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ECHO WEST - Some thought us dead

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Artist ECHO WEST
Title Some thought us dead
Homepage ECHO WEST
Label CABINETT
Veröffentlichung 24.10.2003
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Some thought us dead? Wir vermuten eher, dass die Meisten nicht einmal wussten, dass sie überhaupt leben! ECHO WEST sind keine völligen Unbekannten, haben bereits ein Album veröffentlicht („Signalisti“) und einen Track für den ziemlich erfolgreichen (und ziemlich spannenden) audiophob-Sampler beigesteuert. Trotzdem bildeten sie bislang kaum mehr als eine Randnotiz, waren höchstens ein Versprechen für die Hoffnungsfrohen. Das könnte sich mit ihrem aktuellen Werk, dem ersten für das neue Cabinett Label, jedoch schon recht rasch ändern.

Denn das Dortmunder Projekt versteht sich formidabel auf den Balanceakt zwischen Bewährtem und Fortschritt, Freiheit und Disziplin sowie Referenz und Eigenständigkeit und bietet deswegen keinen faulen Kompromiss, sondern vielmehr eine lupenrein blitzende Schnittmenge aus allem, was im Minimal Elektronik-Bereich Gut und Wertvoll ist. Da steigen zwitschernd und zuckend Synthesizerdämpfe auf, wird die Stimme zum Metrum und die Musik zur Metapher – und ergänzt die Fantasie im freien Fall all das, was ihr wohlgeplant vorenthalten wurde. Denn so monoton und statisch diese Stücke klingen mögen, in ihnen steckt stets eine Entwicklung, ein Plan, eine Geschichte. Obwohl man die Erläuterungen zum Bandnamen auf der Homepage gut nachvollziehen kann, klingt „Some thought us dead“ eher nach einem Echo aus längst vergangenen Zeiten, als aus dem Westen. So betätigt sich Claudia Ziplies in „Soul Cleaning“ als unterweltliche NICO auf der digitalen Müllhalde und ortet man die Truppe im einleitenden Titelstück auf den FIELDS OF THE NEPHILIM und dem direkten Weg in die Hölle. Der drohende Unterton und die ideologische (weniger musikalische) Nähe zum Industrial wird nur selten durchbrochen, lediglich das zarte „Like you for a sleep“ bimmelt leise wie ein Mobile im Wind. Dafür werden die Grenzen des Genres im groben Bereich bis aufs Extremste ausgedehnt: „1-2-3-4“ ist tatsächlich Rock n Roll, „You want to be afraid“ ein albtraumhaftes „Fade to Grey“ und den Tanzflächenknaller „Pray“ hätten wir uns statt MISS KITTIN in de Disco gewünscht. Natürlich ergeben sich bei einem derart breitbeinigen Ansatz Überlappungen und Übereinstimmungen, doch wird daraus nie ein reines Tribut – weder an die in so mancher Hinsicht ähnlich operierenden HAUS ARAFNA, noch an die klassischeren DIE FORM.

Hätte man nun auf zwei bis drei schwächere Stücke verzichtet, dürfte man hier von einem makellosen Meisterwerk sprechen. Doch „Baktira Dora“ oder „You are… your war“ bleiben auch nach wiederholtem Hören verzichtbar und der Beat von „Entangled by a blue catastrophe“ hört sich an, als käme er direkt aus meiner Heimorgel – also nicht sehr gut. Vereinzelte, verschmerzbare Fehltritte sind das allerdings, auf einem beeindruckenden Opus, das Vielen als der offizielle Einstand von ECHO WEST gelten wird. Nach diesem Album wird sie jedenfalls keiner mehr für tot halten.

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Echo West 'Some thought us dead' Tracklist
1. Some thought us dead Button MP3 bestellen
2. Down practi
3. Soul cleaning Button MP3 bestellen
4. Entangled by a blue catastrophe Button MP3 bestellen
5. Like you for a sleep Button MP3 bestellen
6. You want to be afraid Button MP3 bestellen
7. Pray Button MP3 bestellen
8. Mensch der Stadt Button MP3 bestellen
9. Baktira dora Button MP3 bestellen
10. 1-2-3-4 Button MP3 bestellen
11. You are... your war
12. Disput Button MP3 bestellen
13. Don't remember Button MP3 bestellen
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