den Anklängen zu THOMAS D’s „Lola Rennt“-Beitrag in „Ozean“ wird stets der offene Horizont und der freie Geist erkennbar, der das gefühlsmäßige Zentrum und Gehirn hinter DER EREMIT bildet. Empathie und Intellekt verbinden sich aufs Genüsslichste in dem krachenden Moment überirdischer Sehnsucht „Die Wahrheit“ und dem an RAMMSTEIN gemahnenden „Hippiekacke“, das zum Schluß direkt aus der Waschmaschine geschleudert kommt. Danach wird es anstrengend. 15 Stücke in 65 Minuten sind ohnehin schon schwer verdaulich, doch wenn sich dann noch die längsten Beiträge im letzten Drittel verbergen und der Gruppe kompositorisch die Luft auszugehen droht, wird die Angelegenheit haarig. In den Keller sinkt das Niveau allerdings nie und man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass hier so mancher Track ein paar Hördurchläufe benötigt.

Das Mysterium um den Albumnamen löst sich auch nicht im Titelstück auf, einer sanften Meditation über lang ausdröhnenden Gitarren und mystisch-orientalischen Toms. Schließlich löst sich alles im transzendenten Weihrauch auf und vielleicht steckt die Lösung in den letzten beiden Zeilen versteckt, die wie nur im ersten Augenblick wie ein Schelmenstreich erscheinen: „Eine Tasse Tee? Ja, gerne!“. Daran beisst man sich gerne drei weitere Jahre die Zähne aus.

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