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EWIGHEIM - Schlaflieder

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ewigheim-schlaflieder
Artist EWIGHEIM
Title Schlaflieder
Homepage EWIGHEIM
Label MASSACRE
Veröffentlichung 21.10.2016
Leserbewertung
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7.8/10 (4 Bewertungen)

Ich erinnere mich noch, dass ich 2013 zum Release von „Nachruf“ überrascht war, dass eben jenes Album so schnell (knapp ein Jahr) nach „Bereue nichts“ auf den Markt kam. Schließlich warteten die Fans ja 9 Jahre auf einen Nachfolger von „Heimwege“. Dieses Mal mussten wir drei Jahre warten. Auch hatte ich letztes Mal erwähnt, dass EWIGHEIM scheinbar einem Paradigma folgen: Einem rauen Album folgt ein Bedächtiges und diesem wieder ein Raues. Nach dieser Logik hatte ich mich schon auf ein lyrisch und musikalisch heftigeres Werk eingestellt (ähnlich „Mord nicht ohne Grund“ oder „Bereue nichts“). Aber um es vorweg zu nehmen – mit diesem Paradigma hat die Band gebrochen…

…denn die Songs vom neuen Werk sind nicht für heftige Gitarrenattacken gemacht. Selbst die Texte sind schon fast poetisch und romantisch ausgefallen. Doch eines nach dem Anderen. „Schlaflied“ – als Einstieg – zeigt deutlich, welchen Weg die Band einschlägt. Melancholie pur, einen traurigen, wenn auch mit etwas Hoffnung versehenen Text (wenn man von der Textstelle mit dem „versteckten Bett“ mal absieht – wenn ihr das Stück hört, werdet ihr verstehen, was ich meine) und schwere Gitarren, die das Stück förmlich tragen. Bei „Himmelsreiter“ wird der Sound etwas rockiger – ein Stück, das so auch auf „Heimwege“ seinen Platz hätte finden können. Das eigentlich erste Highlight ertönt jedoch mit „Mondlied“. Eine Analogie zum Leben und dem Ende einer Beziehung, wie sie nicht hätte besser beschrieben sein können. Schwer, tiefst traurig um nicht zu sagen, deprimierend. Am ehesten kann ich die mitschwingende Melancholie mit frühen LACRIMOSA vergleichen (so ab „Satura“ oder auch „Elodia“). Nach zwei weiteren guten Titeln ertönt einer der nächsten absoluten Kracher. Denn mit „Einmal noch“ schlägt das Stück in eine ähnliche Kerbe wie RAMMSTEINs „Ohne Dich“. Der Text geht tief – und jeder, der schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, wird diesen Track mit mehr als nur den Ohren hören. Natürlich gibt es auch etwas Gesellschaftskritik auf dem Album. Als Beispiel sei „Besessen & entseelt“ erwähnt. Passt lyrisch vielleicht nicht ganz perfekt ins Gesamtbild – ist aber dennoch ein toller Titel. Im Anschluss kommt jedoch eines der ungewöhnlichsten Stücke des Albums. „Wir, der Teufel und ich II“ kommt praktisch nur mit synthetischen Klängen daher. Langsam und düster, Dark Wave in Reinkultur. Und der Text braucht auch keine großen Klangspielereien. Die Elektronik passt da perfekt. Und am Ende bleibt der leicht augenzwinkernde Refrain im Ohr hängen. An dieser Stelle höre ich nun auf, über die anderen Titel zu schreiben. Nur etwas sei erwähnt: Ich habe mir zum Release direkt das DigiPak gegönnt. Zum einen ist es einfach wieder sehr schon gestaltet und zum anderen sind zwei Bonustracks enthalten, die sich sowohl musikalisch als auch lyrisch lohnen. Klanglich lohnt sich, davon abgesehen, das Album sowieso. War auch nicht anders zu erwarten.

Für mich ist dieses Album ein Meilenstein der Bandgeschichte. Noch nie waren EWIGHEIM so melancholisch, tiefsinnig, an manchen Stellen zartfühlend. Noch nie gab es bei Titeln dieser Band Textstellen, die einen Lichtstrahl an den Horizont warfen und ich denke, noch nie klang sie so reif. Hier gibt es kein „Provozieren um jeden Preis“ mehr – hier gibt es vertonte Emotionen und die eine oder andere Textstelle, die zum Grübeln anregt. Fans sollten daher definitiv zuschlagen (wenn möglich das schöne DigiPak) – sich aber bewusst sein, dass hier eine Entwicklung stattgefunden hat, Anhänger düster-romantischer Musik sollten ein Ohr riskieren und Leute, die die Band nicht mögen, die Finger davonlassen. Denn eines ist das Album dennoch: Irgendwie typisch EWIGHEIM.

2 Kommentare

  1. Schlaflos sagt:

    Ich empfand eigentlich das komplette Gegenteil: zu keinem Zeitpunkt konnte mich auch nur einer der Titel mich berühren, textlich fehlte mir eine große Portion Seltsam/Skuril/Zynismus – seit Nachruf (mein persönlicher Album-Höhepunkt der Band) ging es steil bergab. 24/7 hinterließ einen fahlen Geschmack der Lieblosigkeit, Schlaflieder wirkt ambitionierter aber uninspiriert, kitschig und so gar nicht Ewigheim.

    • Rigr sagt:

      Das ist das Schöne an der Musik. Sie wird von jedem subjektiv empfunden. Was für den einen emotional ist, empfindet ein anderer als kitschig.

      Und zu 24/7 gebe ich Dir Recht. Wobei ich das Werk als Jubiläums-Veröffentlichung sehe und mit 5 neuen Songs (ca. 20 Min. Spielzeit) kein reguläres Album für mich war.

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Ewigheim 'Schlaflieder' Tracklist
1. Schlaflied Button MP3 bestellen
2. Himmelsleiter Button MP3 bestellen
3. Mondlied Button MP3 bestellen
4. Ein Stück näher
5. Einmal noch Button MP3 bestellen
6. Dies ist der Preis Button MP3 bestellen
7. Besessen & entseelt
8. Wir, der Teufel und ich II Button MP3 bestellen
9. ...
10. Des Teufels schönstes Kind (Digipak Bonus Track)
11. Negativ (Digipak Bonus Track)
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