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DESIRE - Locus Horrendus

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Desire-Locus.jpg
Artist DESIRE
Title Locus Horrendus
Homepage DESIRE
Label TWO FAT MEN
Veröffentlichung 28.06.2004
Leserbewertung
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1.0/10 (1 Bewertungen)

Man sieht die Freudentränen bereits fließen: Dies ist das Werk, auf das Doom-Fans weltweit seit Jahren gewartet haben! Eine in elf Kapitel untergliederte, 70-minütige Exkursion an die dunkelste Nacht der einsamen Seele, an eine Zone, in der das Leben nur ein Traum auf dem Weg zum Tod ist, an einen fürchterlichen und furchtsamen Ort. Das Einlegen der CD gibt den Blick auf eine gewaltige Pforte frei, das Betätigen des Play-Knopfs entspricht dem Umdrehen des Schlüssels und wer noch eine Stärkung benötigt, sollte spätestens jetzt zugreifen, ehe das Brot verfault, der Wein zu dickflüssigem Blut gerinnt und sich kriechend-krabbelndes Ungeziefer aus Ecken und Löchern in der Wand gierig auf Pralinen und Käse stürzt.

Vier Jahre vergingen zwischen dem letzten Lebenszeichen der portugiesischen Formation und diesem Album und inzwischen ziemlich genau drei weitere, ehe es nun einen funktionsfähigen Vertrieb und seinen Weg zu den gierigen Jüngern des Unheils und der Trauer gefunden hat – tatsächlich wurde „Locus Horrendus“ bereits im Mai 2001 aufgenommen und im selben Jahre in den Finnvox Studios durch die Hand von Mika Jussila abgemischt, der zwar namentlich auf einem kleinen Aufkleber auf dem Cover erwähnt wird, dessen Beitrag aber sicherlich geringer ausfällt als derjenige der beiden Tontechniker Rui Lisboa und Nuno Pires: Im fahlen Glanz des Mondes erstrahlt die Scheibe, niemals verkitscht im endlosen Hall altehrwürdiger Gemäuer, niemals zu grob in der bedrückenden Enge unterirdischer Katakomben und sogar die vom Keyboard stammenden Streicher bewahren sich eine prachtvolle Aura, statt nach altbackenem Plastik zu riechen. Die Kompositionen erdrücken einen beinahe mit ihren epischen Ausmaßen und der lyrischen Tiefe, bedienen sich zwar der typischen Genreelemente, überdehnen diese aber auf beinahe absurdistische Weise: Minutenlang treiben Bass und Gitarre schläfrig dahin, während das Schlagzeug verträumte Rimshots abfeuert, mischen sich gurgelnde Growls mit Engelsgesang, klimpert das Klavier zu sphärischen Streichern: Wer symphonischen Doom schon immer für pathetisch-bemühtes Trübsal hielt, wird hier genug Argumente zum Belegen seiner These finden, wer in dieser musikalischen Gattung den Zenit intelligenter und emotionaler Musik zu erkennen meinte, ebenso.

Manna für die Gläubigen also und wem all das hier zu lang, pompös und protzig ist, der mag sich gerne an anderer Stelle bedienen – bei MORTICIAN etwa. Die Liebhaber werden hier aber nicht nur mit einem kompromisslosen Opus, sondern zudem einem detailreich und äußerst aufwendig gestalteten Booklet belohnt, das mit Songtexten und Gedichten, sowie wunderbarer schwarz/ weiß Fotographie aufwartet. „Love is suicide“ heißt es ganz zum Schluß, und tatsächlich ist diese Scheibe zum Sterben schön.

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Desire 'Locus Horrendus' Tracklist
1. Preludium (Alpha)
2. Frozen heart... lonely soul...
3. Cries of despair
4. The weep of a mournful dusk
5. Movement I Button MP3 bestellen
6. Movement II Button MP3 bestellen
7. Drama Button MP3 bestellen
8. Dark angel bird (a poet of tragedies)
9. Torn apart
10. (Love is) Suicide...
11. Postludium (Omega)

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