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(HED)P.E. - New World Orphans (NWO)

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Artist (HED)P.E.
Title New World Orphans (NWO)
Homepage (HED)P.E.
Label SUBURBAN NOIZE
Veröffentlichung 05.03.2010
Leserbewertung
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6.8/10 (4 Bewertungen)

Einige Jahre sind die Crossover-Artisten (HED) P.E. aus der sonnigen Thrash-Hochburg Kalifornien bereits im Musikgeschäft. Mitte der Neunziger als Crossover- und Hardcore-Projekt gegründet, schwamm man zur Jahrtausendwende zeitweilig auf der Nu Metal-Welle mit, kabbelte sich dann aber mit den großen Majorlabels, mit der Begründung, es fehle die musikalische Freiheit aufgrund des Zwangs, massentauglicher klingen zu müssen, und landete mit dem 2006er Release „Back 2 Base X“ auf „Suburban Noize“ (u.a. OPM, AUTHORITY ZERO) und damit wieder im Untergrund. Fronter und Gründer Jahred Shane lässt durchblicken, dass die gefallene Entscheidung genau die richtige für das ominöse Vorhaben der Band war. Denn nachdem sie den puren Rock’n’Roll-Lifestyle und damit die von Exzessen durchwachsenen Jahre endgültig hinter sich gelassen haben, scheinen sie nochmal voll durchstarten und noch lauter, noch ungebändigter als je zuvor klingen zu wollen. Wie Shane erklärt, sieht sich die Band dafür bestimmt, nicht nur weiter munter in die Kauleiste der amerikanischen Politik zu boxen, sondern für alle „New World Orphans“, die vom System gebeutelt werden und folglich wenig in unserer verlorenen Welt zu sagen haben, die Stimme zu erheben und das gesamte Netz politischer Lügen schonungslos aufzudecken. Sollte ihnen das tatsächlich gelingen, müssten sie mit dem bereits 2009 veröffentlichten Album ja den ganz großen Wurf gelandet haben.

Natürlich war das ein wenig übertrieben. Mit politischen Statements sind die Jungs schließlich nicht die ersten. Doch muss man ganz klar sagen, dass, nachdem es recht still um (HED) P.E. wurde und die teils halbherzigen Vorgänger wenig überzeugen konnten, sie mit „New World Orphans“ endlich wieder einen dicken Sprung nach vorne gemacht haben. In dem insgesamt 24 Tracks umfassenden Werk steckt viel Energie, Herzblut, musikalische Moderne, aber auch reichlich 90er-Sound. Der Punk klingt derbe oldschool und straight, die Thrashmetal-Riffs prügeln bei „Bloodfire“ sogar richtig morbide auf den Hörer ein. Die Nu Metal-Vergangenheit ragt auch des öfteren heraus, die Elemente klingen aber nach Jahren der Reifung deutlich emanzipierter und erwachsener. Direkt und ohne Umwege schreit, rapt und singt Jahred dabei seine Lyrics heraus, was tatsächlich seine besondere „Bestimmung“ bestätigt, auch wenn er sicher nicht als Moralapostel verstanden werden will. Trotz ernster Message verzichtet er aber nicht auf „Ghetto-Slang“ und gängiges Vokabular des neuzeitigen Sprechgesangs und wird dabei ab und an auch mal von Gastmusikern wie den KOTTONMOUTH KINGS unterstützt. Doch statt den freshen, beinahe MTV-tauglichen HipHop-Tracks stehen immernoch die gewaltigen Gitarrenstücke im Vordergrund, die auch mal gerne mit orientalischen Sounds, Reggae- und Funk-Einflüssen versetzt werden. Hit-Material versteckt sich nicht nur in der ersten Auskoppelung „Ordo (AB Chao)“, auch das kurze, punkige „Family“ oder ein hooklastiges „Renegade“ verleiten zum öfteren Genuss dieser Scheibe. Ewig streiten kann man sich wohl über die prolligen Textzeilen, die dem Album mal direkt ein „parental advisory“ aufgedrückt haben. Wer (HED) P.E. schon lang genug kennt und hört, wird sich daran ohnehin nicht stören. Man muss ebenso anmerken, dass Crossover und typischer Rap nunmal des öfteren schon erfolgreich korrespondiert haben. Wenn 50 CENT und Konsorten die Welt der baggytragenden Kids so aufmischen und bereichern, warum sollten (HED) P.E. ihre musikalischen Wurzeln verleugnen? Zumal die provokativen, oft ironischen Zeilen schon Klasse haben, weder stumpf, noch kommerziell abgerundet klingen und dafür dem Staat die bitterböse Wahrheit auf die Stirn schmieren. Vielleicht ist Hip Hop ja doch nicht tot.

Zumindest sind es (HED) P.E. nicht, die mit „New World Orphans“ eine reife, zeitgemäße und doch urtypische Scheibe an den Mann bringen, die dazu noch in drei Farben und mit unterschiedlichen Bonus Tracks erhältlich ist – in meinem Falle wäre das die „White Version“. Die Zeiten des fauligen Nu Metals sind damit endgültig besiegelt, und vor einem steht plötzlich ein aggressives Paket, das die Grenzen des konventionellen Crossovers mal so eben wegbläst. Die Band beweist in mehrerlei Hinsicht Courage und präsentiert sich als standfeste Institution, die mit Intelligenz und Eifer zu Werke schreitet. Für so eine Platte kann man nur gebührend entlohnt werden. Trauert keinen alten Eisen hinterher, werft eure LIMP BIZKIT „Best Of“ mal für ein paar Minuten in die Ecke und gebt euch diese Platte, denn so hat das zu klingen. „Bow down, bitches, bow down“!

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(Hed) P.E. 'New World Orphans (NWO)' Tracklist
1. New world intro Button MP3 bestellen
2. Live or die free Button MP3 bestellen
3. Bloodfire Button MP3 bestellen
4. Ordo (Ab Chao) Button MP3 bestellen
5. Stay ready - (Hed) P.E. / Dirtball
6. Family
7. Stepping stone Button MP3 bestellen
8. Renegade Button MP3 bestellen
9. Everything all the time Button MP3 bestellen
10. Mortgage crisis intro
11. Middle class blues
12. Flesh and blood
13. Nibiru intro
14. Planet x Button MP3 bestellen
15. Higher ground - (Hed) P.E. / Kottonmouth Kings
16. A soldiers intro
17. Tow the line
18. Self aware
19. Lost history intro
20. This love Button MP3 bestellen
21. Here and now Button MP3 bestellen
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