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DREAM THEATER - Live at Budokan (DVD)

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Artist DREAM THEATER
Title Live at Budokan (DVD)
Homepage DREAM THEATER
Label RHINO
Veröffentlichung 29.11.2004
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

Gekleckert haben DREAM THEATER noch nie, aber “Live at Budokan” kleidet selbst die für diese Band übliche Fanbedienung in einen goldenen Kimono: Als reiche es nicht, das Konzert als 2DVD und 3CD Set herauszubringen, reicht man im Shop auf der Homepage sogar eine weitere DVD nach, welche gänzlich aus der Perspektive von Mike Portnoys Drum-Cam gefilmt wurde! Die soll zwar an dieser Stelle nicht weiter interessieren, beleuchtet aber zwei in diesem Zusammenhang relevante Tatsachen. Zunächst, dass DREAM THEATER nicht nur eine formidable Gruppe, sondern zudem ein Kollektiv ehrgeiziger Einzelkämpfer sind. Und dass sie diesen Japan-Gig ganz besonders ernst nahmen.

Dass betonen die fünf auch immer wieder in der gut halbstündigen Tourdokumentation „Riding the train of thought“, die Portnoy in Eigenregie erstellt hat und endlich mal so daherkommt, wie man sich das wünscht: Kein loser Zusammenschnitt willkürlicher Bilder, sondern ein waschechter Film mit einer überzeugenden Dramaturgie, stimmungsvollen Bildern und interessanten Interviews. Selbst für richtige Die-Hard Fans sollte das ein aufschlussreicher Trip in den DREAM THEATER Kosmos darstellen, der viele der heimlichen Vermutungen bestätigt. Dass die Band unvorstellbar perfektionistisch ist nämlich, dass die einzelnen Mitglieder tatsächlich vor ihren Auftritten noch mal wie Universitätsstudenten Noten büffeln, dass das Arrangement jedes einzelnen Songs bis zu letzt zur Debatte steht und dass die Setlist jeden verdammten Abend eine andere ist (glücklich dürfen sich die Fans schätzen, welche die gesamte zweite Hälfte von IRON MAIDENs Klassiker „The number of the Beast“ serviert bekamen). Deutlich wird zudem, dass die kreative Achse der Formation um das Gespann Portnoy/ Petrucci kreist – dass aber auch alle anderen einen bedeutenden Anteil am Gelingen tragen. Wichtigstes Zitat bleibt jedoch die Aussage von Jordan Rudess, das wahrhaft Einzigartige von DREAM THEATER bestehe im „virtuosen Element“. Denn genau dies wird mehr als eindrucksvoll im eigentlichen Hauptmenü, dem beinahe dreistündigen Budokan-Konzert unter Beweis gestellt. Die Songs des fantastischen aktuellen „Train of Thought“ Albums bilden dabei lediglich die Ausfallbasis für einen willkommenen Rundumschlag aus dem Repertoire. Nur dem bereits auf „Live Scenes“ ausführlich gehuldigten „Metropolis II“ wird kein Platz eingeräumt, dafür erfährt das lange in Ungnade gefallene „Falling into Infinity“ mit insgesamt drei Beiträgen, darunter einer stromlinienförmigen Darbietung von „New Millenium“, eine gewisse Rehabilitation. Bis dahin dauert es eine ganze Weile, doch schon bei den ersten Klängen wird man direkt in den siebten Himmel geleitet – was für ein Sound! Glasklar, messerscharf und tonnenschwer kommt „Live at Budokan“ daher, beseitigt jeden letzten Zweifel. Das tut vor allem den einleitenden Stücken des bereits genannten „Train of Thought“ gut, bei denen der Metal-Faktor hoch und die Betonung auf bulligen Riffs und rockistischen, aber coolen Soli liegt. Da John Petrucci höchstens mal sein Bein auf ein glänzendes Metalpodest schwingt, geht die meiste Bewegung erstaunlicherweise vom Keyboard aus, das sich mittels eines drehbaren Ständers 360 Grad rotieren lässt sowie von dem sich in bester Verfassung präsentierenden James LaBrie. Doch hat der Sänger insgesamt nur wenig zu melden. Nie stand die Instrumentalfraktion derart im Vordergrund und man ist geneigt zu sagen: Fast schon zu viel. La Brie räumt minutenlang das Feld für seine Mitstreiter, deren spektakuläre Einzeleinlagen, kaskadierende Rhythmuswechsel und hypnotische Gitarrengewitter zwar beeindrucken, denen auf Dauer aber der Sinnzusammenhang fehlt. Die eiserne Konzentration ist genau das Richtige für DREAM THEATER, die nach dem fulminanten Einstieg etwas zerfasern und dem Schreckbild der frickligen Progrocktruppe sehr nahe kommen. Doch schon die ersten Takte von „Pull me Under“ lassen diese dunkle Fata Morgana verfliegen.

Man darf natürlich nicht vergessen: Diese Band bedient zwei gänzlich unterschiedliche Lager, die miteinander versöhnt werden wollen. Selten wird man auf einem Konzert so viele Metalheads und Krawattenträger einträchtig nebeneinander stehen sehen. Und außerdem rührt das Ausschweifende niemals von einem akademischen Trieb zur klassischen Durchführung, sondern einer eher hippie-esken Spielfreude her. Man kann „Live at Budokan“ also sowohl mit gespannter Aufmerksamkeit, als auch träumend, mit geschlossenen Augen zu sich nehmen. Definitiv eine der gelungensten Musik-DVDs der letzten paar Monate.

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