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FIVE FIFTEEN - The Man who sold himself

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Artist FIVE FIFTEEN
Title The Man who sold himself
Homepage FIVE FIFTEEN
Label SPINEFARM
Veröffentlichung 01.09.2009
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Die Finnen sind die Japaner Europas. Mit dem Rock n Roll haben sie keinerlei natürliche Verbindung (wenn man Kaurismäki nicht berücksichtigt), doch machen sie sich die Musik derart zu eigen, dass man kaum noch daran zweifeln mag, dass sie ganz von Anfang an dabei waren. Ike und Tina, Bo Diddley, Jerry Lee Lewis – es sind Figuren aus Helsinkis Traumtagebuch. Mika Järvinen hingegen träumt eher von Robert Plant und Jimmy Page, er lässt sich die Haare lang wachsen und wäre wohl lieber in den Siebzigern geboren worden. Seine Alben heißen „Psychedelic Singalongs for Stadiums“ oder „Six Dimensions of the Electric Camembert“. In Helsinki ein Star, na klar.

Davon kündet, wenn auch auf sympathische und kein bisschen großkotzige Art die vorliegende Compilation. Siebzehn Songs aus zehn Jahren Geschichte, die den Werdegang und den späteren Split der Originalbesetzung dokumentieren und deutlich zu kennen geben, was man im Hause FIVE FIFTEEN vom Fortschritt hält: Gar nichts nämlich. Alte Recken von bekannteren Kollegen wie MOTÖRHEAD und THIN LIZZY schauten im Studio vorbei und auf dem abschließenden „Prostitute“ singt angeblich Ville Vallo (auch wenn man das beim Hören kaum glauben mag). Letzterer inspirierte Järvinen auf einer gemeinsamen Tour in den frühen HIM-Jahren zu „Innocence is no excuse“, auch wenn man den begleitenden Kommentar im Booklet nicht ganz versteht – Mikas Englisch ist mehr als einmal Grund für Überraschung und eigentlich ungeplante Heiterkeit. Doch wenn es um die Musik geht, öffnet man den Mund nicht zum Lachen, sondern Staunen. Eine ganze Reihe säuberlich geschliffener Perlen haben sich im Laufe der Zeit angesammelt und ihren Weg auf „The Man who sold himself“ gefunden. Vom LED ZEP-esken „Jesus went to NYC“ mit der zwölftaktig geladenen Hamond im Anschlag, über die phantasmagorische, in einen wütenden Elektro-Blues übergehende Ballade „Wayward Child“ (im Titel ein Verweis auf RORY GALLAGHER) bis hin zu dem rastlosen, mit einem ungewöhnlichen Chorus ausgestatteten „Call the Doctor“ werden alle Varianten des süffigen Rocks durchgespielt. Doch auch der Honigblütenpop von „Games of May“ sieht in diesem Strauß aus weißen und roten Rosen an den traditionsbewussten Liebhaber nicht verkehrt aus. Andererseits besteht die Gefahr einer derart ausführlichen Zusammenstellung darin, dass sie schwächeren Stücke durch direkte Gegenüberstellung mit den echten Knallern gnadenlos bloßstellt – und das geschieht hier mehr als einmal. „Mrs. Rolling Stone“ ist mit Honky-Tonk-Geklimper und sülzigem Text darüber hinaus genau die Salonvariante des einstmaligen Protestschreis, die man eher von der eigenen Dorfkapelle erwartet hätte. Auch die eins-zu-eins Übersetzung (und mindestens 472. Version) von „Silver Machine“ braucht keiner wirklich.

Da geht der Fan in Järvinen mit ihm durch. Denn natürlich sind das seine Idole, die er von weitem und der Gegenwart aus bestaunt und vergöttert und deren Ritterschlag des gemeinsamen Jammens er wie einen kostbaren Schatz im Herzen hortet. Für den Hörer wäre das nicht immer nötig gewesen, doch sind FIVE FIFTEEN eben wenigstens eine Band, die ihre Gefühle bloß legen und zu ihren Schwächen stehen. Man darf weiterhin gespannt sein, wovon Mika Järvinen in Zukunft träumt.

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Five Fifteen 'The Man who sold himself' Tracklist
1. Stone cold heartbreaker
2. Innocence is no excuse
3. Jesus went to N.Y.C. (again)
4. Mrs Rolling Stone
5. Silver machine
6. Wayward child
7. Games of may
8. Black Monday
9. Eastern song
10. Call the doctor (Live)
11. My oh my
12. Rocking horse
13. Believer
14. Hanuman dance
15. I don't remember
16. Mrs Dalloway meets Mrs Gallagher
17. Prostitute
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