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FIN DE SIÈCLE - Patagonie

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Artist FIN DE SIÈCLE
Title Patagonie
Homepage FIN DE SIÈCLE
Label OPN MUSIC
Leserbewertung
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6.5/10 (2 Bewertungen)

Die meisten französischen Künstler sind mir ziemlich suspekt, weil ich sie meistens nicht verstehe. Keine Ahnung, warum. So erging es mir auch beim ersten Durchlauf des vierten FIN DE SIÈCLE Albums „Patagonie“ – es plätscherte ziemlich langweilig vor sich hin. Ein paar Geräuschkulissen, gespickt mit spärlichem Instrumentaleinsatz; in Nullkommanix war ich eingeschlafen.

Ein zweiter Versuch war also unumgänglich. Überraschenderweise lief es diesmal etwas besser. Auch wenn ich den Sinn der Veröffentlichung wohl nicht so schnell durchschauen werde. Das Album beginnt mit „Patagonie I“, was wiederum eigentlich primär aus irgendwelchem Gerumpel besteht. Hey, letzte Woche ist eine neue Nachbarin neben mir eingezogen; als sie ihre Sachen in die Wohnung geräumt hat, klang’s genauso. Zwar hörte ich zwischenrein keinen zaghaften Pianogeklimperversuch, der dann schließlich in „Patagonie II“ ausgebaut und weiterverfolgt wird, aber zur Abwechslung hatte ich auch nicht die fixe Idee, das Möbelverrücken aufnehmen zu müssen. (Kleiner Exkurs: kennt hier jemand diese Schienenreparaturfahrzeuge? Riesendinger, die einen unglaublichen Mordslärm machen, wenn sie die Schrauben der Schienen lösen. Ein total geniales Geräusch, besonders nachts.) Dieser zweite Track klingt okay, wobei sich witzigerweise auf meiner Promo ein Aufdruck befindet, dass die Soundqualität bei diesem Lied leider nicht so toll ist und man es sich doch von der Homepage runterladen soll. Wie jetzt? Ich finde den Sound ziemlich gut; wahrscheinlich ist das schnarrende Klavier gemeint, das kratzt und wie falsch abgemischt klingt – aber gerade das macht für mich den Charme von „Patagonie II“ aus. Dazu die Geräusche eines großen, trägen Schiffs, das in den Wellen schaukelt. Interessant, wirklich.

Stephane Flauder und Florence Cailleux erzeugen dem Promosheet zufolge Klanglandschaften, die kinematographisch anmuten. Das kann ich so bestätigen, denn tatsächlich würde mich der Film interessieren, zu welchem FIN DE SIÈCLE hiermit den Soundtrack geschaffen haben. Aber, um mal bei diesem Vergleich zu bleiben: Das Album ist mir zu szenisch, d. h. einige Motive, Themen und Rhythmen klingen wirklich super (vgl. „Patagonie VI“ oder das eher experimenteller beginnende „Avis de Tempête“ – ja, es gibt eigentlich auch andere Titel, die nicht Patagonie beinhalten), werden aber einfach nicht weiterentwickelt oder fesselnder gestaltet. Fakt ist, dass es leider wirklich nur vor sich hinplätschert. Zwischendurch horcht man auf und denkt sich, „wow, jetzt aber!“ allerdings sind diese Momente viel zu kurz und rar. Gefühle und Atmosphären werden angedeutet, aber nicht zu Ende geschaffen, was sehr schade ist. Da können die beiden Franzosen sich noch so sehr von diversen Künstlern inspiriert fühlen (genannt werden Virginia Woolf, Lars von Trier und Lewis Carrol), aber wenn ihre Musik nichts bei mir bezweckt, finde ich diese Information überflüssig. Genauso wie hidden Tracks übrigens.

Ich bin etwas zwiegespalten, was diese Veröffentlichung betrifft. Vielleicht hat sie mich in noch keiner richtigen Stimmung angetroffen, aber trotz ihrer Kühle und Ruhe, kann sie mich nicht 100%ig überzeugen. Nicht mal 70%ig, oder so. Da hilft nebenbei bemerkt auch nicht der viel versprechende Bandname; Schade, denn ich mag eigentlich die Kunst des Fin de Siècle.

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