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HARTHOF - Nichts was mir gefällt

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Harthof-Nichts-Was-Mir-Gefaellt.jpg
Artist HARTHOF
Title Nichts was mir gefällt
Homepage HARTHOF
Label DREIKLANG
Leserbewertung
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10.0/10 (4 Bewertungen)

Aufgepasst, verehrte Kieferorthopäden; hier kommt eine Band, die Sie kennen sollten: HARTHOF. Die vier Jungs haben sicher top gepflegte Zähne, also nur indirekt mit Ihnen zu tun. Vielmehr geht es darum, dass ca. 95% Ihrer jungen Zahnspangentragenden Patienten wohl automatisch anfangen, ihr freundlichstes und zahnvollstes Grinsen zu zeigen, wenn Sie den Bandnamen erwähnen. Auf der anderen Seite sollten sie es vermeiden, Poster von diesem Quartett in ihrem Wartezimmer aufzuhängen, wenn sie dort wirklich Ruhe haben wollen. Für HARTHOF selber ist die Ruhe hingegen vorbei, mit “Nichts was mir gefällt” melden sich die Berliner mit Album Nummer 2 zurück – und alle “BRAVO”-Leser werden schon ganz hibbelig.

Deutsche Texte im Pop-Punkrock-Gewand, diesem Konzept hat sich das Quartett verschrieben und setzt es im Opener “Farblos” auch gleich souverän um. Die erste Singleauskopplung kommt sehr schwungvoll und energiegeladen daher, die Strophen sind schön gestaltet und der Refrain reißt einen nett mit. Es geht (mal wieder) um Unglück und Unverständnis. Der zweite Song “std:min:sek” kommt sehr schwungvoll und energiegeladen daher, die Strophen sind schön gestaltet und der Refrain reißt einen nett mit. Es geht um Unglück und Liebeschmerz. Der dritte Song heißt “Du statt ihr” und kommt sehr schwungvoll und energiegeladen daher, die Strophen sind schön gestaltet und der Refrain reißt einen nett mit. Es geht um Unglück und Liebeschmerz… Im Prinzip könnte ich nun noch neun weitere Titel so abhandeln und hätte die 40 Minuten Gesamtspielzeit dabei abgedeckt, frei nach dem Motto: “Kennste eins, kennste alle”. Allerdings wäre das an dieser Stelle doch zu einfach, zumal HARTHOF eine junge und durchaus talentierte Band ist, die allerdings dermaßen berechenbaren und belanglosen Pubertäts-Punk macht, dass es einem schon fast nicht mehr leidtut, dass zu schreiben. Aber es kann doch nicht sein, dass man pausenlos über verschmähte Liebe, unglückliche Beziehungen und falsche Hoffnungen jammert. Ein Blick auf die Tracklist genügt: “Es ist aus”, “Dich für immer zu vergessen”, “Nie mehr zu zweit”… Wenn man das schon serviert, dann doch aber bitte selbstgekocht – und nicht nach Schema A gepantscht. Geht es ausnahmsweise mal nicht um Liebe bzw. Mädchen/ Frauen, dann ist es eine Nummer wie “Spieluhr”, bei der man einer völlig ausgelutschten Melodie huldigt und als Ohrwurm verkauft, welcher die ganze Welt tanzen lässt und “den Erfolg verspricht”. Dieser Song erklärt immerhin, wie so ein Album entstehen konnte. Gesanglich und Instrumental ist man dabei an sich total im Soll, man hat im Ansatz nette Ideen und Einfälle, allerdings schraubt man diese dann nach einer Vorlage zusammen, welche die Komplexität einer “Ü-Ei”-Anleitung hat. Und selbst beim “Ü-Ei” hat man wenigstens noch Spiel, Spaß und Spannung. HARTHOF können spielen, haben – zumindest dem hören nach – dabei auch Spaß, doch Spannung erzeugen sie dabei leider nicht. Die Texte sind abgegriffen (bei “Kino” hat man wenigstens ein zwar nicht neues, aber nett umgesetztes Leitmotiv) und die Themen (bzw. das Thema!) uninspiriert. Trotz das man es schnell und leicht mitsingen könnte, bleibt es nicht lange im Kopf, sondern glitscht einfach so durch. Damit schafft man es höchstens als Titelsong zu einer Soap bei “TOGGO-TV”.

Wirklich schade, da Stücke wie “Farblos” oder “Meine Strategie” für sich genommen sehr ordentlich sind, im restlichen Kitsch jedoch nahezu komplett untergehen. HARTHOF besitzen ohne Zweifel das Potential, guten Pop-Punk oder Power-Rock zu machen, doch dazu muss man sich von so festgefahrenen Angelegenheiten wie hier distanzieren. Zumindest für das junge Publikum, das auf die KILLERPILZE oder immerhin FARIN URLAUB steht, zählen die vier Berliner sicher jetzt schon zu Volkshelden – und das ist ja an sich auch schon mal eine schöne Sache.

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