Terrorverlag > Blog > DEVIATED PRESENCE > Fall’s Passage

Band Filter

DEVIATED PRESENCE - Fall’s Passage

VN:F [1.9.22_1171]
Deviated-Presence.jpg
Artist DEVIATED PRESENCE
Title Fall’s Passage
Homepage DEVIATED PRESENCE
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Ein scheinbar verirrtes Album: Die letzten Strahlen der Sonne verglühen gelblich-rot über dem Horizont und werfen Schatten auf die fahlen Steine der Ruine, überall blühen Blumen, doch nach dem Frühling folgt unmittelbar der Herbst. Während in Deutschlands Plattenläden die Sunshine-Reggae Compilations herausgekramt werden, das Eiscafe „San Remo“ seine berühmte Stracciatellamischung anrührt und man (soweit man nicht in Münster wohnt) einigermaßen risikolos ohne Regenschirm aus dem Haus gehen kann, führen einen DEVIATED PRESENCE an der Hand in die Welt der bunten Blätter und heißen Tees am grausturmumwehten Fenster.

Es verwundert also nicht, dass diese Scheibe tatsächlich im Herbst vergangenen Jahres aufgenommen wurde und sich bei allem, was sie tut, viel Zeit nimmt: Mit zwei Ausnahmen sind die hier versammelten Kompositionen zwischen sieben und beinahe zehn Minuten lang, schwelgen ausgiebig in akustischer Leisetreterei, abwesenden Vocals und gelegentlich angejazzten Instrumentaleinlagen, welche immer wieder von heftigen, befremdlich kalten Metalattacken durchbrochen werden. Man könnte meinen, man müsse frösteln angesichts einer solchen Kühle, doch beginnen die Bilder zu flirren, sich zu verzerren, die Welt wird langsamer und Rauch steigt auf von brennenden Feldern: Diese Band trägt Blumen im Haar! Der Sommer der Liebe ist zurück, mit all seinen Experimenten, seinen ausufernden sonischen Exkursionen und der Einstellung, Alles sei möglich – irgendwie. Die Stimmen der Musiker verbinden sich immer wieder zu verschwommen strahlenden Harmonien, an der Fünfsaitigen klingen Licks von Hendrix’ „Little Wing“ an und Frank Pirnys Bass erlaubt sich in „Amok“ einige wild groovende Funkslaps. Ganz große Momente gibt es unzählige und die Stücke leben dabei einerseits von der Vielzahl der verwendeten Mittel und andererseits von der Spannung, in welche Richtung es wohl als Nächstes gehen möge. Und obwohl es hier vor aufregenden Wendungen nur geradezu wimmelt, ist es gerade das wie Wolken am Himmel unbeirrt vorbeiziehende „Shadows“, das am Meisten zu verzaubern weiß.

Wenn der Sommer so schön wird, wie dieses Album, braucht man sich um die nächsten Monate keine Sorgen zu machen und wer als Freund progressiver oder psychedelischer Strukturen nicht zugreift, wird sich bald bittere Vorwürfe machen müssen. Warum am Ende eines derart beglückenden Albums dann eine vollkommen überflüssige Version des NICK KERSHAW Hits „The Riddle“ zu stehen hat, ist dann allerdings eine andere Frage. Vielleicht damit man als Kritiker in der review drüber schreibt? Nun, dann ist wohl auch das gelungen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

DEVIATED PRESENCE - Weitere Rezensionen

Mehr zu DEVIATED PRESENCE