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EXPERIMENT NNORD - Farbenblind

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Artist EXPERIMENT NNORD
Title Farbenblind
Homepage EXPERIMENT NNORD
Label EIGENPRODUKTION / SX DISTRIBUTION
Veröffentlichung 29.02.2004
Leserbewertung
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7.4/10 (10 Bewertungen)

An einem Tag wie diesem, wo das Novembergrau zähflüssig in den kahlen Bäumen hängt und man sich allen Ernstes nur noch deprimiert fragen kann, ob draußen mal jemand das Licht anknipsen könnte, da scheint ein Album mit dem Titel „Farbenblind“ zu Recht auf dem Rezensionstisch zu liegen. Urheber sind EXPERIMENT NNORD, ein Quartett aus Darmstadt, das aus den Formationen FIELDS OF WINTER und LORE OF ASMODAY hervorgegangen ist. Besonders letztere konnten ja schon auf einen recht großen Bekanntheitsgrad bauen, ein Vertrag blieb trotzdem aus. EXPERIMENT NNORD konnte immerhin schon SX DISTRIBUTION als Vertrieb für „Farbenblind“ gewinnen.

Stilistisch haben sich Rüdiger Seibert, Angie „Nnordy“ Seibert, Marcus Müller und Marian Wloka dem Retrowave der 80er Jahre verschrieben und präsentieren 13 melancholische und unkonventionelle Songs. Der Titeltrack, mit welchem das Album beginnt, verzichtet auf das gängige Strophe-Refrain-Schema, kommt aber gesanglich und textlich etwas arg pathetisch daher. „Schneekugel“ zaubert ein wenig winterliches Zirkusflair, beginnend mit einem Drehorgelsample, welches auch schon THE BEAUTIFUL DISEASE in einem ihrer Lieder verwendeten. Die kindliche Stimme von Nnordy unterstützt die märchenhafte Atmosphäre. Hier und da hat der Longplayer allerdings seine Schwachstellen, vor allem, wenn Rüdiger versucht, sonderlich tief zu klingen („Farbenblind“, „Peter Pan“), was den manchmal gewollt monotonen Stücken einen kitschigen Anstrich gibt. In etwas höheren Stimmlagen („Ende der Worte“, „2000 Jahre“) wirkt das ganze meines Erachtens nach deutlich homogener. Überhaupt wissen die treibenderen Stücke wie die eben schon erwähnten „Ende der Worte“ und „2000 Jahre“, „Supernova“ oder „Lebe einen anderen Tag“ schon viel eher zu überzeugen und entwickeln nach mehrmaligem Hören fast schon Ohrwurmqualitäten. Was positiv auffällt, ist zum einen der Mut zur deutschen Sprache. Zum anderen bedienen sich EXPERIMENT NNORD sich, wenn es denn fremdsprachlich sein soll, lieber des Französischen. Und „Nachtlied“ ist eine entzückende Ballade mit zartem Violinenspiel – und für mich der Höhepunkt der CD. Beschlossen wird „Farbenblind“ mit „Im Nebel“, welches offensichtlich vom gleichnamigen Hesse-Gedicht inspiriert worden ist und dessen letzte Strophe als Refrain beinhaltet.

Da hört man EN vom Nebel singen, sieht ihn draußen schmutzig in der Luft kleben und auf einmal passt alles zusammen. Man holt sich lächelnd eine Tasse heißen Tee, wickelt sich in eine Decke und drückt noch einmal den Repeatknopf. Denn auch die herbstliche Hässlichkeit birgt eine gewisse Ästhetik – und auch ein Album, das ab und zu schwächelt, hat trotzdem Potential.

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Experiment Nnord 'Farbenblind' Tracklist
1. Farbenblind
2. Un jour dÚtÚ
3. Schneekugel
4. Supernova
5. Siehst du mich
6. Ende der worte
7. 2000 jahre
8. En hiver
9. Peter pan
10. Lebe einen anderen tag
11. Lange schatten
12. Nachtlied
13. Im nebel
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