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HEINZ RUDOLF KUNZE - Meisterwerke:Verbeugungen

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Artist HEINZ RUDOLF KUNZE
Title Meisterwerke:Verbeugungen
Homepage HEINZ RUDOLF KUNZE
Label SEVENONE MUSIC
Leserbewertung
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5.7/10 (3 Bewertungen)

Der unweit meiner Wahlheimat geborene HEINZ RUDOLF KUNZE wird 60. Zeit für ein Jubiläumsalbum also, eine Rückschau, ein Alterswerk. Oder man packt alles in den Mixer, verwurstet mal eben 50 Jahre deutsche Musikgeschichte und katapultiert von Schlager über NDW bis hin zur Avantgarde diverse „Klassiker“ in den Kunze-Kosmos. Sprachlich etwas ungelenk (inmyhumbleopinion) wird diese Cover-Sammlung „Meisterwerke:Verbeugungen“ benannt, was aber wiederum zu den gängigen Vorurteilen über den Künstler passt. Als linker Oberlehrer verschrien, verschwurbelt und verkopft, für viele auf ewig nur mit dem großen „ganzen Herz“-Hit verbunden, den ich im Übrigen noch heute gerne goutiere. Sicherlich nicht völlig von der Hand zu weisen, doch HRK hat noch einiges mehr zu bieten, wie eben beispielsweise sein politisches Engagement oder literarische Tätigkeiten. Ein neues Buch namens „Schwebebalken“ ist just erschienen.

Von daher sollte man tatsächlich vorurteilsfrei an dieses Album herangehen, zumal beispielsweise PETER KAUS mit seinem „Zeitensprung“ mehr als beachtlich vorgelegt hat. Und die äußeren Parameter stimmen ebenfalls: Das Cover stammt von Starfotograph Jim Rakete, als Produzent fungierte Swen Meyer (TOMTE, KETTCAR etc.), der auch gleich noch ein paar Denkanstöße hinsichtlich der Tracklist gab. So finden sich auf selbiger reinster Schlager (ROY BLACK), bundesdeutscher Nachkriegs-Eskapismus („Junge, komm bald wieder“ vom, wie man dann immer sagt, „unvergessenen“ FREDDY QUINN) oder auch der zeitlose Chanson eines UDO JÜRGENS. Auf der anderen Seite auf den ersten Blick Ungewöhnliches à la DAF (natürlich „Der Mussolini“ – ja der Kunze singt „Adolf Hitler“), CASPER (der wie Heinz Rudolf aus dem „Hinterland“ stammt) und sogar „Haus der Lüge“ von den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, sicherheitshalber ans Ende gepackt, um Niemanden nachhaltig zu verstören. DIE TOTEN HOSEN & DIE ÄRZTE dürfen nicht fehlen, der Osten wird von KARAT und den PUHDYS repräsentiert und die bei Prosecco-Frauen-Abenden sehr beliebten MÜNCHENER FREIHEIT (auch ein „guilty pleasure“ meinerseits) runden zwischen allen Stühlen sitzend geschmacklich ab.

Das alles ist stimmlich einwandfrei vorgetragen, engagiert, wirkt in sich trotz der vielen Ausgangsstile sehr homogen. Zumeist klingen die Bearbeitungen ruhiger, getragener, weniger hektisch (siehe etwa IDEAL). Man könnte auch sagen, mit weniger Ecken und Kanten, dafür aber durchaus melancholisch, gefühlvoll und sehnsüchtig. Das größte Verdienst dieser Liedersammlung ist sicherlich ihre Existenz an sich, das Brückenschlagen, popkulturelle Verweise zu ziehen, das Profane neben das vermeintlich Anspruchsvolle zu stellen, um letztlich einen Schmelztiegel deutscher Musikgeschichte entstehen zu lassen. Kunze mit seiner prägnanten Stimme mal wieder befreit von intellektuellem Sendungsbewusstsein zu lauschen, ist auch gar nicht so schlecht. Wobei diese „Verbeugungen“ inhaltlich durchaus Haltung und Aussage besitzen, nur eben auf charmant-unspektakuläre Weise interpretiert. Meine persönlichen Highlights sind hier übrigens tatsächlich die DAF- (liegt an meiner musikalischen Sozialisierung) und UDO JÜRGENS-Bearbeitungen, die jeweils dem Original eine neue Note beifügen.

Insofern kein Meisterwerk aber – auch für KUNZE-Abgeneigte – ein gut eingespieltes „Crossover-Werk“ mit fast dokumentarischem Charakter…

Hier noch mal die Tracklist:
1. Ganz in weiß – Roy Black
2. Blumen aus Eis (Popversion) – Karat
3. Junge, komm bald wieder – Freddy Quinn
4. Hinterland – Casper
5. Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluß hinauf – Thees Uhlmann
6. Der Mussolini – DAF
7. Ich steh auf Berlin – Ideal
8. Was ich Dir sagen will – Udo Jürgens
9. Deine Schuld – Die Ärzte
10. Solang man Träume noch leben kann – Münchener Freiheit
11. Alles aus Liebe – Die Toten Hosen
12. Für mich soll’s rote Rosen regnen – Hildegard Knef
13. Wenn ein Mensch lebt – Puhdys
14. Haus der Lüge – Einstürzende Neubauten
Bonustrack:
15. Blumen aus Eis (Rockversion) – Karat

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