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HARALD BLÜCHEL - Die Toteninsel

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Artist HARALD BLÜCHEL
Title Die Toteninsel
Homepage HARALD BLÜCHEL
Label TIME OUT OF MIND RECORDS
Veröffentlichung 01.09.2006
Leserbewertung
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5.4/10 (8 Bewertungen)

HARALD BLÜCHEL – eine schillernde Persönlichkeit. Hier einige wesentliche Fakten: Geboren 1963 in Nürnberg, Hochbegabtenstipendium (das hat er mit mir gemein ;-) , Hörspielproduktionen, Teilnehmer an der ersten Love Parade, 1991 das Auftauchen seines Alter Egos COSMIC BABY, Riesenerfolge unter diesem Künstlernamen (der „Messias des Techno“), 1999 letzter internationaler CB-Live Auftritt vor 10000 Besuchern in Tampa, Auslandsaufenthalte, 2004 VÖ einer Zusammenarbeit mit SCHILLERs van Deylen („Bi Polar“). Und das ist nur eine ganz kurze Rundreise durch die Vita des Deutschen, den ich bislang zugegebenermaßen nicht so im Fokus hatte. Warum jetzt also HARALD BLÜCHEL im Terrorverlag? Weil er mit seiner neuesten Produktion andere Wege geht, die ihn äußerst interessant für elektronische Avantgarde Hörer macht.

Seine ursprüngliche Intention: Weg von den billigen in wenigen Stunden erstellen Tracks, hin zu persönlicheren/ intensiveren Klängen. „Zerlegung des grossen Gestus in seine komplizierteren Einzelteile. Der grosse Wunsch, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem die Zusammensetzung der Einzelteile ein komplexeres Ganzes darzustellen vermag.“ Dieses durchaus intellektuelle Zitat könnte ebenso von MARTIN STEINEBACH oder diversen Cold Meat Künstlern stammen, und so weit entfernt ist der klangliche Output dann auch nicht. „Die Toteninsel“ stellt dabei den ersten Teil der sogenannten „Zauberberg-Trilogie“ dar, über deren Hintergründe das auskunftsreiche Booklet detailliert informiert. Der Titel „Die Toteninsel“ nimmt wiederum Bezug auf ein berühmtes Gemälde. Hierzu ebenfalls ein paar erhellende Sätze aus Sekundärquellen: „Der Schweizer Maler Arnold Böcklin (1827-1901) erhielt 1880 von einer jungen Witwe den Auftrag für „ein Bild zum Träumen“. Seiner Auftraggeberin schrieb Böcklin in einem Brief im gleichen Jahr, „das Bild müsse so still werden, das man erschrickt, wenn an die Tür gepocht wird“. Die erste Version des Bildes hieß dementsprechend „Stille“, die vier folgenden Versionen erhielten den Titel „Die Toteninsel“.

Mithin also ein eher melancholisch depressives Thema, wie ist das ganze nun musikalisch illustriert worden? Zunächst als 51 minütiges Hörstück in 3 Sätzen (analog zum Akt im Theater), mit jeweils mehreren abgegrenzten Unterparts. 1. Satz: Die „Gegenwart“ vertraut auf Ambient-Klänge, wie man sie von entsprechenden Genrekünstlern kennt, während die „Jahrhundertwende“ auf Streicher-artige weiträumige Melodiebögen und Flächen setzt. Der „Güterzug“ – ganz seinem Namen verpflichtet – bietet uns den Lärm der industriellen Revolution in all ihren Facetten an, dazwischen ein paar Sprachfetzen. Homogen ist anders, aber man muss hier auch den experimentellen Charakter der 1999 bis 2001 entstandenen Kompositionen miteinbeziehen. Blüchel ist hier noch ein Suchender, der sich fasziniert von neuen Klangwelten an unterschiedlichsten Ausdrucksformen versucht. 2. Satz: SCHILLER-Fragmente bei „Ultrachronos“, ein Piano-Zwischenspiel bei „E-Dur, Donnerstag“. 3. Satz: „Kopf gegen die Wand“: Leichte Industrialanklänge illustrieren diesen nicht gesundheitsfördernden Vorgang. „Baisse“ – Sprache im Sinkflug mit Harfen-Erlösung. „Der erste Schnee“: Perlende Soundflocken im 80er Gewand (FALTERMEYER lässt grüßen). „Entropie“ sowie „Seance“: Typische SCHILLER-Sequenzen, die ersten „richtigen“ Songs des Silberlings inklusive Percussion – sehr gefällig. Zum Abschluss die „Gegenwart plus 1“ (also die Zukunft?!)… die düstere Klammer zum Beginn, die Stille erreicht den Raum und der Reisende die Toteninsel.

Sicher ein ambitioniertes Werk, zu dem nicht alle Zugang haben werden, zu heterogen sind die elektronischen Landschaften ausgefallen. Wenn man aber die Prämisse der experimentellen Klangcollage in Verbindung mit dem Motiv des stillen Gemäldes akzeptiert, kann ein erstaunlich interessantes „Kopf“kino in Gang gesetzt werden, am besten ungestört unter dem „Kopf“hörer. Für Freunde von Ambient bis hin zu sphärischem Noise eine spannende Entdeckung, alle anderen werden eher zu den just erschienenen Neuauflagen des COSMIC BABY-Back Katalogs greifen…

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Harald Blüchel 'Die Toteninsel' Tracklist
1. Güterzug - Blüchel,Harald
2. E-Dur (Donnerstag) - Blüchel,Harald
3. Gegenwart plus 1 - Blüchel,Harald
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