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ETHAND - Already Dead

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Ethand-Already-Dead.jpg
Artist ETHAND
Title Already Dead
Homepage ETHAND
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Mit seinem ältesten Projekt ETHAND (früher ATHEND) bringt der Hamburger Wolfgang Mangels nach eigenen Angaben „Neofolk Industrial Doom Rock“ unters Volk. Das klingt erst einmal relativ abstrus, doch beim näheren Hinhören muss man feststellen, dass der Sache damit gar nicht so schlecht gedient ist. Was allerdings eher noch beweist, dass man ETHAND nicht einfach in eine gängige Schublade verfrachten kann, denn Abwechslung und Stilmix scheinen ein deutliches Charakteristikum zu sein. So auch auf der EP „Already Dead“. Hier bietet Mangels 4 neue Stücke, jeweils eine Alternativversion von zwei Tracks der beiden vorangegangenen Fulltimealben „Tired“ und „God sees no Tears“ sowie eine Vorabversion des brandneuen Songs „Lost“.

Gleich beim Titeltrack „Already Dead“ wird man gewahr: nichts ist wie es scheint. Klingt es zu Beginn noch sehr nach minimalistischem, balladeskem Neofolk mit leicht angezerrten Vocals, gibt es zwischendurch den totalen Ausbruch in düstere Grunzrockgefilde. Eine Überraschung, die es in sich hat, aber trotzdem irgendwie nachvollziehbar bleibt. Überhaupt haben cleane Gesänge einen schweren Stand auf der CD: Auch „Redcolored Night“ kommt wieder mit verzerrtem flüsterhaft-monotonen Stimmeinsatz daher und steigert sich in eine Melange aus neofolkiger Leichtfüßigkeit und doomiger Schwere. „How much longer“ ist dagegen vom Industrialrock angehaucht; Low-Tempo von fast hypnotischer Monotonie, aber durch Variationsfähigkeit nie in die Langweile abdriftend. Wie der Soundtrack zu einem dreckigen, dystopischen Untergangsstreifen präsentiert sich „Die Suche nach einer besseren Welt“ – Distortion- und Nihilismusregler auf Anschlag!„The Beast behind the Beauty“ erschien im Original schon auf dem Album „Tired“ aus dem Jahre 2002. Die hier vorliegende Version scheint aufnahmetechnisch etwas fetter geraten, die Stimme ist noch mehr zu einem tiefen Grollen verfremdet worden, größere Unterschiede mache ich aber auf Anhieb nicht aus. Der heimliche Favorit der „Already Dead“ ist für mich aber die GMV-Version von „God sees no Tears“ vom gleichnamigen Album. Hier hat Mangels neue Samples verwendet, die gleich zu Anfang des Songs die Message vermitteln: Zorn, Hiob’sche Anklagen, Verbitterung. Vom der wehmütigen Verzweiflung des Originals ist nicht viel geblieben. Musikalisch zwar nur marginal verändert, transportiert Mangels jetzt einen ganz anderen Spannungsbogen, die Brüchigkeit zwischen den eher relaxten Klängen und aufwühlenden Lyrics erhält eine völlig neue Dimension. Den schlussendlichen i-Tupfen der EP von ETHAND stellt „Lost“ (Vers. 1b) dar – auch dies ein Crossoverstück im besonderen Sinne, vereinen sich doch cleane und verzerrte Passagen, gipfeln atmosphärische zwei Minuten in einem rockigen Abschluss, der unmittelbarer nicht sein könnte.

Eingängig ist ETHAND nun nicht gerade, aber vielleicht gerade deshalb hörenswert, weil hier keine ausgetretenen Pfade beschritten werden. Mut zu neuen Taten könnte da eigentlich auch mal ein Plattenlabel beweisen.

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