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HEADS. - Collider

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Heads-Collider
Artist HEADS.
Title Collider
Homepage HEADS.
Label THIS CHARMING MAN RECORDS
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

Am Ende rollen immer Köpfe. Deshalb ist es nur konsequent, dass sich nach knapp acht Jahren meine letzte Rezension an dieser Stelle mit dem in Berlin beheimateten, deutsch-australischen Noise-Trio HEADS. und seinem zweiten Album „Collider“ befasst, das Anfang April erscheinen wird.

Der Titel ist gut gewählt, denn auf „Collider“ kollidieren tatsächlich verschiedenste Elemente aus dem erweiterten Noise-Orbit und setzen dabei eine Menge Energie frei, aus der sich über die 42 Minuten Spielzeit ein von dunklen Spannungen und schroffen Riffs geprägter, massiger neuer Himmelskörper formt. Dessen Ursprung liegt definitiv in der Hochphase des Noise Rock um den Anfang der Neunziger herum. Die leicht psychotisch anmutende, (dis)harmonische Lethargie von Pionieren wie SONIC YOUTH ist allgegenwärtig und bildet einen ebenso roten Faden wie der mittenlastige, krachende Sound, der an Post-Hardcore-Ikonen wie FUGAZI erinnert. Deren Drive wird durch das bewusst schleppende, dafür umso scharfkantiger schneidende Drumming spürbar verlangsamt. Das so entstehende, brodelnde Gebräu wird veredelt von dem erstaunlich weichen und zurück genommenen Gesang von Frontmann Ed Fraser. Dessen warme Stimmfarbe bildet einen interessanten Kontrast zu den überwiegend von fragender Verzweiflung geprägten, minimalistisch inszenierten Melodien, die in nicht wenigen Momenten so auch von JOY DIVISION stammen könnten, in etwas Selteneren (wie z.B. in „Smile“) auch von frühen SOUNDGARDEN. Obwohl alle genannten Eckpunkte und Referenzen aus heutiger Sicht schon als „Retro“ oder gar „Vintage“ bezeichnet werden müssen, klingt „Collider“ nicht einen winzigen Moment lang altbacken, was nicht nur an der glasklaren und jedem modernen Anspruch genügenden Produktion liegen kann. Wie ist das möglich? Zum einen sicherlich, weil die Stimmung aus Zerrissenheit und unterdrückter Wut, die durch solche Musik transportiert wird, in der heutigen Zeit nicht minder aktuell ist als damals. Zum anderen aber auch, weil die in der Zwischenzeit vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte Musikgeschichte nicht spurlos an den HEADS. vorbeigegangen sind. Nur sind deren Einflüsse subtiler und daher schwerer zu benennen, auch wenn ich schwören könnte, dass das eine oder andere Post Metal-Album seinen Weg in die Gehörgänge der musikalischen Köpfe gefunden hat. Das abschließende „Youth“ zum Beispiel nickt freundlich in Richtung STEAK NUMBER EIGHT und hat mit seiner geschlossenen Harmonielinie einen beinahe versöhnlichen Charakter. Zum Glück nur beinahe, denn eine wirkliche Erleichterung des Daseins zum Ende hin würde „Collider“ nicht gerecht.

Fazit: HEADS. haben mit diesem Zweitwerk das Ausrufezeichen, das sie mit ihrer 2015’er Debüt-EP bereits gesetzt hatten, mehr als bestätigt und katapultieren die Neunziger mit ihrem Sound so ansatzlos in die Neuzeit, dass es derbe kracht. Und das soll es ja schließlich auch. Also alles absolut richtiggemacht. Chapeau!

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