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FEINDFLUG - Volk und Armee…

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Feindflug-Volk-und-Armee.jpg
Artist FEINDFLUG
Title Volk und Armee…
Homepage FEINDFLUG
Label BLACK RAIN
Veröffentlichung 28.10.2005
Leserbewertung
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5.5/10 (2 Bewertungen)

Am 22.10.2005 war es endlich so weit: FEINDFLUG veröffentlichten bei einem Special Release Konzert in der Hauptstadt ihren neuen Longplayer „Volk und Armee…“, und ihre beinharten Fans (von denen es einige gibt) folgten natürlich dem Ruf. In Windeseile waren Dutzende der begehrten Limited Editions unters Volk gebracht, die Armee spielte dann später auf… 14 Tracks (inklusive einem Bonus Song) bei einer Spielzeit von immerhin gut 68 Minuten bedeuten schon mal eine immense quantitative Leistung, aber wer eine Scheibe wie „Sterbehilfe“ als EP deklariert, hat wohl eigene Maßstäbe. Optisch überzeugen ein nobler Prägedruck und die stilvolle Gestaltung des Klapp Digis, das im Wesentlichen von alten Propaganda-Plakaten unterschiedlicher Herren Länder illustriert wird. Das zentrale Thema ist nämlich der 2. Weltkrieg, womit sich der Kreis zum ersten vollständigen Album („Vierte Version“) schließt. Es wäre sicherlich übertrieben, hier von einem Konzeptalbum zu sprechen, aber im Gegensatz zum Vorgänger „Hirnschlacht“ gibt es doch wieder eine durchgängige rote Linie. Um etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde auch eine längere Inschrift verfasst, welche die politische Linie der Feindflieger eindeutig präzisiert! Use your brain and think about it!

Was die grobe musikalische Leitlinie angeht, wurde im Großen und Ganzen die Schlagrichtung beibehalten, es gibt also weder irgendwelchen Gesang noch sonstigen verweichlichten Firlefanz auf dem Silberling. Da sollte man vorab mal zu bedenken geben, wie schwer es sein muss, innerhalb dieses doch recht engen, rein instrumentalen Rahmens immer wieder interessante Kompositionen zu liefern. Felix und Banane schaffen dies auch 2005 mal wieder mühelos, soviel sei schon mal vorweggenommen. Und auch die nicht unbedeutenden Line Up Wechsel spielen da keine Rolle, denn da handelt es sich ja ausschließlich um Live Musiker, künstlerisch hält von jeher das angesprochene Duo die Fäden in der Hand. Besonders auffällig für mich nach mehrfachem Genuss der Scheibe: Die Samples verlieren ein wenig an Bedeutung, sie wurden mengenmässig reduziert und zudem leicht in den Hintergrund gemischt, manchmal habe ich glatt Probleme, sie akustisch zu orten (oder werde ich alt?). Dazu kommt eine etwas variantenreichere Rhythmussektion, die der Variabilität der Stücke sehr zu gute kommt.

Zu den „Geschossen“ im einzelnen: Der „Einmarsch“ dient, wie der Name schon andeutet, der Gewöhnung an die zu erwartende Kriegsmaschinerie. Bedächtig und pompös mit einladenden/ weitläufigen Flächen haftet dem Opener etwas Sakrales an. „Standgericht“ (fast alle Lieder haben wieder eingängige Ein-Wort-Bezeichnungen) erinnert dann an typische „Hirnschlacht“-Songs, kann aber durch einen leicht abgehackten Beat überzeugen. Wie überhaupt einige Elaborate erst nach mehrfachem Hörgenuss ihre Details und ihren Spannungsreichtum offenbaren, genauso sollte eine Electro-Scheibe sein. Dennoch geht es noch besser, der absolute Höhepunkt für mich: „Truppenschau“, der nicht zu unrecht als Opener des Berliner Konzerts gewählt wurde. Nach einem Beginn im Marschrhythmus mit fast neofolkigem Anstrich entwickelt sich das Lied zu einem perfekten Truppenübungsstück mit viel Military Ambiente. Die „Schmerzgrenze“ wiederum könnte vom aggressiven Gestus her sehr gut auf der „Sterbehilfe“ stehen, wie auch der Ton insgesamt wieder etwas harscher als auf dem Vorgänger ausfällt, aber trotzdem variabler rüberkommt. Heftige Samples benutzt man etwa beim „Ätherkrieg“ (hier ist mal wieder „Onkel“ Adolf zu hören) oder dem ebenfalls sehr treibenden „Neue Sieger“, wo zu Beginn die 22 Opfer der amerikanischen Angriffskriege genannt werden, im Track selbst überzeugt mal wieder eine kraftvolle E-Gitarre. Interessant die Hintergrundgeschichte zu „Schmerzgrenze“: Als Remix befand sich der Titel auf der Kollaboration-Vinyl-VÖ 2004, heuer wird nun das Original nachgereicht, sozusagen die Umkehrung des Remixwahns. Thematisch außer der Reihe verhält sich der abschließende Bonus Song „TSFKS“ feat. Bluthund (da musst ich spontan an den BLUTHARSCH denken), hier wird mit Kinderschändern wieder ein sehr heißes Eisen angegangen, zum Glück verbrennt man sich nicht.

Vielleicht ist auf „Volk und Armee…“ kein Knaller der Marke „Roter Schnee“ oder „Stukas“ enthalten, das muss sich erst noch herauskristallisieren, dafür ist der Reifegrad insgesamt durchgängig sehr hoch, was bei einer so langen synthetischen Scheibe ganz sicher nicht der Normalfall ist. Aber FEINDFLUG waren eben schon immer eine besondere Formation, und wer das bisher zu würdigen wusste, wird auch hier wieder bestens unterhalten. Alle anderen sind herzlich dazu eingeladen. Alle Macht dem Volke!

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Feindflug 'Volk und Armee...' Tracklist
1. Einmarsch Button MP3 bestellen
2. Standgericht Button MP3 bestellen
3. Ak 47 Button MP3 bestellen
4. Truppenschau Button MP3 bestellen
5. Feuerpause Button MP3 bestellen
6. Schmerzgrenze Button MP3 bestellen
7. Tauchfahrt Button MP3 bestellen
8. Feindbild Button MP3 bestellen
9. Sperrfeuer Button MP3 bestellen
10. Leere Gräben
11. Ätherkrieg
12. Gulag Button MP3 bestellen
13. Neue Sieger Button MP3 bestellen
14. Tsfks Button MP3 bestellen
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