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GENEVIÈVE PASQUIER - Virgin Pulses

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Artist GENEVIÈVE PASQUIER
Title Virgin Pulses
Homepage GENEVIÈVE PASQUIER
Label ANT ZEN
Leserbewertung
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1.0/10 (1 Bewertungen)

“Soap Bubble Factory” war nicht nur ein angenehmes, zeitloses und dennoch frisch klingendes Elektroalbum – es machte Appetit auf mehr. Während große Teile der Szene eher auf Risikominimierung und ihre „Street Credibility“ aus waren, klang bei PASQUIER stets der Wille nach Einzigartigkeit durch und wenn ihr das nicht in absolut jeder Sekunde gelang, dann lag das weniger am eigenen Talent, denn daran, dass ihre ehemalige Band THOROFON bereits mit der Machete einen Teil des Weges frei gehauen hatte. Deshalb ist man kein bisschen empört sondern hellauf erfreut darüber, dass die neue Labelheimat Ant Zen nun eine Werkschau über frühe Veröffentlichungen präsentiert. Gewährt diese doch Zeit, nachzuholen, was man damals verpasst, ignoriert oder irrtümlicherweise verschmäht hatte.

Außerdem ist „Virgin Pulses“ alles andere als eine billige Abzocke. Dank neuer Mixe und kristallklarem Remastering bietet die CD sowohl einen klanglichen, als auch inhaltlichen Mehrwert und treibt auch denjenigen keine Tränen in die Augen, die im Vertrauen auf die strikte Limitiertheit ihrer Vinlyschätzchen damals direkt zugegriffen hatten: Wer Wert auf eine 100%ige Komplettheit der Sammlung legt, muss auch weiterhin bei Ebay nach den Originalen Ausschau halten. Vor allem aber ist „Pulses“ von Anfang an als ein zusammenhängendes Album angelegt und straft alle Lügen, die dieser Art von Kompilation grundsätzlich nur den Status von Stückwerk und Flickenteppich bescheinigen wollen. Nebenbei sticht sofort ins Auge, dass PASQUIERs musikalische Vision schon lange vor „Soap Bubble Factory“ aus weitaus mehr als dröhnenden Basslinien, geschredderten Sequenzen, fiesem Blubbern und hypnotisch geschrieenen Textfetzen bestand. Nicht, dass man diesen 16 Stücken nicht die Verankerung im Industrial anhören würde – dafür geht es hier dann doch zu brachial, maschinell stampfend und elektrisch aufgeladen zu. Doch steht dem auch immer noch eine nicht nur optische Faszination für Vaudeville und düsterem Glamour, für Lyrisches und dunkle Liebe, für Sensibilität und Sensualität, für Erotik und ernstgemeinte, unironische Emotionalität in ansonsten menschenleeren Arrangements gegenüber. Das Nichtperfekte, schmutzige und irgendwie verboten und verrucht Anmutende kennzeichnet diese Songs als aberwitzig deformierte Chansons, als blühende Blutshymnen der Individualität inmitten eines Meers der Konformität – nicht umsonst findet man hier keine plakativen Parolen, sondern den Satz: „This record was made with love“.

Natürlich war GENEVIÈVE PAQUIER bereits bei den frühesten hier vertretenen Titeln keine Jungfrau mehr und ist das Kokette, Verspielte und Naive selbstverständlich Teil eines Konzepts. Im Gegensatz zum musikalischen Tagesgeschäft mutet es aber nicht wie eine Rolle an, die sie sich lediglich überstreift, niemals wie ein austauschbares Image. Manchmal geht das hart an die Grenze des Verträglichen, noch viel öfter an den Rand des Großen. „Virgin Pulses“ stillt den Hunger nach dem neuen Album nicht, sondern macht ihn nur noch größer.

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