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GORETRADE - Ritual of Flesh

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Artist GORETRADE
Title Ritual of Flesh
Homepage GORETRADE
Label DISPLEASED RECORDS
Leserbewertung
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Es ist bei manchen Platten wie bei einem Buch: Man muss sich einhören. Was zunächst mit augenscheinlich schwerfälligen und eigenbrötlerischen Formulierungen und Redewendungen quält, entpuppt sich schließlich als ein dichter Mikrokosmos, der eigenen Gesetzen folgt. „Ritual of Flesh“ ist ein ebensolcher Fall, auch wenn jetzt keiner gleich an Shakespeare oder Joyce denken sollte.

Eigenen Gesetzen folgt zunächst einmal die Informationspolitik der Plattenfirma: „Ein Muss für Fans von DEVOURMENT!“ und: „Mit einem Mitglied von INTERNAL SUFFERING!“ schreit das Presseinfo und wenn sich sämtliche Anhänger dieser Mega-Bands bereit finden, den Weg nach Münster anzutreten, stelle ich meine zehn Quadratmeter Lebensraum gerne für das erste internationale Fantreffen bereit. Was nur heißen soll, dass hier der dunkelste Untergrund regiert, mit einer nicht einmal so eisernen Hand, denn obwohl sowohl von US-amerikanischer Wucht und kolumbianischer Brachialität die Rede ist, sind die ersten Töne des Albums eher von kuscheliger Wärme als überkochendem Ungestüm, mehr Goretex als GORETRADE. Tausend Totenköpfe zieren das von „Kult-Künstler“ Jon Zig (dessen Fans ebenfalls eingeladen sind) gestaltete Booklet, die Band sieht auf den Fotos aus wie vier pubertierende Ghetto-Boys auf dem Spielplatz der Grundschule und der mit dem unverzeihlichen Künstlernamen Grindersson ausgestattete Schlagzeuger bedient nicht nur die Drums, sondern gleich eine ganze „Grind Artillery“ – doch mit den so verehrten CRIPTOPSY hat das alles nicht viel zu tun. Statt dessen wird eine Mischung aus langsamem Grind und Death dargeboten, mit deutlich erkennbaren Riffs, schwurbelnden Gitarren und ungewöhnlicher Variabilität im Tempo. Die Snare hört sich dabei so an, als hätte ein Witzbold an Lars Ulrichs Drumkit die Schrauben völlig herausgedreht und Shouter Cesar Vera täte gut daran, bereits im Vorfeld eventueller zukünftiger Liveauftritte zuzugeben, dass nicht er, sondern ein aus dem Gehege des örtlichen Zoos entlaufener Eber für die Vocals verantwortlich war. Nichts springt aus dem Rahmen, die guten Teile der Texte sind aus dem Poesiealbum der dumpfbackigen Blondine in der ersten Reihe abgeschrieben, die schlechten Teile in Windeseile kurz vor dem Abgabetermin bei der Plattenfirma zusammengereimt worden: „His birthday is now and the murderer is coming back with hate/ Here he is now… full of hate!!!“ heißt es, die drei Ausrufezeichen inklusive, in „Born of a murderer“, es ist eine schmeichelhafte Passage.

Doch merkwürdig – die Summe der Mittelmäßigkeiten verdichtet sich zunehmend zu einem durchaus unterhaltsamen Album, dem man gerne von Anfang bis Ende folgt. Irgendwo ist zwischen Bierflaschen, Pornoheftchen und dem gesamten Backkatalog der grandiosen DEVOURMENT etwas komplett eigenes entstanden, etwas so Abstruses, dass es wohl einzigartig sein muss. Wenn sie jetzt anfangen, ihre Instrumente zu lernen, wird alles zusammenbrechen, doch hier und jetzt kann man sie noch mit dem Charme dilettantischen Genies bewundern. Kein Shakespeare – doch Dada galt ja auch mal als Literatur.

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