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FINKENAUER - s/t

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Finkenauer-st.jpg
Artist FINKENAUER
Title s/t
Homepage FINKENAUER
Label KIDDO RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Zugegeben: Besser als „Pascal“ ist der Titel für dieses Projekt allemal, doch wäre ein ganz klein wenig sprachästhetisches Bewusstsein oder Kreativität im Popdschungel kein überflüssiger Luxus. Immerhin wird mit diesem Namen die Gefahr einer Verwechslung denkbar klein – [email protected] dürfte jedenfalls noch frei sein. Warum das überhaupt eine Rolle spielt? Weil es ganz gewiss eine Reihe Musikliebhaber geben wird, die beim Lesen der Künstlerbezeichnung an Alpen, Knödel und Lederhosen denken oder im Laden sicherheitshalber zur SILBERMOND greifen. Und dabei eine der überraschendsten Platten des Sommers verpassen.

Das, was man auch anderswo lesen kann, aber einfach dazugehört gleich vorneweg: Pascal FINKENAUER sang bei JAW, dann bei den BLACK CHERRIES (keine GOLDFRAPP-Coverband!). Erhielt den ersten Vertrag mit Songs, die während der Projektwoche an der Schule entstanden. Verfasst jetzt deutsche Texte. Hat sein aktuelles Album ganz alleine eingespielt und produziert. Geht demnächst auf eine große Tour mit Kollegen vom Label. All das liest sich nicht uninteressant, lenkt aber nur ab. Denn das eigentlich Wichtige besteht darin, dass Pascal eine Platte aufgenommen hat, die sich etwas traut. Die nicht cool ist, aber auch nicht aus Berechnung uncool. Die das Plakative des Pop ehrlich umarmt, ohne den Dahinterstehenden heimlich ironisch zuzuzwinkern. An einigen Stellen, an denen „große Gefühle“ draufstehen, haut er mit dem Vorschlaghammer um sich und dort, wo Zurückhaltung geboten wäre, greift er tief in die Tränenkiste. Offengesagt misslingt deswegen auch einiges. Bei „Danke“ kommt das Orchester mit Pauken wie einst bei EAST 17 und „Völlig egal“ kann einem der gleichnamige Track mit seiner Klein-Mädchen-Poesie, wie Bienchen umhersurrenden Flöten und zuckernen Synthies tatsächlich sein – da fehlt das Korrektiv, der grobe Schmelz eines GRÖNEMEYERS etwa. „Wind Rückwärts“ hingegen hat schon einen Titel wie bei Herbert und wäre in einer weniger hysterischen Version natürlich eine riesige Hymne geworden. So fällt der Einstieg nicht ganz leicht. Doch das Gute behält die Oberhand. In „Feuer“ versucht sich FINKENAUER als der deutsche JUSTIN TIMBERLAKE – und reüssiert beachtlich, auch wenn man den Beats anhört, dass es zum TIMBALAND noch ein weiter Weg ist. Die Ballade „Wenn Du mal gehst“ dreht sich wie ihr Text im Kreis, aber genau das ist guter Pop natürlich auch: Die Schleife im Kopf! Alles wird angetestet und auf Verwertbarkeit überprüft. Mal stampfen Bass und Schlagzeug im Gleichschritt, dann wiederum hauchen die Keyboards fröstelnd und finster. Höhepunkt des bunten Reigens ist das schlichtweg sensationelle„Wieder mal“. Soul, RnB und irgendwie auch HipHop verschmelzen zu drei Minuten, in denen alles möglich scheint.

Die Stimme wurde angeblich und wohl wegen ihres leichten Vibratos mit der Peter Heppners verglichen – dabei liegen WOLF MAAHN (die Intonation!) und vor allem GAUTSCH (das Herbe) bedeutend näher. Auch die scheiterten schon mehrfach, wussten aber mit ihren Anflügen der Genialität so manchen Fehltritt auszumerzen. Und überhaupt: Ein wenig Anmaßung kann gar nichts schaden! FINKENAUER schreibt die Gedichte nicht neu. Doch lässt er einen wenigstens für einen Augenblick glauben, er könne es tatsächlich.

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