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FEU FOLLET - Souvenir d’ermitage

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Feu-Follet-Souvenir-Dermitage.jpg
Artist FEU FOLLET
Title Souvenir d’ermitage
Homepage FEU FOLLET
Label SILENCE IS NOT EMPTY
Leserbewertung
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7.8/10 (4 Bewertungen)

Sobald man die erste Hürde genommen hat, die darin besteht, die CD richtig herum einzulegen (also nicht das Silberne, sondern das Dunkle nach unten, in Richtung Laser), kann man sich auf knapp 17 Minuten gediegenen Ambient freuen. Herr Fischer beginnt seinen musikalischen Triptychon mit „Le sourire de sonja“, wobei angesprochener Sonja auch die ganze Veröffentlichung gewidmet ist. Simple Klavierakkorde wiederholen sich gute vier Minuten lang, dazu gibt es klappertackende Perkussion – es klingt eigentlich ganz nett, wenn auch unaufregend. Es folgt der Titeltrack, der auch eher lässig-nett daher kommt, bis zu einer Art Zäsur nach ca. fünfeinhalb Minuten: ein relativ ambivalent-bedrohliches Moment tritt in den Vordergrund und meine Hände reiben sich schon in freudiger Erwartung aneinander. Diese Spannung wird durch einsetzendes Klaviergeklimper wieder so gut wie entschärft – was nicht wirklich schlimm ist. Den Abschluss bildet „Ailleurs“, was leider, leider nur knapp zwei Minuten dauert; hier hört man eine mich sehr ansprechende Kombination von metallischem Geklapper und dem Klavier, was zusammen ziemlich dunkel daher kommt.

Interessant bei (lyriklosem) Ambient ist tatsächlich auch, was sich die jeweiligen Künstler dabei denken. Auf der einen Seite spricht es in meinen Augen für ihn, wenn er auch ohne erklärende Worte das ausdrücken kann, was er möchte. Andererseits finde ich angesprochenen Blickwinkel auch recht erleuchtend. Fischer sieht offenbar jeden Einzelnen als eine Anhäufung dessen, was ihm im Laufe der Zeit widerfahren ist. Sowohl positive, als auch negative Gefühle. Diese Zwiespältigkeit spiegelt sich für mich auch in der Instrumentalwahl wieder: das Klavier wirkt eher beruhigend, positiv und dunkel. Die dazu kommenden Geräusche erzeugen latente Spannung, sowie eher unruhige Gefühle. Im Beipackzettel wird das Irrlicht-Projekt (FEU FOLLET heißt soviel wie „Irrlicht“) quasi als Protokoll von nicht immer nur glückseliger Liebe angepriesen. „After all, it is thanks to pain that we’ll find the things we have always been searching for,“ sagt Fischer und sagt damit eigentlich nichts anderes als schon Louis-Ferdinand Céline ungefähr 70 Jahre vor ihm: „Vielleicht sucht man nichts anderes im Leben als den größten Schmerz, der möglich ist, um einmal man selbst zu sein, bevor man stirbt.“

Das Cover finde ich übrigens sehr ansprechend. Erinnert mich an einen eingefärbten, dreidimensionalen Schnappschuss eines Elektronenrastermikroskops. Dafür ist sich niemand anderes als Aalfänger Mirko Uhlig verantwortlich, der ja auch das Artwork für sein eigenes Projekt zelebriert. Ausgesprochen negativ fällt mir eigentlich nichts auf. Schade ist nur, dass die CD gerade mal eine Viertelstunde Spielzeit hat und irgendwie keinen direkten Ausreißer hat. Es plätschert etwas sehr träge vor sich hin und wird damit (jedenfalls für mich) nicht der recht philosophischen Ansprüche gerecht, die Fischer gerne ausdrücken mochte.

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