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GOTTESFINSTERNIS - Angstschrei

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Gottesfinsternis-Angstschrei.jpg
Artist GOTTESFINSTERNIS
Title Angstschrei
Homepage GOTTESFINSTERNIS
Label PANDAILECTRIC
Veröffentlichung 01.07.2003
Leserbewertung
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7.0/10 (1 Bewertungen)

„Ein neues Päckchen von Pandailectric – Sicher wieder gefälliger Synthie Pop“. Das waren meine ersten Gedanken beim Anblick des Debütalbums der deutschen Formation GOTTESFINSTERNIS. Doch schon der Projektname klingt ungewöhnlich, was sich durch das gesamte lyrische Konzept der Herren Toms Aries (Gesang und mehr) sowie Daniel Snowwise (Keyboard und mehr) zieht. Die beiden musizieren bereits seit 1997, zunächst noch mit der Sängerin Cantana und unter dem nicht weniger eindrucksvollen Namen FRONTOTEM PORALE DEMENZ. Nachdem man mit ein paar Songs schon für Aufsehen in Clubs des Ruhrgebiets sorgen konnte, verließ die gute Frau 2002 ihre männlichen Mitstreiter, welche sich sodann unter heutiger Bezeichnung reformierten. Mit „Garten der Vergessenheit“ liegt eine Art Best of der ersten Jahre vor.

Der Name GOTTESFINSTERNIS steht als Metapher für die Abkehr des Menschen von Gott, wenn es ihn denn je gegeben hat. Demnach beschäftigt sich die lyrische Seite mit dieser wahlweise als Freiheit oder Einsamkeit zu bezeichnenden Isolation. Wird der Mensch als „eigener Gott“ sich selbst und die Zivilisation vernichten? Hat uns der Vater nur auf die Probe gestellt? Warum gibt er uns keine Zeichen? Diese und andere Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch die fast 70minütige Veröffentlichung. Musikalisch hat man es im weitesten Sinne natürlich mit elektronischer Musik zu tun, eine genauere Klassifizierung fällt allerdings schwer. So kann man zu gleichen Teilen Avantgarde- wie Clubelemente ausmachen. Die Songs wirken eingängig und oft auch sehr rhythmisch, aber „dennoch“ anspruchsvoll. „Erzengel Luzifer“ bringt das lyrische Konzept am deutlichsten auf den Punkt, da es sich hier um ein fiktives Zwiegespräch von Gott und dem Höllenfürsten (dem verstoßenen Sohn) handelt. Es beginnt mit ruhigem Sprechgesang, steigert sich dann aber immer mehr in eine leidenschaftliche Auseinandersetzung. Dabei werden auch die verschiedenen Gesangsstile eingesetzt, mit denen Toms vollauf überzeugen kann. Teilweise hört er sich wie eine modifizierte Ackermann-Version an, wobei auch Inhalt und Rhythmik bisweilen an DAS ICH erinnern. Da würde sich in meinen Augen ein guter Support Slot anbieten. Weitere Höhepunkte: das sehr eindringliche „Nur Macht“, das epische „Am Waldesrand“ sowie „Stacheldraht“, einer der tanzbarsten Tracks. Besonders gefällt mir auch der Text zu „Sie marschieren wieder“, denn hier wird das Wiedererstarken rechter Gesinnung auf pointierte Art und Weise angeklagt. Wann findet man schon mal so differenzierte politische Aussagen im Elektrobereich?

Alles in allem ein erstaunliches „Debüt“, was aber bei der Vorgeschichte der Musiker kaum anders zu erwarten war. Intelligent, clubbig und sehr oft richtig mitreißend. Ich ziehe meinen imaginären Hut!

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Gottesfinsternis 'Angstschrei' Tracklist
1. Einleitung
2. Eine neue Nacht
3. Gottes Schmiedefeuer
4. Nur Macht
5. Einander
6. Stacheldraht
7. Erzengel Luzifer
8. Sie marschieren wieder
9. Einmal mehr
10. Die Schlange
11. Am Waldesrand
12. Die Nacht im Winter
13. Wir sind die Kinder
14. Keine Titelinformation
15. Keine Titelinformation

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