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HEARTSCORE - Straight to the Brain

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Artist HEARTSCORE
Title Straight to the Brain
Homepage HEARTSCORE
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Der erste Eindruck ist Verwirrung: Während das freihändig per Maus erstellte Cover selbst die „Mein Baby lernt malen“-CD ROM aus dem Ramschregal in Sachen Hässlichkeit locker in den Schatten stellt, erblickt man nach Herausnahme des Silberlings aus dem Tray Dirk Radloff selbst, in künstlerischer Pose und rotem Seidenhemd. Zwischen Scherzerade und Schizophrenie vermutete man ein weites Feld, hier sind sie Nachbarn.

Dennoch gehen wir mal davon aus, dass dies durchaus ernst gemeint ist. Denn Witzigkeit alleine könnte wohl kaum ein Projekt zusammenhalten, welches den Gestus des Indie-Sounds, Blues, Art-Rock und Jazz-Improvisationen zusammenführt. Und gelacht haben wir sogar bei der SPIDER MURPHY GANG mehr als bei Liedtexten aus den Federn der größten englischsprachigen Poeten, vor allem wenn deren Titel „God lay dead“ lauten und das Fremdwörterbuch fern ist. Man stelle sich das folgendermaßen vor: Kurze, prägnante Riffs werden im Sekundentakt von metronomischen Verschiebungen durchbrochen, opulente Arrangements fließen nahtlos in spartanische Gitarre/ Bass/ Schlagzeug Skelette und ein einsames Falsett wird zur wohligen Harmonie. Als nachgeborenes Hippiekind darf man jetzt seine wahre Gesinnung offenbaren und es mit dem Leitspruch der 90er Jahre Technokultur halten: Open your mind! So sperrig, wie das zunächst anmutet, ist dieser Stilspagat nämlich gar nicht und hat man sich einmal die Mühe gemacht, sich durch den harten Tobak der ersten drei Titel zu kauen, lockt der Reisbrei des Schlaraffenwunderlands: Die musikalische Komplettpackung „The Schoolboy“ (ersetzt eine ganze Plattensammlung), der kompakte Riff-Rock von „The tide rises, the tide falls“, das wunderbare YES-Tribut „The Arrow and the Song“ und das klassisch umhauchte orchestrale Finale „The day is done“.

Gerade letzteres begeistert mit einer selten zuvor so erlebten Symbiose aus Musik und Text. Denn obwohl Radloff in seinem Ansatz angeblich letzterem Priorität einräumte, geben sich die beiden stets als gleichberechtigte Partner. Während das Chart-Radio seine Berechtigung aus der Bestätigung der ewig alten Vorurteile erhält, wird hier bewusst und aus Liebe an der Sache ein großes Fragezeichen markiert. Ein bisschen Verwirrung kann gar nicht schaden.

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