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:GOLGATHA: - Seven Pillars

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Golgatha-Seven-Pillars.jpg
Artist :GOLGATHA:
Title Seven Pillars
Homepage :GOLGATHA:
Label ATHANOR
Leserbewertung
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6.6/10 (5 Bewertungen)

Mit Thomas Edward Lawrence widmet sich das deutsche Projekt :GOLGATHA: abermals einem interessanten aber auch sehr komplexen Thema zu. Verarbeite man in der Vergangenheit bereits den Ikarus-Mythos sowie das japanische Kydos-Prinzip ist nun Lawrence von Arabien an der Reihe, den auch Bildungsmuffel zumindest aus der überdimensionalen David Lean-Verfilmung her kennen dürften. Der Brite (1888-1935) war gleichsam Geheimagent wie Schriftsteller wie Hobby-Archäologe und dürfte zu den schillerndsten Persönlichkeiten des 20ten Jahrhunderts gehört haben. An so einem Projekt kann man sich strategisch gehörig verheben, doch Christoph D. und Gefährten gehen hier konzentriert zur Sache und beleuchten pro Stück genau einen Zeitpunkt/ -abschnitt aus Lawrences Leben, beginnend mit seiner ersten Reise durch Syrien im zarten Alter von 21 bis hin zur letzten „Reise“ 6 Tage vor seinem Tod. Der Mann starb im übrigen an den Folgen eines Motorradunfalls.

Als Einstieg wählen :GOLGATHA: etwas unchronologisch das Jahr 1919, hier musste sich Edward der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident stellen. Ein paar Jahre vorher hatte er den arabischen Aufstand gegen die Osmanen angezettelt, der zwar zur Eroberung einiger Städte führte (siehe Stück 4, indem es um das strategisch wichtige Akabar geht), doch die Meriten fuhr die alte Welt um England und Frankreich ein. Eigentlich wie immer in der Geschichte und gleichsam Wendepunkt im Leben des Protagonisten, der kurze Zeit später unter Pseudonym untertauchte und sich vehement für den Frieden einsetzte, von Reuegefühlen gegenüber seinen geliebten Beduinen getrieben. Bevor das hier aber zur reinen Geschichtsstunde verkommt noch ein paar musikalische Fakten. Wieder setzt das Projekt auf eine Mischung aus Ambient Klängen, Military Percussion und außergewöhnlichen Instrumenten. Besonders anmutig wird beispielsweise eine Violine eingesetzt, die etwa bei Titel 6 einen schönen Kontrast zur martialischen Atmosphäre setzt. Weiter herausragend: „June 1919“, ein Titel mit „richtigem“ Gesang und orientalisch angehauchter Basis. „September 1919“, die Vertonung eines Gedichts des Amerikaners Ezra Pound, vorgetragen von keinem Geringeren als Tony Wakeford (SOL INVICTUS). Und natürlich das vermeintlich abschließende „May 13, 1935“, welches sehr stark an einen Italowestern Score erinnert. High Noon – nichts geht mehr. Nur noch ein Hidden Track ganz zum Schluss.

:GOLGATHA: bestätigen noch einmal eindrucksvoll, dass sie zu DEN Hoffnungsträgern der experimentellen Military/ Ambient Szene gehören, die problemlos anspruchsvollsten Inhalt mit abwechslungsreichem Songwriting in Einklang bringen. Nichts zum Nebenbeihören freilich, dafür hat man dann aber länger was davon. Und ein Stück des nächsten Longplayer hat ja bereits Einzug auf den aktuellen Cold Meat Industry Sampler gehalten. Die Reise hat gerade erst begonnen…

P.S.: Der Titel „Seven Pillars“ bezieht sich auf das Kernschriftstück des Autors namens „Seven Pillars of Wisdom“ aus dem Jahre 1926 (deutsch: „Die sieben Säulen der Weisheit“).

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