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GUERNICA - Senza sudare

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Artist GUERNICA
Title Senza sudare
Homepage GUERNICA
Label EIGENPRODUKTION/ MKM PROMOTION
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Ein bisschen böse bin ich schon. LAURA PAUSINI, EROS RAMAZOTTI, TIZIANO FERRO und andere Szenegrössen aus dem Land der überreifen Tomaten lieferten in regelmässigen Abständen den gesicherten Beweis dafür, dass italienischer Pop nichts taugt, ausser vielleicht eine passende Untermalung für „Da Dino’s“ und andere Spitzenklassepizzerien an den Ecken deutscher Kleinststädte zu liefern, wenn sich Grappa und Blut in den Adern einem ausgeglichenen Verhältnis annähern. Jetzt kommen GUERNICA daher und nehmen mir die Möglichkeit, guten Gewissens in einen Rundumschlag wider die gefühlsdudeligen Azurri zu verfallen und alles über einen Kamm zu scheren – es fällt eine der letzten Hochburgen des schlechten Geschmacks, in einer Zeit, in welcher der Untergrund dank eines immer kreativeren Mainstreams ohnehin schon an einer Identitätskrise leidet.

Dass diese Truppe als Coverband begann, kann indes schon nicht mehr als Vergehen gewertet werden, es sei denn, man wolle auch den BEATLES und den ROLLING STONES vorwerfen, in ihrer Frühphase das allabendliche Programm hauptsächlich mit dem Material fremder Interpreten bestritten zu haben. Vielmehr haben sich die vollen sieben Jahre Bühnenerfahrung bei GUERNICA voll ausgezahlt – wenn diese Maxi-CD ins Deutsche übersetzt den Titel „ohne Schweiss“ trägt, so ist dies nicht nur als Beschreibung der reibungslosen Kommunikation zwischen den Musikern zu verstehen, die sich in perfekten akustischen Instrumentalarrangements und traumhaften Harmoniegesängen äussert, sondern zudem als ironischer Seitenhieb auf eine lange Zeit der Anstrengungen und Entbehrungen. Zumindest letztere dürften mit dieser Veröffentlichung zu Ende sein, denn wenn ihnen diese fünf ausnahmslos grandiosen Tracks nicht sofort und ohne Umwege einen Plattenvertrag einbringen, werde ich mich höchstpersönlich als Manager bei den Jungs bewerben. Der zarte Schmelz von „Un dubio irrelevante“ und „Insostituibile“, die düstere Dämmerung von „Post-X“, die zarten Klaviertupfer auf „Cantico“ und die beinahe schon plakative Poesiealbumromantik der abschliessenden Gitarrenballade „Io“ – obwohl der Vergleich ein wenig hinkt: So naiv, rührend aber auch zielsicher waren in all den Jahren höchstens THE CURE.

Keine blutigen Blumen indes, sondern das blühende Leben – selbst in Zeilen wie „Ho avuto tutto e tutto perdero“ (Ich hatte alles, doch ich habe alles verloren) steckt nicht die resignative Depression des Leidenden, sondern der Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und genau der wächst bei all denen, denen diese Musik zuteil wird – wer könnte ihnen da noch böse sein?

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